Deadpool 2 (2018)

Deadpool 2 (2018)

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  2. 119 Minuten

Filmkritik: If I could turn back time...

"Papa, can you hear me?"
"Papa, can you hear me?" © 2018 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Fast scheint es, als hätte Wade Wilson (Ryan Reynolds) aka Deadpool ein Happyend mit seiner grossen Liebe Vanessa (Morena Baccarin) gefunden. Nach einem schweren Schicksalsschlag muss er jedoch von den X-Men wieder aufgepäppelt werden. Bei seiner ersten Mission als X-Men-Azubi muss der 14-jährige Mutant Russell (Julian Dennison) gestoppt werden, der Feuer aus seinen Händen schiessen kann und gerade daran ist, eine Rehabilitationsklinik für junge Mutanten abzufackeln. Natürlich vermasselt Deadpool alles und landet zusammen mit dem Jungen im Mutantengefängnis "Ice Box".

Vor seinem Handschuh stand Thanos eher auf Knarren.
Vor seinem Handschuh stand Thanos eher auf Knarren. © 2018 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Während die beiden versuchen, inmitten der schlimmsten Mutanten zu überleben, greift ein weiterer Spieler ins Geschehen ein: Cable (Josh Brolin), ein mächter Cyborg-Kämpfer aus der Zukunft, ist durch die Zeit gereist, um den Tod seiner Familie zu verhindern. Dafür muss er Russell töten, der kurz davor steht, zum ersten Mal zu morden und in der Folge zum blutrünstigen Bösewicht werden wird. Dies muss Deadpool natürlich verhindern. Dafür trommelt er eine neue Superheldentruppe zusammen: X-Force. Bevor diese neuen Helden jedoch an Russell herankommen können, müssen sie an Cable vorbei - und an Deadpools eigener Schusseligkeit. Kann die düstere Zukunft verhindert werden?

Auch in seinem zweiten Solo-Filmabenteuer schiesst, prügelt und blödelt sich Marvels schlitzohriger Antiheld stillos-stylisch durch eine Story, die im Grunde genommen kaum vorhersehbarer sein könnte. Zum Glück schaffte es das Team um Hauptdarsteller Ryan Reynolds, sich die Unverschämtheit und wahnsinnige Kreativität des Erstlings zu bewahren. Mit mehr Figuren, mehr Explosionen und vielleicht sogar noch ein paar Seitenhieben mehr auf das X-Men-Universum und die Populärkultur bietet so auch die Fortsetzung freche, brutale und oftmals urkomische Action, die ihresgleichen sucht. Perfekt für einen schlüpfrig-schönen Popcornkinoabend.

Was man im Vorfeld nicht alles gehört hat: Drehbuchprobleme, eine Reihe höchstens zweitrangiger Marvel-Figuren und vor allem der Austausch des Regisseurs - Deadpool-Regisseur Tim Miller gab den Job an David Leitch (John Wick) ab - liessen die Fans Schlimmes ahnen. Aber natürlich passt es nur zu gut zu unserem liebsten unkaputtbaren Stehaufmännchen, sein Publikum eines Besseren zu belehren. Denn auch die Fortsetzung schafft mühelos die Kombi von Schlüpfrigkeit, spektakulär-comichafter Gewalt und ja, auch ein bisschen Herz.

Zwar verwertet das bewährte deadpoolsche Drehbuch-Team Rhett Reese und Paul Wernick nur allzu bekannte Szenarien, wobei besonders die Zeitreiseplots von Terminator und Looper grüssen lassen. Die Vorhersehbarkeit der Handlung fällt bei den unzähligen Gags, Anspielungen und blutig-komischen bis absurden Kampf- und Metzelszenen aber bald mal unter den Tisch. Wieder wird gekonnt mit Genres und den Erwartungen der Zuschauer gespielt; das reicht vom Bond-parodierenden Intro über die Rekrutierung eines Superheldenteams - bei dem keiner wirklich super oder heldenhaft ist - bis zur Erkenntnis, dass es sich bei Deadpool 2 eigentlich um einen Familienfilm handelt.

Freilich eine etwas kaputte Familie, von deren neuen Mitgliedern man gerne etwas mehr gesehen hätte. Hierzu zählt neben Julian Dennisons (Hunt for the Wilderpeople) feuerschleuderndem Pummelchen auch Josh Brolins Cable (oder doch Thanos?) - auf dessen hyperkomplizierte Comic-Familiengeschichte zum Glück komplett verzichtet wurde. Ganz tragische Backstory und Actioneinsatz, bleibt Cable trotz beeindruckender Muskeln und Cyborg-Make-up leider (noch) etwas profillos. Den Vogel schiesst ohnehin Zazie Beetz als Domino ab, die mit der wohl besten Superkraft überhaupt und einer entwaffnend unbeschwerten Art extrem sympathisch rüberkommt und praktisch jede Szene an sich reisst. Das Wiedersehen mit dem neu geschaffenen Team X-Force kann deshalb nicht früh genug kommen.

Achtung: Wieder sollten interessierte Fans beim Abspann nicht gleich aus dem Saal rennen, da die Midcredit-Szene ziemlich wichtig für den Abschluss der Filmhandlung ist. Eine Endcredit-Szene gibt's übrigens nicht.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 6

yan

Die Fortsetzung setzt meiner Meinung nach den ersten Teil in den Schatten. Die Bösewichte sind besser, die Figuren spannender gezeichnet und Deadpool hat noch mehr böse Sprüche gegen alles und jeden parat. Der Humor ist mehrheitlich fantastisch.

Zwischendurch ist der Film fast zu hektisch und die vielen Schnitte stören ein wenig. Dennoch macht Deadpool 2 auch als Actionfilm viel Spass.

Highlights: Dominos Superkraft, T.J. Miller (mehr Screentime, bitte!), Deadpools Auszeit in der X-Mansion

4.5

philm

Es hatte sehr Witziges, aber das durchgehend hohe Niveau der ersten Films konnte er leider nicht halten. Aber für gute Popcorn-Unterhaltung allemal.

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Kann mich meinen Vorschreiber anschliessen. Deadpool 2 steht seinem Vorgänger in nichts nach und macht zwei Stunden Spass. Es hat sogar noch mehr Sprüche und Action. Auch Klasse fand ich, dass man in die vorhersehbare Story ein bisschen Tiefe reinbrachte. So wird mit den Figuren mehr mitgefiebert. Ryan Reynolds sollte für seine Mid Credit Szene eine Krone aufgesetzt werden.

Ich bin aber auch muris Meinung, dass man bei weiteren Teilen in eine andere Richtung gehen muss. Die Witze zum Beispiel sassen noch zum grösstenteils, wirken aber teilweise schon etwas ausgelutscht. Aber trotzdem, wem der erste Teil schon gefallen hat, wird sich hier prächtig unterhalten können.

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