Bohemian Rhapsody (2018)

Bohemian Rhapsody (2018)

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  3. 134 Minuten

Filmkritik: Mamma Mia, Mamma Mia, Mamma Mia let me go!

The show must go on?
The show must go on?

Wir schreiben das Jahr 1970. Gitarrist Brian May (Gwilym Lee) und Drummer Roger Taylor (Ben Hardy) sind mit der Band «Smile» unterwegs und haben sich soeben von ihrem Leadsänger getrennt. Im Hinterhof eines Clubs machen sie kurz darauf Bekanntschaft mit einem extravaganten Typen namens Freddie (Rami Malek), der sich als neues Mitglied der Band bewirbt. Mitsamt dem neuen Bassisten John Deacon (Joseph Mazzello) starten die Jungs in eine Zukunft, in der sie Musikgeschichte schreiben werden. Aus «Smile» wird «Queen», aus dem komisch gekleideten Sänger der Megastar Freddie Mercury.

Applaus, Applaus, Applaus!
Applaus, Applaus, Applaus!

Während die Karriere der Band immer grössere Wellen schlägt, wollen sich die Jungs auch musikalisch weiterentwickeln. Der nächste Hit heisst «Bohemian Rhapsody» und katapultiert die Band definitiv in den Rockhimmel. Doch da oben, umgeben von Ja-Sagern und Kopfnickern, fängt die Bandfamilie an zu bröckeln. Allen voran Freddie selber hat mit inneren Dämonen zu kämpfen, leidet unter seiner öffentlich zu verbergenden Homosexualität, lebt sein Leben trotzdem am Limit und umgibt sich mit falschen Freunden. In dieser Zeit der Krise kommt das Angebot, bei Live Aid 1985 teilzunehmen, etwas unerwartet. Zumal die Bandmitglieder nicht mehr gut auf den Showman Mercury zu sprechen sind und er seine Kollegen zudem noch mit einer schrecklichen Nachricht konfrontieren muss.

Für Musikfans macht Bohemian Rhapsody fast alles richtig. Die Songs dröhnen durchs Kino, die Bilder sind grandios und über allem thront ein Hauptdarsteller, der sich die Seele aus dem Leib spielt. Also einfach reingehen, geniessen, mitwippen, -singen, -klatschen und -leiden. Es lohnt sich! Bravo!

Endlich, endlich, bekommt eine der grössten Rockbands aller Zeiten ihren eigenen Film. Die Story hinter den Hits «Radio Gaga», «We will Rock you» oder «Killer Queen» ist ebenso interessant wie tragisch und sogar mitunter auch witzig. Die Tränendrüsen werden bei Bohemian Rhapsody ebenso beansprucht. Einerseits wegen der wunderbaren Songs, der Rockmusik und der tollen Live-Bilder, aber vor allem auch aufgrund der sensationellen Performance von Rami Malek, der Freddie Mercury auf überragende Weise zum Leben erweckt.

Malek, bislang vor allem aus der TV-Serie Mr. Robot bekannt, geht in seiner Rolle als charismatischer Leadsänger Mercury vollkommen auf. Kaum zu glauben, was der ansonsten eher schüchterne Kalifornier für eine Energie und Kraft in die Rolle legt. Selbst in den ruhigeren Szenen überzeugt er, und auf der Bühne ist er daheim. Eine Oscarnomination sollte eigentlich bereits jetzt für Rami Malek reserviert sein.

Die restlichen Bandmitglieder stehen etwas im Schatten des Protagonisten. Trotzdem schaffen es auch Ben Hardy, Gwilym Lee oder Tom Hollander immer wieder, Spitzen zu setzen und für gute Unterhaltung zu sorgen. Wer etwas genauer hinschaut, erkennt sogar Mike Myers (Austin Powers: International Man of Mystery) in einer kleinen Rolle. Aber gegen Rami Malek sind sie schlussendlich halt alle chancenlos.

Selbstverständlich ist die Musik ein zentrales Thema von Bohemian Rhapsody. Die bekannten Songs werden leidenschaftlich vorgetragen, die Konzertauftritte wunderbar in Szene gesetzt. Die Aufnahme des Wembleystadions, der Flug über die Köpfe der Zuschauer bis hin zu Mercurys Gesicht - grandios gefilmt! Wer nach diesen knapp 140 Minuten keine Queen-Songs im Internet oder dem eigenen Musikarchiv sucht, dem ist nicht mehr zu helfen.

Leider ist an Bohemian Rhapsody aber nicht alles ganz so goldig, wie es glänzt. So werden die dunklen Zeiten, das Ausleben der geheimen Leidenschaften oder die Tragik der Personen zwar erwähnt und in Szene gesetzt, jedoch bleibt die Story dabei an der Oberfläche. Man wagt den Schritt ins Dunkle nicht, sondern verlässt sich auf den rasanten Aufstieg der Band, der scheinbar ohne Konflikte vonstatten ging. Hier wäre mehr Tiefe nicht die schlechteste Entscheidung gewesen.

/ muri

Kommentare Total: 7

Benster

Gut gelungen, der Film. Getragen wird er vor allem von der tollen Queen-Musik. Etwas schade fand ich, dass Rami Malek trotz grosser Anstrengung nicht authentisch rüberkommt. Auf mich hat Freddie Mercury immer völlig anders gewirkt, daher hats nicht ganz gepasst. Ist aber wohl meine subjektive Wahrnehmung. Objektiv betrachtet leidet der Film dennoch an Maleks "overacting".

sma

Ein völlig beliebiges Biopic über eine englische Band mit der Musik von Queen.
Ich mochte die Eröffnungssequenz, weil hier der Schnitt vernünftig ist und man Rami Maleks Gesicht nicht sieht. Lucy Bolton ist liebenswert und ihre ersten beiden Szenen mit Malek sind charmant. Ausserdem kannte ich "Love of My Life" nicht, der sehr prägnant im Film ist und seitdem als Ohrwurm in meinem Kopf dudelt (you've hurt me).
Die Darstellung von Freddie Mercury, besonders in der ersten Hälfte, sehe ich sehr kritisch. Auch weil der Film auf eine widerliche Art anbiedernd ist und extrem unkritisch allen anderen Figuren gegenüber. Liebe Grüsse an Brian May.
Wer jemals in seinem Leben einen Film über einen Musiker gesehen hat, kennt Bohemian Rhapsody bereits. Und sehr wahrscheinlich auch mindestens einen besseren Musikfilm.
Rami Malek strengt sich sehr an in der Rolle, aber allein durch die falschen Zähne (Pferdegebiss) wirkt es über weite Strecken sehr seltsam. Ich habe ihn den Rockstar jedenfalls nicht abgekauft. Alle anderen Schauspieler sind Hintergrundrauschen und trotzdem ist der Film kein vernünftiges Biopic über Freddie Mercury. Zu sehr drängt sich Queen in den Vordergrund, wird auf ein Podest gestellt. Freddies Probleme werden als Sabotage an der Band dargestellt.
Das populäre Live Aid Finale war für mich die gruseligste Wiederauferstehung seit Peter Cushing in Rogue One. Es wirkt, als hätte es für Queen nie einen wichtigeren Moment in ihrer Karriere gegeben als diese zwanzig Minuten. Das digitale Publikum wirkt wie aus einem Videospiel. Man kann sich die Originalaufnahmen ansehen. Man kann sich in 135 Minuten ganze drei Mal "A Night at the Opera" anhören. Ich verstehe die Begeisterung der Queenfans nicht. Ich verstehe die Begeisterung des Kinopublikums nicht. Ich verstehe sämtliche Filmpreisverleihungen nicht. Diesen Film darf man nicht unkritisch betrachten und ich habe den Namen von Bryan Singer (Regisseur) noch gar nicht erwähnt.
Der grösste Witz des Films ist übrigens der Schnitt. Planlos, wahllos und in der ersten Hälfte eine einzige Katastrophe. Als dürfte die Kamera nicht länger als eine Sekunde auf einer Person verweilen. Als gäb es nur Schnitt/Gegenschnitt in Gesprächen.
In der Welt von Bohemian Rhapsody muss Freddie dafür bestraft werden, dass er sich nicht den gesellschaftlichen Konventionen beugt. Und auf Verrat an der Königin steht die Todesstrafe. Da hilft auch keine Entschuldigung.
"Don't Stop Me Now" wird erst im Abspann gespielt, auch doof.

yan

Natürlich kann man Bryan Singer vorwerfen, dass er aus Bohemian Rhapsody ein typisches Musiker-Biopic geschaffen hat. Natürlich hat man mit dieser Aussage recht, der Queen-Film ist der erwartete Zuschauermagnet, ein Film, der ein gutes Gefühl hinterlässt und mit seiner Musik gleichzeitig ein Lächeln und Tränen ins Gesicht zaubert. Inszeniert ist der Film top, Rami Malek als Freddie ist göttlich und über die grandiose Musik der Band müssen wir gar nicht sprechen. Toller Film, den ich mir bestimmt noch ein paar Mal ansehen werde!

5.5

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