Can You Ever Forgive Me? (2018)

Can You Ever Forgive Me? (2018)

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  2. 106 Minuten

Filmkritik: Das ist alles nur gefälscht, e-oh, e-oh

43rd Toronto International Film Festival
"Gehen sie weiter, hier gibt es nichts Illegales zu sehen."
"Gehen sie weiter, hier gibt es nichts Illegales zu sehen."

New York, 1991: Der Autorin Lee Israel (Melissa McCarthy) läuft es gerade überhaupt gar nicht. In den Achtzigern konnte sie mit Biographien einige Erfolge feiern, doch aufgrund ihrer unkooperativen Art und einer Schreibblockade ist für ihre Agentin Marjorie (Jane Curtin) momentan kaum mehr tragbar. Zudem ist Lees Katze krank geworden, doch wegen Geldmangels kann sie weder deren Behandlung noch ihre eigene Miete bezahlen.

Obwohl ihre Agentin davon abgeraten hat, beginnt Lee an einem Buch über die Komikerin Fanny Brice zu arbeiten. Dabei findet sie bei ihren Recherchen einen Brief, der von Brice selbst mit einer Schreibmaschine verfasst wurde. Lee bringt den Brief in einen Bücherladen und findet dort heraus, dass Sammler für solche Schriftstücke tief in die Taschen greifen. Weil sie gerade keine andere Lösung für ihre Misere sieht, beginnt Lee Briefe von verstorbenen Schriftstellern selbst zu erstellen und zu verkaufen. Das kann nicht lange gut gehen...

Can You Ever Forgive Me? ist eine unterhaltsame Aussenseiter-Story, weil die Protagonistin schon nach kürzester Zeit mit dem Fälschen von Briefen kriminell wird. Melissa McCarthy und Richard E. Grant zeigen beide sackstarke Leistungen und der Humor stimmt, sodass wir am Ende einige Kritikpunkte - wie einige Hänger im Mittelteil - locker vergeben können.

Klauen kann ja jeder. Aber Fälschen, das braucht schon spezielle Fähigkeiten. Wie jene von Lee Israel, die in den Neunzigern geschätzt über 400 Briefe fälschte und verkaufte. Ihre Geschichte wird in "Can You Ever Forgive Me?" von Regisseurin Marielle Heller (The Diary of a Teenage Girl) auf unterhaltsame Art und Weise erzählt.

Man fühlt sich ein bisschen wie bei Breaking Bad. Hier wie auch dort wird eine Person portraäiert, die langsam kriminell wird, was recht faszinierend zum Zusehen ist. So extrem wie bei Walter White wird das hier jedoch nicht. Schliesslich basiert die Story auf einer wahren Begebenheit. Dabei ist es erstaunlich, wie wir mit der von Melissa McCarthy gespielten Lee Israel mitgehen. Denn wirklich sympathisch ist sie nicht. Sie trinkt, flucht und verscherzt es sich mit fast jedem in ihrem Umfeld. Das macht sie zu einer richtigen Anti-Heldin. Eine Aussenseiterin, die vor allem mit ihrer Ehrlichkeit und Angepisstheit den Zuschauer zum Lachen bringt. McCarthy spielt das sensationell und lässt peinliche Auftritte wie The Boss und Tammy vergessen. Selten war sie besser.

An ihrer Seite brilliert der englische Charakterdarsteller Richard E. Grant als homosexueller Freund Jack Hock, der auch nicht gerade die beste Zeit seines Lebens hat. Wie diese beiden Verlierer zusammenspannen, ist fast schon süss, wäre sie nicht so ein Fiesling und er nicht so ein Wrack. Beide scheinen alleine auf dieser Welt zu sein und trinken sich ihre Sorgen regelmässig mit Hochprozentigem weg. Das ist fast schon sympathisch, die Chemie stimmt einfach zwischen McCarthy und Grant.

Dass die kriminelle Laufbahn nicht für ewig gutgehen kann, ist klar, und so hängt der Mittelteil des Filmes ein bisschen durch. Auch können die tristen, brauntönigen Bilder ganz schön aufs Gemüt drücken. Das alles scheint dann jedoch vergessen, wenn im Abspann noch gezeigt wird, was mit der echten Lee Israel passiert ist, wobei man eigentlich nur noch laut herauslachen kann. Um die gestellte Frage im Titel des Filmes (und auch des Buches) zu beantworten: "Ja, wir können diese Kritikpunkte spätestens am Ende ohne schlechtes Gewissen vergeben."

/ crs

Kommentare Total: 2

yan

Melissa McCarthy spielt überzeugend. Die Oscarnomination hat sie sich mehr als verdient. Die wahre Geschichte um Autorin Lee Israel ist interessant vorgetragen und bereitet vor allem dank den Hauptdarsteller-Performances viel Freude. Richard E. Grants Jack ist nämlich ein mehr als passender "Sidekick", der McCarthy zwischendurch sogar etwas die Show stiehlt.

crs

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