The Commuter (2018)

The Commuter (2018)

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  3. 104 Minuten

Filmkritik: Strangers on a Train

Wie unrealistisch: Zwei fremde Leute reden im Zug mitenander.
Wie unrealistisch: Zwei fremde Leute reden im Zug mitenander. © Impuls Pictures AG

Seit zehn Jahren pendelt der Versicherungsmakler Michael MacCauley (Liam Neeson) jeweils wochentags nach Manhattan und dann wieder zurück zu seinem Zuhause. Doch damit scheint nun vorerst Schluss zu sein, als der 60-jährige Familienmann eines Tages unerwartet die Kündigung erhält. Nach einem Besuch in einem Pub der Grossstadt setzt er sich zur üblichen Zeit wieder in den Zug, wo ihm plötzlich die mysteriöse Joanna (Vera Farmiga) im Abteil gegenübersitzt.

Der beschwerliche Weg zum Zug-Bistro.
Der beschwerliche Weg zum Zug-Bistro. © Impuls Pictures AG

Sie verwickelt Michael in ein Gespräch, an dessen Ende sie ihm ein Spiel vorschlägt. Michael soll bis zur Endstation eine ganz bestimmte Person ausfindig machen. Als Belohnung winken 100'000 Dollar. Da er das Geld gerade dringend benötigt, macht er mit. Doch schnell merkt Michael, dass es in diesem Spiel um Leben und Tod geht und er mit seiner Zusage nicht nur alle Zugspassagiere, sondern auch seine Frau und seinen Sohn in Lebensgefahr gebracht hat. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Der neuste Liam-Neeson-Thriller The Commuter ist zwar etwas konstruiert, sorgt jedoch für 100 unterhaltsame Minuten, die zum Miträtseln einladen und den Zuschauer auch mal auf eine falsche Fährte schicken. Neeson ist charismatisch ist der Rolle und macht den Film trotz ein paar holperigen Passagen sehenswert.

The Commuter ist die bereits vierte Zusammenarbeit zwischen dem spanischen Regisseur Jaume Collet-Serra und dem Action-Star Liam Neeson. Am erfolgreichsten war bisher ihr Film Non-Stop, in dem es Neeson mit gefährlichen Leuten in der Enge eines Flugzeugs zu tun bekam. Ein spannendes Konzept, welches nun hier auf einen Zug angepasst wurde - Busse und Schiffe waren leider von den Speed-Filmen schon besetzt.

Aber Spass beiseite: Der Plot erinnert zu Beginn ein bisschen an den Hitchcock-Klassiker Strangers on a Train. In der Verfilmung des Patricia-Highsmith-Romans wurde ebenfalls ein Pendler in ein gefährliches Spiel verwickelt, aus dem es kein Entrinnen stieg. Durfte jedoch bei Hitchock der Passagier den Zug verlassen, sperren die Bösewichte - bei denen nur die grossartige Vera Farmiga (The Conjuring) ihr Gesicht zeigt, während der Rest unsichtbar bleibt - den armen Neeson mit Drohungen im Zug ein. Es gibt kein Entrinnen für ihn, womit Collet-Serra natürlich versucht, die Klaustrophobie des Non-Stop-Flugzeug auf den Zug zu übertragen. Wirklich gelingen will das zwar nicht - ein Flieger bietet im Kopf des Zuschauers halt einfach mehr Gefahr-Potenzial als eine Bahn -, doch hält der Regisseur so immerhin das Tempo hoch.

Das ist auch gut so, denn gegen Ende hin tun sich einige Logiklöcher auf, und der gefasste Plan der bösen Menschen stellt sich als unnötig umständlich und deshalb auch unglaubwürdig heraus. Doch das Miträsteln, wer denn genau der gesuchte Passagier ist, hält die Zuschauer bei der Stange. Man möchte schon wissen, wer das ist, und die Suche danach ist recht unterhaltsam inszeniert. Neeson zeigt eine ansprechende Leistung als armer Tropf, wobei er von den ersten fünf Minuten des Filmes ungemeint profitiert, wo seine Figur in einer Montage bei der Morgenroutine gezeigt wird - vom Wecker bis zum Abschiedskuss. Denn auch wenn Neeson in den letzten Jahren wegen den Taken-Filmen auf Action reduziert wurde, ist er in Rollen, in denen er gewöhnliche Leute spielt, immer noch unglaublich sympathisch und hebt somit auch The Commuter über den Durchschnitt.

/ crs