BlacKkKlansman (2018)

BlacKkKlansman (2018)

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  2. 135 Minuten

Filmkritik: Black Power vs. White Power

71e Festival de Cannes 2018
Dürfen wir vorstellen: Ron und Ron
Dürfen wir vorstellen: Ron und Ron

Die USA in den frühen Siebzigern: Während der Zeit der Bürgerrechtsbewegung heuert der afroamerikanische Ron Stallworth (John David Washington) als Detektiv beim Colorado Springs Police Department an. Aufgrund seiner Hautfarbe wird er dort jedoch nicht von allen respektiert. Doch Ron will seinen Weg gehen und startet eine äusserst mutige Ermittlung: Nachdem er in einer Zeitung eine Anzeige für den Ku-Klux-Klan gesehen hat, ruft er einfach schnell bei der aufgeführten Nummer an. Er gibt sich als übler Rassist aus, der mehr über die Organisation erfahren möchte.

Die Stimme am anderen Ende freut sich sehr über den Anruf und möchte Ron so schnell wie möglich aufnehmen. Da dies aufgrund Rons Hautfarbe leicht tödlich enden könnte, spannt er seinen Berufskollegen Flip Zimmerman (Adam Driver) ein, damit dieser Ron während der Treffen doubeln kann. Alles läuft wie am Schnürchen. Als sich aber eines Tages Ku-Klux-Klan-Präsident David Duke (Topher Grace) für einen Besuch ankündigt, wird es für die Cops äusserst gefährlich.

Der Thriller BlacKkKlansman erzählt die wahre Geschichte eines afroamerikanischen Cops, der den Ku-Klux-Klan infilitierte, auf eine coole und vor allem äusserst unterhaltsame Art und Weise, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt. Das starke Schauspielerensemble gleicht zudem ein paar gar konstruierte Spannungsmacher aus.

Spike Lee hatte schon immer eine grosse Wut über die Lebensbedinungen der US-afroamerikanischen Bevölkerung im Bauch. Dies hat über die Jahre auch nicht nachgelassen, vor allem, weil es seit seinem tollen Do the Right Thing in den USA vielerorts nicht wirklich besser geworden ist. Man denke da an die Bilder aus Charlottesville im dem Jahre 2017. Diese Wut spiegelt sich oft in seinen Filmen wider, in denen er anprangert und dabei auch mal etwas über das Ziel hinausschiesst und zu plakativ agiert. Dies ist besonders heftig in den letzten fünf Minuten von BlacKkKlansman zu beobachten. Wie gut, dass es zuvor einen unterhaltsamen, leicht schwarzhumorigen Thriller zu sehen gibt.

Unglaublich, aber wahr: Die Geschichte hinter BlacKkKlansman hat sich plusminus so zugetragen. Ron Stallworth gibt es wirklich, und er hat als afroamerikanischer Polizist wirklich den Ku-Klux-Klan infiltriert. Ein Beweis dafür, dass die besten Storys halt immer noch das Leben selbst schreibt. Lee bringt die Seventies in coolen Bildern auf die Leinwand und würzt das Ganze immer wieder mit sozialkritischen Seitenhieben gegen die heutige Zeit und natürlich gegen US-Präsident Donald Trump. Das hätte eigentlich schon gereicht, doch schwingt Lee zum Schluss dann einen riesigen Holzhammer, um aufzuzeigen, dass Rassenhass traurigerweise wieder auf dem Vormarsch ist. Weniger wäre hier - zum Wohle des Genre-Beitrags - mehr gewesen.

Zur grossen Lehrstunde wird BlacKkKlansman mit Ausnahme des angesprochenen Schlusses jedoch nicht. Der Krimi-Plot wird mit angenehmen Tempo vorangetrieben und die Schauspieler gefallen alle durchs Band. Sogar Topher Grace als KKK-Chef David Duke überzeugt. Nicht gerade etwas, dass man dem früheren Sitcom-Star (That '70s Show) zugetraut hätte. Eine Entdeckung ist derweil John David Washington (sein Papi heisst Denzel), der seinen Ron Stallworth eine unglaubliche Coolness verleiht, und zudem gibt es ein lustiges Wiedersehen mit Paul Walter Hauser, der in I, Tonya den hohlen "Bodyguard" Shawn spielte.

Weit weniger cool sind die etwas gar offensichtlich platzierten Spannungsschrauben wie eine Liebesbeziehung zwischen dem Protagonisten und Laura Harriers (Spider-Man: Homecoming) Aktivistin und eine etwas gar hohle Entscheidung der Polizeieinheit gegen Ende des Filmes. Doch sei's drum. Die Zeit vergeht während BlacKkKlansman wie im Fluge, was Lees Film zu seinem besten seit seiner Bankräuberpistole Inside Man macht.

/ crs

Kommentare Total: 2

yan

Typischer Spike Lee-Joint ;)

Während Do the Right Thing eine tickende Zeitbombe war, ist BlacKkKlansman oftmals etwas schläfrig unterwegs. Auch wenn Lee wütend mit der Brechstange die Rassenproblematik in den Staaten aufzeigt, gleichzeitig witzig und beängstigend auf die heutige Zeit reflektiert und mit seiner polemischen Art etwas zu oberflächlich Politik betreibt, ist das teilweise höllisch komisch (Telefonate mit der "Organisation") oder aber einfach nur peinlich unpassend (Schlussminuten des Films). Sicher kein schlechter Film, aber imho ziemlich unspektakulär. Dann schaue ich mir lieber noch einmal Get Out oder Detroit an.

3.5

crs

Filmkritik: Black Power vs. White Power

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