Colette (2018)

Colette (2018)

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  3. 111 Minuten

Filmkritik: The Ghost Writer

"Ich bin ein Genie."
"Ich bin ein Genie."

Frankreich, 1889: Im Alter von 16 Jahren lernt Colette (Keira Knightley) den 30-jährigen Schriftsteller Henry Gauthier-Villars (Dominic West) kennen. Dieser feierte unter seinem Pseudonym "Willy" einige Erfolge, doch das verdiente Geld ist wegen seines ausschweifenden Lebensstils sehr schnell wieder weg. Obwohl sich Colette und Henry regelmässig zanken und er nicht gerade der treueste ist, heiraten die beiden vier Jahre später.

"Hey, Moment mal.."
"Hey, Moment mal.."

Als das Geld mal wieder etwas knapp wird, setzt sich Colette an die Schreibmaschine und verfasst einen neuen "Willy"-Roman. Das Buch "Claudine à l'école", in dem Colette eigene Erlebnisse verarbeitet, wird zum Hit und Henry wieder gefeiert. Dass Colette jedoch die Autorin des Werkes ist, bleibt ein Geheimnis. So geht das noch ein paar Jahre und ein paar Bücher weiter. Doch es kommt der Punkt, an dem Colette nicht mehr länger zusehen möchte, wie ihr Gatte sich mit ihren Federn schmückt.

Das leichtfüssige Biopic über die französische Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette ist ein dank geschliffenen Dialogen und den beiden tollen Hauptdarstellern Keira Knightley und Dominic West ein Vergnügen. Seinen ernsten Themen wie Selbstbestimmung und Unterdrückung begegnet der Film trotzdem mit dem nötigen Respekt. Gute Unterhaltung ist garantiert.

Leute, die sich mit fremden Federn schmücken, sind das Letzte. In filmischer Form so unter anderem gesehen in Big Eyes, wo ein Maler die Kunstwerke seiner Frau als seine eigenen ausgab. Aus der wahren Geschichte der Keanes machte Regisseur Tim Burton ein Ehedrama. Als ein solches hätte auch bei Colette herauskommen können, denn der Film zeigt den Kampf der französischen Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette. Doch der englische Regisseur Wash Westmoreland (Still Alice) macht daraus ein unterhaltsames und vor allem leichtfüssiges Biopic.

Auch wenn die Geschehnisse ungeheuerlich ungerecht sind, so bewahrt sich diese Verfilmung doch einen fast schon "lüpfigen" Ton. Die Streitereien zwischen der von Keira Knightley gespielten Colette und des von Dominic West verkörperten Henry sind zu Beginn selten böswillig, sondern besitzen ein fast schon spielerisches Element. Hier werden ja auch Eheleute gezeigt, die in einer der besten Szenen des Filmes mit der gleichen Person zur gleichen Zeit eine Affäre haben. Westmoreland inszeniert diese Sequenz wie eine Komödie, was herrlich erfrischend ist.

Dieser augenzwinkernde Ton zieht sich durch den Film. Doch nicht missverstehen: Themen wie Unterdrückung und das Recht auf Selbstbestimmung werden durchaus ernstgenommen, wobei in den emotionaleren Passagen gegen Ende Knightley die Gelegenheit zu einigen Oscar-Clips erhält. The Wire-Star West spielt seinen fiesen Ehemann derweil auch dank einer diabolischen Gesichtsbehaarung überzeugend.

Westmoreland, der das Skript noch zusammen mit seinem 2015 verstorbenen Ehemann Richard Glatzer und Rebecca Lenkiewicz (Ida) geschrieben hat, vermeidet auch den Fehler, das ganze Leben von Colette zeigen zu wollen. Die Erzählung erstreckt sich ohne die bekannten Texttafeln im Abspann gerade einmal bis zu Colettes 34. Lebensjahr. Doch das reicht, um das Portrait einer starken Frau zu zeichnen, die in ihrer Zeit viele vor den Kopf stiess und heute dafür als Ikone gefeiert wird. Auch wenn dem Film der ganz grosse emotionale Punch fehlt - der zweifelsohne vorhanden gewesen ist -, ist Westmoreland ein stimmiges Werk gelungen, der dank den Schauspielern und den Dialogen sogar Kostümdrama-Muffeln ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird.

/ crs