Comme des garçons (2018)

Comme des garçons (2018)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: Stollen und Möpse

Lieber mal schnell noch eine rauchen anstatt zu arbeiten.
Lieber mal schnell noch eine rauchen anstatt zu arbeiten.

Reims, Frankreich 1969: Paul Coutard (Max Boublil) ist ein 30-jähriger Sportjournalist bei der französischen Tageszeitung Le Champenois. Der charmante, aber etwas kindliche Frauenheld macht nur das, was ihm gefällt. Zwischenzeitlich legt er sich schon auch mal mit dem Trainer der einzigen Fussballmannschaft von Reims an, was von seinem Chef nicht goutiert wird. So verdonnert dieser ihn dazu, mit seiner etwas reservierten Sekretärin Emmanuelle (Vanessa Guide) die jährliche Messe der Zeitung zu organisieren.

Wir sind bereit, die Fussballweltmeisterschaft kann kommen.
Wir sind bereit, die Fussballweltmeisterschaft kann kommen.

Paul hat daraufhin die verrückte Idee, das erste Frauenfussballspiel überhaupt zu organisieren. Zusammen mit Emmanuelle sucht er per Inserat nach den talentiertesten Fussballerinnen in Reims. Schon bald hat der Querkopf einen Haufen verschiedenster Frauen als Bewerberinnen in seinem Büro. Mit einem einzigartigen Team stellen Paul und Emmanuelle Frankreichs Fussballwelt auf den Kopf. Wären da nur nicht Pauls Vorlieben als Schwerenöter und Schürzenjäger...

Diese freche französische Komödie ist nicht nur ein Muss für Feministinnen oder Fussballfans. Der Film begeistert mit Witz und Charme und ist selbst für Menschen geeignet, die nicht auf alt gemachte Filme stehen geeignet. Comme des Garçons kommt überhaupt nicht verstaubt daher, sondern voller sprühender Frische.

Locker-lässig wird man gleich zu Beginn von Comme des Garçons abgeholt und taucht ein in die Welt der Siebzigerjahre. Fussball regiert auch in Frankreich, besser gesagt in Reims, die Welt und ist wie fast überall auch hier eine reine Männerdomäne. So stürzt die halbe Stadt in eine Krise, als die erste Mannschaft verliert und absteigt. Doch die wahren Verliererinnen in dieser Zeit sind nach wie vor die Frauen, die sich jedoch allmählich gegen die Männer aufzulehnen beginnen und anfangen, ihr eigenes Ding zu machen - wie zum Beispiel Fussball zu spielen.

Herrlich wird mit den Klischees gespielt, aber ohne für irgendjemand Partei zu ergreifen. Klar geht es in Comme des Garçons um Feminismus, aber die Männer behalten ihren Status und müssen nicht bangen, von diesem Film mit weiblichen Wertvorstellungen erschlagen zu werden. Die Hauptrolle hat immer noch ein Mann, und was für einer! Max Boublil ist eine Witzfigur, die man aber einfach gerne haben muss, nur schon rein wegen der hübschen Fönfrisur. So führt er die Zuschauer mit seinem komikartigen Schauspiel vergnügt durch den Film und ergänzt sich hervorragend mit seiner Kollegin Vanessa Guide, die vom Mauerblümchen zur taffen Fussballerin mutiert.

Musikalisch weiss Comme des Garçons auch zu unterhalten und erfreut das Herz mit Hits aus dieser Epoche. Regisseur Julien Hallard ist es gelungen, eine gute Mischung aus Komödie und Fictonary zu kreieren. Während den ganzen 90 Minuten kommt keine Langeweile auf, und für Lacher ist immer wieder gesorgt. Ein Film, der Lust auf mehr macht: mehr Frauenfussball, mehr Feminismus und mehr französischen Humor.

26.06.2018 / mig

Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 02:00