Captain Morten and the Spider Queen (2018)

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  2. 79 Minuten

Filmkritik: Finger weg von den Donuts!

16. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2018
Ein Weasley im Baum
Ein Weasley im Baum © Studio / Produzent

Der elfjährige Morten lebt bei seiner fiesen Tante Anna. Diese war einst Balletttänzerin, verlor bei einem Bühnenunfall aber eine Hand, die sie nun durch eine mechanische Hand ersetzt hat. Anna ist immer noch besessen vom Ballett und zwingt Morten und das Mädchen Eliza ständig dazu, für sie Stücke aufzuführen. Viel lieber wäre Morten wie sein Vater Kapitän auf einem Schiff und würde in die weite Welt hinausfahren.

Ein Weasley auf grosser Fahrt
Ein Weasley auf grosser Fahrt © Studio / Produzent

Während er auf die Rückkehr seines Vaters wartet, hat sich Morten ein Modellschiff gebastelt, für das er Insekten als Besatzung einsetzt. Doch dann trifft er den seltsamen Senor Cucaracha, der ihn mit einer Kanone plötzlich kleinzaubert. Morten ist nun selbst mit den Insekten Teil der Schiffscrew. Das Schiff wird von der bösen Spinnenkönigin befehligt, die vorhat, ihre Matrosen zu Donuts zu machen. Morten muss sich etwas einfallen lassen, um diesem Schicksal zu entkommen.

Mit einem Animationsstil, der zwischen detailgetreuen herzigen Figuren und hässlich umgesetzten Visagen schwankt, ist Captain Morten and the Spider Queen eine seltsame Mischung geworden. Sympathisch sind vor allem die Kinderfiguren, jedoch ist die Zweiteilung der Erzählhandlung - realistisch und fantastisch - nicht wirklich sinnhaft aufzulösen. Auch der prominent besetzte Voice-Cast kann nicht verhindern, dass der Film etwas zu lang geraten ist und die etwas unterkühlt erzählte Geschichte die Zuschauer nicht wirklich abholen kann.

Der estnische Regisseur Kaspar Jancis feiert mit Captain Morten and the Spider Queen einige Premieren, hatte er doch zuvor weder einen Langfilm umgesetzt noch mit Stop Motion gearbeitet noch einen Film für Kinder gemacht. Zwar hatte er bereits Erfahrungen mit Kurzfilmen gesammelt, ursprünglich war die Geschichte aber ein Buch, das er selbst verfasst hatte. Dass sich die Geschichte um eine Schifffahrt dreht, war dabei übrigens erst spät zur Handlung dazugekommen: Eigentlich hatte er ein Musiktheaterstück verfassen wollen, disponierte dann jedoch auf eine Seefahrt um, um durch einen estnischen Kulturwettbewerb Sponsoring zu erhalten.

Ganze sieben Jahre dauerte es, bis der Film endlich fertiggestellt werden konnte. Dafür wurde Puppenanimation mit Computereffekten kombiniert. Das Resultat lässt sich vor allem bei den Kinderfiguren sehen, denn besonders Morten und sein Vater vermögen optisch zu überzeugen. Weniger ansehnlich sind da die verschiedenen Bösewicht-Figuren, die nicht selten so aussehen, als seien sie kopfvoran in eine Wand gerannt, was gerade Kinder nicht besonders ansprechen dürfte.

Die Handlung erfolgt auf zwei Ebenen: Einerseits wäre da die Geschichte um Morten, der sich langweilt und auf seinen Vater wartet, andererseits die Miniatur-Geschichte auf dem Schiff. Dabei ist jedoch nicht ganz klar, ob es sich um einen Traum handelt oder doch tatsächlich passiert. Irgendwie fehlt dem Ganzen aber ohnehin der Wow-Effekt, den ähnliche Geschichten zu bieten haben, trotz wundersamer Verwandlungen und den verschiedenen, durchaus interessant umgesetzten Insektenfiguren.

Captain Morten and the Spider Queen ist nur 79 Minuten lang, schleppt sich aber dennoch stellenweise ziemlich dahin. Schuld daran ist die unebene Erzählweise, die eine fantastische (Traum?)Reise in den Mittelpunkt rückt, die jedoch alles andere als das Highlight des Filmes ist. Viel besser sind nämlich jene Szenen zwischen Morten und seinem Papa, wobei letzterer wunderbar absurdes Seemannsgarn von sich gibt. Auch weil der Vater sympathisch vom häufig in Animationsfilmen zu hörenden Schauspieler Brendan Gleeson gesprochen wird, hätte man gerne mehr von diesen Szenen gesehen.

/ pps