Creed II (2018)

Creed II (2018)

Creed 2 - Rocky's Legacy
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  2. 130 Minuten

Filmkritik: Liebesgrüsse aus dem Osten

Überraschung, wir sind wieder da!
Überraschung, wir sind wieder da!

Adonis Creed (Michael B. Jordan) hat es geschafft. Er konnte sich aus dem Schatten seines Vaters befreien, beweisen, dass er ein grosser Boxer, ein Champion, sein kann. Und mit seinem Trainer Rocky Balboa (Silvester Stallone) sowie seiner Freundin Bianca (Tessa Thompson) an seiner Seite scheint ihn auch zukünftig niemand aufhalten zu können. Doch gerade als Adonis den grössten Triumph seines Lebens feiert, ziehen dunkle Wolken auf.

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Denn nun fordert ihn ein bis dahin unbekannter Boxer zum Titelkampf heraus. Der Name des Kontrahenten: Viktor Drago (Florian Munteanu). Es stellt sich schnell heraus, dass Viktor der Sohn von Ivan Drago (Dolph Lundgren) ist, der Adonis' Vater Apollo vor Jahren während eines Boxkampfes getötet hat. Ein Schicksal, das dem jungen Champion nun ebenfalls drohen könnte. Adonis und Rocky begreifen: Egal wohin der Lebensweg führt - niemand kann seiner Vergangenheit entkommen.

Creed 2 macht den Fehler, sich noch mehr auf die alte Rocky-Formel zu versteifen, was dem Drehbuch von Sylvester Stallone anzukreiden ist. So verkommt eine tolle Ausgangslage zu einem Schlagabtausch zwischen zwei Boxern, die wohl selber nicht genau wissen, warum sie gemeinsam im Ring stehen. Wer Rocky 3 und 4 mochte, dürfte mit Creed 2 aber ganz glücklich werden.

Nach dem erfolgreichen Rocky-Spin-Off Creed, das Sylvester Stallone sogar eine Oscar-Nominierung eingebracht hat, war es nur logisch, dass man die Reihe fortsetzen würde, um die Geschichte des jungen Adonis Creed (Michael B. Jordan) weiterzuerzählen. Regie führte nicht mehr Ryan Coogler, sondern mit Steven Caple Jr. ein junger und vielversprechender Nachwuchsregisseur. Die Verantwortung für das Drehbuch übernahm Sylvester Stallone persönlich, was man leider auch merkt.

Creed musste sich, trotz seiner unbestreitbaren Qualitäten, damals die Kritik gefallen lassen, der Figur des Adonis Creed keine Eigenständigkeit zu geben, wodurch sich der Streifen mehr wie ein weiterer Rocky-Film anfühlte, als eine wirklich neue Geschichte zu etablieren. Creed 2 treibt diesen Prozess auf die Spitze, und dies obwohl Sylvester Stallones Figur gefühlt weniger Einfluss auf die Story hat als noch beim Erstling. Doch seine Handschrift am Skript ist unübersehbar, und dies nicht nur, weil er alte Geister der Vergangenheit wieder aus der Mottenkiste herauszaubert.

Das Wiedersehen mit Ivan Drago (Dolph Lundgren), der seinen Sohn Victor (Florian Munteanu) anscheinend jahrelang auf eine Racheaktion getrimmt hat, wirkt sehr konstruiert und wenig organisch. Natürlich ist es vor allem für Rocky-Fans spannend, wie Adonis auf die Begegnung mit der Vergangenheit seines Vaters reagiert. Jedoch wirkt Creed 2 wie ein Mix aus Rocky 3 und 4, quetscht sich noch ein wenig Familiendrama unter die Arme und marschiert dann mit dem Creed-Schriftzug in die Kinos.

Das etwas antiquiert wirkende Storytelling passt irgendwie nicht zum menschlicheren Erstling, und Regisseur Steven Caple Jr. kann weitaus weniger Akzente setzen, als es Ryan Coogler noch getan hat. Inszeniert ist Creed 2 sicher ordentlich, mit dem bekannten Ohrwurm-Soundtrack. Die Boxszenen wirken kraftvoll und intensiv. Auch dass man den Antagonisten etwas mehr Platz für die Entfaltung bietet, ist schön. Man darf gespannt sein, ob es einen dritten Teil gibt. Denn dieser wird, gemäss Aussage von Sylvester Stallone selber, ohne Rocky stattfinden. Ob man sich dann endlich wagt, einen Creed- und keinen Rocky-Film zu machen, bleibt eine spannende Frage.

/ rny

Kommentare Total: 2

solanumnigrum

Kameraführung vor allem in den Fights sehr gut. Der Film lebt aber auch durch den einen oder anderen lustigen Spruch.

Leider ist "Rocky" Stallone bereits das Alter anzusehen und anzumerken. Er wirkt müde und genervt. (Ob das wohl seine Rolle ist? Naja)

Der Film selbst ist so "Mittel" bis "Gut". Warum? Ich habe das Gefühl gehabt, nichts neues im Kino zu sehen. Ein Boxfilm wie jeder andere auch. Die Affiche Creed gegen Drago hätte man noch ein wenig mehr inszenieren dürfen. Alles in allem unterhaltend, wenn auch nicht der absolute Wahnsinn.

rny

Filmkritik: Liebesgrüsse aus dem Osten

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