Curtiz (2018)

Curtiz (2018)

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  2. 98 Minuten

Filmkritik: Tanz der Kurtisanen

1. OutNow Film Festival 2020
Mr. Curtiz in Aktion
Mr. Curtiz in Aktion © Netflix

Die USA sind erst kürzlich in den Zweiten Weltkrieg eingetreten. Die Filme in dieser Zeit sollen zu Propagandazwecken genutzt werden. Um diesem Vorhaben Nachdruck zu verleihen, taucht der Regierungsbeamte Mr. Johnson (Declan Hannigan) in Hollywood auf. Dies ist Produzent Hal Wallis (Scott Alexander Young) und vor allem Regisseur Michael Curtiz (Ferenc Lengyel) ein Dorn im Auge, die gerade an der Planung von «Casablanca» sind. Sie wehren sich mit allen Mitteln gegen die Einmischung der Regierung.

Zur gleichen Zeit taucht auch die junge Kitty (Evelyn Dobos) auf, zu der der Regisseur ein schwieriges Verhältnis hat. Und seine Frau Bess (Nickolett Barabas) ist eifersüchtig auf seine zahlreichen Affären. Curtiz ist kein sympathischer, sondern zuweilen ein cholerischer und skrupelloser Mensch. Aber schlussendlich geht es ihm, neben all seinen Fraueneskapaden, einzig darum, gute Filme zu drehen.

In diesem kunstvoll inszenierten Biopic über Regisseur Michael Curtiz werden die Umstände der Filmproduktionen während des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Curtiz gelingt dies gut. Leider können die Dialoge und die Story insgesamt mit der Inszenierung nicht mithalten. Für Cineasten ist der Film geeignet, für das Massenpublikum eher weniger.

Das Biopic über Regisseur Michael Curtiz ist sehr kunstvoll inszeniert. Der Film ähnelt in seiner Machart sehr stark an «Casablanca». Er ist in Schwarz-weiss gehalten, bietet schöne Kamera-Rundfahrten und erinnert mit seiner Musik sehr an die Filme dieser Zeit. Dies trägt zu einer Atmosphäre bei, in der man sich zuweilen selbst am Filmset wähnt. Das Intro erinnert stark an einige James-Bond-Filmintros.

Leider kann der Rest nicht mithalten. Die Story ist ziemlich langweilig, die Charaktere sind austauschbar und die Dialoge belanglos. Einzig wenige Szenen mit der jungen Kitty sind hervorzuheben, vor allem die Szene, als sie in körperliche Bedrängnis gerät, in der wenigstens ein wenig Dramatik im Film spürbar wird. Der ganze Film wirkt teilweise auch etwas abgehoben.

Mit seinem Debütfilm Curtiz gelingt es Regisseur Tamas Yvan Topolanszky, ein wenig hinter die Kulissen von Hollywood der Dreissiger- und Vierzigerjahre zu schauen. Leider konzentriert sich der Film aber dann doch etwas mehr auf die Person des Regisseurs Curtiz und all seine Konflikte mit den Menschen, ohne diesen Aspekt aber in irgendeiner Weise spannend zu inszenieren.

Curtiz ist vor allem für Liebhaber von Filmen, die in den Dreissiger- und Vierzigerjahren gedreht wurden. Den Film Casablanca muss man allerdings nicht zwingend kennen. 1939 war Michael Curtiz übrigens gleich zweimal für den Oscar für die Beste Regie nominiert, den er schlussendlich 1944 für Casablanca auch erhielt.

/ chr