Blockers (2018)

Blockers (2018)

Der Sex Pakt
  1. 102 Minuten

Filmkritik: #Penis4prom

Ficken?
Ficken? © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Für die drei langjährigen Schulfreundinnen Sam (Gideon Adlon), Kayla (Geraldine Viswanathan) und Julie (Kathryn Newton) ist die High School bald zu Ende und die Prom Night steht vor der Tür. Um das grosse Besäufnis auch richtig feiern zu können, schliessen die drei Mädchen einen Pakt: Sie wollen an diesem besagten Abend ihre Jungfräulichkeit verlieren. Per Textnachrichten wird die Abmachung besiegelt und alles deutet auf eine feuchtfröhliche Nacht hin.

'Cause baby you're a firework
'Cause baby you're a firework © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Durch einen blöden Zufall entdecken die Eltern der Teenagerinnen auf dem privaten Laptop von Julie die anstössigen Botschaften und sind schockiert. Vor allem Mitchell (John Cena) und die allein erziehende Mutter Lisa (Leslie Mann) sind ausser sich und machen sich zusammen mit dem nicht sonderlich beliebten Hunter (Ike Barinholtz) auf die Suche nach ihren Kindern und versuchen, den ersten Sex ihrer Töchter um jeden Preis zu verhindern.

Komödien über die schönste Nebensache der Welt gibt es zur Genüge, wirklich gute Filme darüber aber nur sehr wengie. Mit Blockers von Kay Cannon gesellt sich eine weitere nicht wirklich geglückte Teenie-Sex-Komödie dazu, die einerseits das Niveau eines Penis-Jokes mit sich bringt, aber stets darauf achtet, nirgends anzuecken, dafür zeitgemäss ein Coming-Out bereithält und gar noch den Moralapostel markiert. Diese Widersprüchlichkeit schmerzt einfach zu sehr und lässt dann auch den einen oder anderen guten Witz verpuffen.

Bereits Ende der Siebziger wurde mit der Eis am Stiel-Reihe das Teenie-Sex-Komödie-Genre so richtig eingeläutet, und dabei wurde heftig geflirtet, getanzt und gevögelt. Um die Jahrtausendwende kehrte der Sex-Trend mit der American Pie-Franchise, Road Trip und vielen filmischen Versuchen, die beiden genannten Werke zu kopieren, zurück in die Kinosäle. Da die Qualität aber stetig abnahm, verbannte man viele Genrevertreter direkt in die DVD-Regale. Für das Kino reichte das Niveau kaum mehr. Über die letzten Jahre hinweg verwandelte sich die Sex-Komödie zudem zunehmend zu einer neuen Filmspezies, dem Partyfilm. Komödien, wie Project X, Bad Neighbors oder Superbad drehten sich noch immer ab und zu um Sex, doch eigentlich ging vor allem darum, eine möglichst geile Zeit zu haben.

Der von den Drehbuchautoren von American Reunion produzierte Blockers sollte nun wieder einmal in diese Ich-will-endlich-vögeln-Kerbe schlagen, mit dem signifikanten Unterschied, dass diesmal drei Mädels ihre Unschuld am Abschlussball verlieren möchten. Mit Regiedebütantin Kay Cannon (Drehbuchautorin der Pitch Perfect-Reihe) übernahm eine weitere Frau das Zepter. Vieles sprach dafür, dass der Sex-Pakt, so der deutsche Name des Films, mit einer etwas anderen Herangehensweise und weniger Oberflächlichkeiten à la Seth-Rogen-Schnäbi-Humor etwas Frische in das längst ausgelutschte Genre bringt.

Leider gelingt es den noch unbekannten Drehbuchautoren Brian und Jim Kehoe nicht, "das erste Mal" in witziger Art und Weise zu thematisieren. Das Problem liegt darin, dass man sich zu sehr bemüht, politisch korrekt zu bleiben, aber gleichwohl versucht, die unverblümten Klischees der älteren Sex-Comedy-Generation aufrechtzuerhalten. Dadurch wirkt Blockers ziemlich verkorkst. Der Film kichert peinlich berührt wie Schulkinder über Dinge unter der Gürtellinie. Der Humor funktioniert als Reaktion auf Schamgefühle, und dies zeigt leider deutlich, wie verklemmt und simpel gestrickt das heutige Hollywood ist, wenn es um Sexualität geht.

Die Eltern, gespielt von einer äusserst nervenden Leslie Mann (Knocked Up), einem unerwartet komischen John Cena (Trainwreck) und einem Ike Barinholtz (Bad Neighbors), dessen Figur vielleicht die einzige ist, die sich im Laufe der Geschichte etwas entwickelt, versprühen nicht nur merkwürdige Vibes, sondern geben auch alles, um ihren Schützlingen in Sachen Peinlichkeiten die Show zu stehlen. Hinzu kommen Szenen, die der Komödie einfach nicht gut stehen. Die Prom Night an sich ist ein einziges Desaster. Praktisch kein Witz sitzt und der Fremdschämfaktor ist dermassen hoch, dass man oft nur den Kopf schütteln kann.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook
  4. Instagram