Bird Box (2018)

Bird Box (2018)

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  2. 124 Minuten

Filmkritik: Don't look!

Netflix
Wo isch die Scheiss-Piñata?
Wo isch die Scheiss-Piñata?

Malorie Shannon (Sandra Bullock) ist schwanger. Vom Vater des Kindes hat sie sich getrennt und die Vorfreude auf den Nachwuchs hält sich in Grenzen. Ihre Schwester Jessica (Sarah Paulson) versucht sie aufzumuntern und besucht sie in ihrem Studio. Als sie zusammen für eine Routinekontrolle im Krankenhaus sind, bricht plötzlich Panik aus. Die Bürger fangen grundlos an, sich selbst zu töten. Eine unsichtbare Macht hat sie angegriffen mit der Fähigkeit, den Menschen etwas vor Augen zu führen, das sie in den eigenen Tod treibt.

What is going on?
What is going on?

Die Schwestern flüchten und versuchen möglichst schnell aus der Stadt zu kommen. Doch Jessica fällt dem "Monster" zum Opfer. Malorie wird von einer Frau gerettet, die kurz darauf ebenfalls das Zeitliche segnet. Zusammen mit ein paar Überlebenden findet sie Schutz im Haus von Douglas (John Malkovich). Wochen vergehen, die Nahrung geht aus und durch unerwartete Zwischenfälle wird die Gruppe immer mehr dezimiert. Als Malorie Jahre später von einer Zufluchtsstätte hört, begibt sie sich mit ihrem mittlerweile geborenen Sohn (Julian Edwards) und der Tochter (Vivien Lyra Blair) einer Freundin mit verbundenen Augen auf eine äusserst gefährliche Reise.

Ja, Bird Box ist ein Monsterfilm ohne Monster. Doch dadurch ist Susanne Biers Survival-Thriller nicht automatisch schlecht. Im Gegenteil. Die Mischung aus Endzeit-Szenario, The Walking Dead-Gruppendynamik und einem Konzept, das man etwas abgeändert bereits von Filmen wie Don't Breathe oder A Quiet Place kennt, ist durchgehend spannend und geht vorzüglich auf. Die Besetzung, allen voran Sandra Bullock, ist stark und der abwechslungsreiche Aufbau des Plots sorgt für ein rundes Ding, auch wenn nicht alle Nebenstorys gleich überzeugen und vollumfänglich aufgelöst werden. Dieser Film gehört auf jede Netflix-Watchlist!

Die dänische Produzentin, Drehbuchautorin und Regisseurin Susanne Bier (Brothers) hat mit ihrem letzten Projekt, der Mini-Serie The Night Manager, nicht nur einen Emmy gewonnen, sondern auch gleich noch einmal richtig Werbung in eigener Sache gemacht. Vielleicht erhielt sie auch gerade deshalb die Chance, die Regie bei Netflixs Bird Box zu übernehmen. Der vom Streaming-Giganten produzierte Survival-Horrorthriller mit Sandra Bullock (Gravity) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Josh Malerman und wurde von Drehbuchautor Eric Heisserer (Arrival) für die Leinwand umgeschrieben und angepasst. Trotz bekannten Stilmitteln und ohne spektakuläre Special-Effects ist Bird Box eine Bereicherung für das Genre und nicht nur dank der grossartigen Performance von Sandra Bullock empfehlenswert.

Für Bullock, die bisher noch nie in einem Horrorfilm mitspielte, passt dies perfekt. Denn Biers Werk ist kein typischer Horrorfilm und bewegt sich öfters zwischen den Genres. In der Backstory, die das Szenario von Beginn weg aufzeigt, liegt der Fokus mehr auf der Gruppendynamik. Hier fühlt man sich oft an eine sehr bekannte Zombie-Serie erinnert. Der packende Überlebenskampf, in dem Bullock zusammen mit zwei stark aufspielenden Kindern (Vivien Lyra Blair, Julian Edwards) blind eine nicht ganz ungefährliche Flussfahrt macht, ist mehr Survival-Drama denn Horror. Die Struktur, wie die beiden Erzählstränge miteinander verbunden wurden, ist eine der grossen Stärken von Bird Box. Durch diese parallelen Erzählebenen entwickelt sich die Hauptfigur sichtbar für die Zuschauer, was gerade gegen Ende von grosser Bedeutung ist.

Natürlich hat Bird Box auch ein paar Hänger. Die Twists sind nicht besonders überraschend, das Konzept ist auch nicht ganz neu, und irgendwie fehlt das Monster dann doch. Es ist zwar erfrischend, einen Monsterfilm zu sehen, der darauf verzichtet, auch eines zu zeigen, doch ein schaler Beigeschmack bleibt trotzdem. Der Vergleich zum "Shut-The-Fuck-Up-Horrorfilm" A Quiet Place ist natürlich angebracht, denn Bird Box spielt mit der gleichen Idee, einfach dass man hier die Augen geschlossen halten muss, um am Leben zu bleiben. Das Konzept funktioniert bei beiden Filmen und ist bei beiden der grosse Trumpf. Als gesamtes Werk gefällt dann aber Bird Box etwas besser, was vor allem daran liegt, dass die Erzählung viel abgerundeter wirkt und so nicht abhängig ist von einem Sequel oder Prequel.

/ yan

Kommentare Total: 6

swo

Der Film ist gute 20-30 Minuten zu lang.

oscon

Es ist so eine Sache mit Netflix Filmen in letzter Zeit. Zumeist sind diese mit guten Schauspielern ausgestattet, starten spannend in die Geschichte und hinterlassen am Schluss einen (etwas) ratlosen Zuseher, der mit dem Schluiss nichts anfangen kann. Warum (im Gegensatz zum famosen "A Quiet Place") in "Bird Box" auf das Creature Design komplett verzichtet wurde (was sich z.B. auch in Shyamalan's "The Happening" auch als grosses Manko erwies), weiss nur der Produzent selbst! Der Film ist spannend umgesetzt, aber wie erwähnt: zu einem Filmerlebnis gehört zu mindestens (neben einer tollen Sandra Bullock!) eine halbwegs erkennbare Erklärung der Grundgeschichte.

muri

Quiet Place hat mir vielleicht auch einen kurzen Blick auf die Viecher gegeben, was ja in Bird Box vollkommen fehlt. Somit war die Bedrohung greifbarer, anstatt nur ins Leere zu schauen.

Aber vielleicht war es die Tiefe, bö. Er hat mir schlichtweg besser gefallen, da ich mir dort vor Spannung kaum erlaubte, einen Ton von mir zu geben.

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