Crazy Rich Asians (2018)

Crazy Rich Asians (2018)

Crazy Rich
  1. ,
  2. 120 Minuten

Filmkritik: Asiatischer Bachelor und seine versnobte Familie

Die asiatische Ausgabe von Romeo und Julia
Die asiatische Ausgabe von Romeo und Julia

Rachel Chu (Constance Wu) und Nick Young (Henry Golding) sind ein Liebespaar. Die gebürtige New Yorkerin mit chinesischen Wurzeln ist eine junge, kluge Frau, die weiss, was sie im Leben will. Als Nick in seine Heimat nach Singapur an eine Hochzeit eingeladen wird, begleitet sie ihn nur zu gerne. Rachel freut sich riesig darauf die Familie ihres Freundes kennenzulernen. Doch der Empfang in Singapur ist nicht gerade herzlich: Nicks Mutter (Michelle Yeoh) hat eine grosse Abneigung gegen die Freundin ihres Sohnes und dies macht sie auch gleich zu Beginn deutlich. Ausserdem stellt sich heraus, dass die Familie Young unglaublich vermögend und Nick ein heiss begehrter Junggeselle ist.

Ein Drache ist harmlos im Vergleich mit ihr.
Ein Drache ist harmlos im Vergleich mit ihr.

Rachel wird bei jeder Gelegenheit von den eifersüchtigen Frauen schikaniert und man hofft, dass die "falsche" Chinesin schnell aufgeben und zurück nach Amerika flüchten wird. Doch Rachel lässt sich trotz allem nicht unterkriegen und bekommt auch unerwartete Unterstützung von Freunden und Verwandten der reichen Familie.

Crazy Rich Asians ist ein fulminantes Feuerwerk an Witz und Charme. Der Film besticht mit einer internationalen asiatisch-stämmigen Star-Besetzung, die es in sich hat und jeden Fan des komödiantischen Kinos begeistern dürfte. Gedreht in Kuala Lumpur und Singapur, bietet dies die perfekte Kulisse für eine Geschichte, in der es um Familientradition, Reichtum und Liebe geht.

Nach Black Panther gibt es 2018 einen weiteren Meilenstein in Bezug auf 'Diversity' zu verzeichnen. Basierend auf der enorm erfolgreichen Roman-Trilogie von Kevin Kwan, ist Crazy Rich Asians die erste westliche, in der Gegenwart spielende Studioproduktion mit einem rein asiatischen Cast seit Disneys The Joy Luck Club von 1993. Um die Vertriebsrecht gab es sogar ein richtiges Bietergefecht: Netflix war bereit, eine astronomische Summe zu bezahlen und hätte gleich das Greenlight für die gesamte Trilogie gegeben. Weil es Autor Kevin Kwan aber wichtig war, eine solche Geschichte auch auf der grossen Leinwand zu zeigen, entschied man sich am Ende für Warner Bros.

Unter der Regie von Jon M. Chu (G.I. Joe: Retaliation, Now You See Me 2), der hier übrigens zum ersten Mal auch filmisch auf seine eigene asiatische Herkunft zurückgreift, erzählt Crazy Rich Asians eine clevere romantische Komödie mit ungewohnter Besetzung. Und wer nun bei den Worten "Film" und "asiatisch" in erster Linie an alte Karatefilme oder obskuren Horror denkt, sei hier eines Besseren belehrt. Denn eigentlich steht der Film ganz in der Rom-Com-Hollywoodtradition und setzt diese Formel modern, cool und extrem unterhaltsam um.

Die Geschichte ist gut aufgebaut und langweilt nicht, obwohl der Film für eine romantische Komödie mit seinen zwei Stunden doch recht lang ist. Eines bleibt aber auch bei Crazy Rich Asians wie bei vielen Filmen dieser Art gleich: Die böse Schwiegermutter in Spe macht dem Liebespaar das Leben zur Hölle - in diesem Fall fantastisch dargestellt von Michelle Yeoh (Crouching Tiger, Hidden Dragon). Überhaupt kann der Film mit einer Top-Besetzung punkten; darunter begeistern besonders die beiden Hauptdarsteller Constance Wu, bekannt aus der Sitcom Fresh off the Boat und Newcomer Henry Golding, der hier seinen ersten Schauspielauftritt hat (ursprünglich war er TV-Moderator von Reisemagazinen).

Im deutschen Titel wurde das Wort "Asians" übrigens einfach weggelassen - ob man so vielleicht glaubte, mehr Zuschauer ins Kino zu locken? Nötig wären solche Finten eigentlich nicht: Crazy Rich Asians ist beste Rom-Com-Unterhaltung und erzählt eine liebenswürdige Story mit einem tollen Darsteller-Ensemble, dessen Mitglieder in den üblichen Hollywood-Filmen höchstens als Nebenfiguren scheinen dürfen. Obwohl auch hier nicht auf den genretypischen Kitsch verzichtet wird, bietet die turbulente Komödie einen hohen Spassfaktor - halt einfach mit asiatischem Touch.

/ mig