The Ballad of Buster Scruggs (2018)

The Ballad of Buster Scruggs (2018)

  1. 132 Minuten

Filmkritik: Die glorreichen Sechs

75. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2018
Schneller als sein Schatten!
Schneller als sein Schatten!

Der einsame Musiker Buster Scruggs (Tim Blake Nelson) ist zugleich ein gnadenloser, pfeilschneller Pistolenschütze und lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn die gefürchtetsten Halunken ihn zum Duell herausfordern. Einem Bankräuber (James Franco) gelingt es auf mirakulöse Weise, sich aus der Schlinge der Justiz zu ziehen. Die Attraktion eines reisenden Theater-Organisators (Liam Neeson) ist ein arm- und beinloser junger Mann, der seinem Publikum Geschichten vorliest.

Ein Goldsuchender (Tom Waits) wird auf hinterhältigste Weise von einem Gauner überrascht. Auf einer Kutschenfahrt werden eine vornehme Lady (Tyne Daly) und drei Herren von den Erzählungen zweier Kopfgeldjäger verängstigt. Und eine junge Frau (Zoe Kazan), welche sich einem Konvoi anschliesst, erhofft sich, in Oregon ein neues Leben zu beginnen. Diese sechs Geschichten aus dem Wilden Westen entstammen dem staubigen alten Buch «The Ballad of Buster Scruggs».

Es fällt nicht ganz einfach, The Ballad of Buster Scruggs von den Coen-Brüdern (Fargo, No Country for Old Men) als Gesamtwerk anzuerkennen und zu beurteilen. Die sechs Kurzgeschichten des Episodenfilms sind bis auf das Setting des Wilden Westens völlig zusammenhangslos. Obwohl nicht alles Storys von derselben Qualität sind, macht es grossen Spass, sich den Netflix-Western anzuschauen. Schwere Schiesseisen, schwarzer Humor, ein cooler Soundtrack und ein fabelhaftes Cast mit einigen renommierten Bad Boys sind allesamt inbegriffen - wie es sich für einen Coen-Film gehört!

Ursprünglich hätte der Netflix-Western The Ballad of Buster Scruggs eine Serie werden sollen, und an einigen Stellen lässt er sich dies auch anmerken. Als Leitfaden für das Werk, das sechs voneinander unabhängige Kurzgeschichten erzählt, dient ein Buch. Es trägt denselben Titel wie der Film und wird in der Einführung und am Ende sowie zwischen den Episoden umgeblättert, begleitet von einem Voiceover. Neben einigen geschriebenen Passagen sind jeweils auch Illustrationen zu erkennen.

Die sechs erzählten Geschichten sind nicht alle von derselben guten Qualität. Jene in der Kutsche und jene des Goldsuchenden fallen etwas ab, wobei auch diese gute Unterhaltung bieten. Die Kutschen-Geschichte erinnert an die lange Kutschenfahrt aus Tarantinos The Hateful Eight.

Die eröffnende Geschichte von Buster Scruggs ist grossartig und präsentiert Tim Blake Nelson in einer Glanzrolle: singend, gitarrenspielend und Colt-schwingend, immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Und James Franco serviert in seiner Episode simple, aber geniale Situationskomik und macht ebenfalls einen guten Eindruck als Cowboy. Etwas überraschend, dass ausgerechnet Action-Held Liam Neeson nie zur Waffe greift in seiner Geschichte. Dafür überzeugt er in einer witzigen, kuriosen Rolle. Herausragend ist auch Zoe Kazan, deren Figur von mehreren unerfreulichen Schicksalsschlägen betroffen ist und die dennoch weiterhin mutig nach ihrem Glück strebt.

Auch wenn es schwierig fällt, die sechs Geschichten als Gesamtwerk zu betrachten, ist den Coen-Brüdern mit The Ballad of Buster Scruggs nach True Grit erneut ein guter Western gelungen. Mit seinem coolen Line-up an Cowboys, wilden Schiessereien, schwarzem Humor und schönen Panorama-Aufnahmen in der Prärie enthält der Episodenfilm die richtigen Zutaten und lohnt sich auf alle Fälle zu sehen.

/ gli

Kommentare Total: 5

oscon

Die Coen-Brüder sind zurück und das mit einem furiosem Western Episodenfilm.
Selten war ein Western komischer, makaberer und mit so vielen sensationellen Charakteren gespickt!
Mein absolutes Highlight: Die Szene nach dem Duell als Tim Blake Nelson (aka Buster Scruggs) und Folksänger Willie Watson (aka The Kid) "When A Cowboy Trades His Spurs For Wings" singen!
Nicht umsonst wurde der Song für einen Golden Globe nominiert! Zurzeit mein absoluter Lieblingsfilm auf Netflix!

sma

Vielleicht werde ich auf meine alten Tage doch noch zum Coen-Fan. Wobei zwischen diesem Film hier und Inside Llewyn Davis ja noch Hail, Caesar! erschien. Und ich bin schon ein sehr grosser Westernliebhaber.
Mir hat besonders gefallen, wie unterschiedlich die sechs Episoden aussehen. Man erzählt hier nicht einfach nur sechs verschiedene Kurzgeschichten aus dem nicht mehr ganz so Wilden Westen. Mit jedem Kapitel hat mir der Film auch besser gefallen. Mein Favorit ist wohl The Gal Who Got Rattled, die gefühlt sehr lang ist und, wie die anderen Episoden auch, eigenständig funktioniert. Aber auch die Stimmung in Meal Ticket und die Inszenierung von All Gold Canyon haben mir sehr gut gefallen. Vor allem gelingt es die Grösse und Vielfalt der USA zu zeigen, bei der Landschaft und den Menschen.
The Ballad of Buster Scruggs ist ein abwechslungsreicher und sehr unterhaltsamer Film. Den Ruf nach mehr kann ich hier gut nachvollziehen.

yan

Ja! Endlich! Die Coen-Brothers sind zurück und im Gepäck haben sie 6 Kurzgeschichten, die bis auf zwei Episoden einfach grossartig sind.
Komik, Nihilismus und etwas Skurrilität - bei den Coens weiss man was aufgetischt wird und trotzdem überraschen sie einen immer wieder. Inszeniert ist The Ballad of Buster Scruggs zudem hervorragend.

Einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres!

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