The Little One - Ayka (2018)

The Little One - Ayka (2018)

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Filmkritik: Alles Mist!

71e Festival de Cannes 2018
Völlig im Seich
Völlig im Seich © Studio / Produzent

Die junge Kirgisin Ayka (Samal Yeslyamova) hat gerade in einem Moskauer Krankenhaus ein Kind zur Welt gebracht. Die frischgebackene Mutter denkt jedoch nicht daran, sich um das Kind zu kümmern. Sie haut bei der erstbesten Möglichkeit durch ein Fenster in der Damen-Toilette ab. Denn Ayka muss dringend arbeiten gehen, da sie von Geldsorgen geplagt ist. Ursprünglich ist die junge Frau nach Moskau gekommen, um als Schneiderin zu arbeiten.

Doch sie hat sich das Geld für eine Nähmaschine bei den falschen Leuten geborgt, und so drohen diese nun ihr etwas anzutun, sollte sie nicht in wenigen Tage den geschuldeten Betrag zurückzahlen. Für Ayka beginnt so ein Wettlauf gegen die Zeit, der auch noch dadurch erschwert wird, dass ihre Arbeitsbewilligung vor über einem Jahr abgelaufen ist. Auf ihrer Arbeitssuche und in ihren Versuchen das Geld aufzutreiben, agiert Ayka immer verzweifelter.

Mit "Alles Mist" lässt sich die Reise der Protagonistin in diesem Film beschreiben. Wir schauen einer jungen Frau zu, wie sie auf der Suche nach Geld immer verzweifelter wird. Dies geht jedoch wegen der Vorenhaltung einiger Informationen - über die Vergangenheit von Ayka lernen wir nichts - und einer schwachen Handkamera-Inzenierung überhaupt nicht nahe.

Ayka des kasachischen Regisseurs Sergei Dvortsevoy ist sogenannter "Misery Porn". Wir sehen 100 Minuten einer Protagonistin zu, die vom Regen in die Traufe kommt, wo es nur noch schlimmer zu werden droht. Der billig mit Handkameras gedrehte Film gibt uns dabei jedoch nicht viele gute Gründe, diesem Treiben zuzuschauen.

Denn die porträtierte Ayka ist nicht nur einfach ein Opfer, sondern auch Täterin, die das Leben für andere ebenfalls unglaublich schwierig macht. Dies kann natürlich der zunehmenden Verzweiflung zugeschrieben werden, doch ein bisschen mögen sollte man diese Figur trotzdem, um bereitwillig mit ihr die Filmzeit zu verbringen.

Dies geht jedoch nicht wirklich, da Dvortsevoy grosse Teile der Backstory der Protagonisten bis fast zum Schluss zurückbehält. Erst in den letzten fünf Minuten wird offenbart, in was für einer Hölle Ayka sich befindet, aus der es irgendwie kein Entrinnen mehr gibt. Hätte Dvortsevoy Hinweise zu diesen Sachen gestreut, wäre der ganze Film einvernehmender gewesen. Wirklich aufwühlen tut der Film so erst nach dem Abspann ein bisschen. Doch möchte man den Film dann schon am liebsten wieder vergessen haben. Mit dem gegen Ende angeeigneten Wissen könnte man sich diese Tortur nochmals ansehen - aber wer will das schon?!

Schuld daran trägt auch die verwackelte Kameraführung, die Ayka mit überall hin folgt - ja, auch auf das Klo -, wobei man in einigen Szenen aufgrund schlechter Ausleuchtung nichts erkennen kann. Ein Gefühl der Beklemmung und der Ohnmacht sollte dies auslösen. Ein Gefühl der Gernervtheit hat es ausgelöst. Der von der Story her ähnliche Capharnaüm ist deshalb aufgrund seiner besseren Inszenierung und der vergossenen Tränen vorzuziehen.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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