The Clovehitch Killer (2018)

The Clovehitch Killer (2018)

Filmkritik: Das Böse ist näher als du denkst!

Mir stinkts!
Mir stinkts!

Tyler (Charlie Plummer) lebt mit seinen Eltern in einer amerikanischen Kleinstadt. Die Pfadfindertreffen sind ebenso regelmässig wie die Kirchenbesuche, geflucht wird nur selten und das Leben ist einfach. Die Bewohner denken jedoch noch immer mit Trauer an eine Mordserie, die vor zehn Jahren plötzlich stoppte und eine Reihe von Frauen als Opfer zu verzeichnen hatte. Den Täter hat man nicht gekriegt, aber die jährlichen Gedenkveranstaltungen bringen die unfassbaren Taten von damals immer wieder ins Gedächtnis zurück.

Pfadiführer unter Verdacht!
Pfadiführer unter Verdacht!

Als Tyler im Auto seines Vaters Don (Dylan McDermott) eines Tages ein Foto einer gefesselten und gequälten jungen Frau findet, fängt der Bub an zu zweifeln. Er beginnt, im Haus herumzuschnüffeln und bringt den Verdacht nicht aus seinem Kopf, dass ausgerechnet sein Vater der Killer von damals sein könnte. Gemeinsam mit Schulkollegin und Aussenseiterin Kassi (Madisen Beaty) will er Gewissheit über diese damaligen Morde und beginnt Ermittlungen, die ihn nicht nur in tödliche Gefahr bringen, sondern auch seine Familie auseinanderbrechen lässt.

Fern vom Hollywood'schen Kawummstandard bietet The Clovehitch Killer eine spannende und genau erzählte Geschichte, der man gerne folgt, die aber die Auflösung schon früh parat hält. Das stört aber nicht gross, denn erstens hat man sie schon von weitem gerochen und zweitens sind die Taten danach mindestens genau so spannend und interessant. Gut gemacht!

Nein, The Clovehitch Killer ist keiner dieser Krimis, in denen der Täter erst am Ende entdeckt wird und das Publikum damit überrascht. Dieser kleine, aber feine Thriller bietet die Auflösung eigentlich schon relativ früh im Film und lässt danach die Tragödie folgen. Das heisst aber auch, dass mit der Identifikation des Bösewichts der Film keinesfalls vorüber ist. Im Gegenteil, gegen Ende nimmt The Clovehitch Killer nochmals Fahrt auf und zeigt, dass hinter den harmlosesten Fassaden manchmal die übelsten Menschen lauern können.

Regisseur Duncan Skiles (schnappte sich für The Clovehitch Killer am Horrorfest in Knoxville den Jurypreis) holt sich Inspiration bei ähnlichen Fällen, in denen Mordserien lange Zeit nicht aufgelöst werden konnten und schliesslich der Täter jemand war, den man niemals vermutet hätte. Mit Jungstar Charlie Plummer (unbedingt ansehen: All the Money in the World) wurde die Hauptrolle des anfänglich etwas schüchternen, aber dann immer klarer denkenden jungen Mannes vorzüglich besetzt. Das Zusammenspiel mit Madisen Beaty (hatte eine kleine Rolle in The Curious Case of Benjamin Button) stimmt und mit Dylan McDermott (Olympus has fallen, In the Line of Fire) hat man einen gestandenen und überzeugenden «Star» verpflichten können.

Die Story von The Clovehitch Killer wird langsam und schon fast leise erzählt. Keine grossen Actionmomente, keine Explosionen, sondern das wahre Leben, erschreckende Erkenntnisse und eine Auflösung mitsamt Anhängsel, die sich sehen lassen kann. Da muss man als Zuschauer auch mal kurz leer schlucken.

/ muri