Au poste! (2018)

Au poste! (2018)

Die Wache
  1. 73 Minuten

Filmkritik: Der Mörder ist nicht immer der Gärtner - oder der Pneu

"Der Mörder ist ein Pneu?!"
"Der Mörder ist ein Pneu?!" © Praesens Film

Kommissar Buron (Benoît Poelvoorde) sitzt zur späten Stunde immer noch auf dem Revier. Er ist jedoch nicht allein. Neben seinem einäugigen Partner Philippe (Marc Fraize) sitzt da auch noch der Schnurrbartträger Fugain (Grégoire Ludig). Letzterer sitzt auf der Wache, weil er vor seinem Haus einen Toten entdeckt hat. Buron gefällt die ihm aufgetischte Geschichte jedoch nicht. Vor allem die Tatsache, dass Fugain zuerst nach der Brieftasche des Toten gesucht und erst dann die Polizei verständigt hat, macht ihn stutzig. Ist Fugain vielleicht sogar der Täter?

"Gugguseli"
"Gugguseli" © Praesens Film

Es beginnt so ein stundenlanges Verhör, in dem Fugain in aller Ausführlichkeit unter anderem erklären muss, warum er in der fraglichen Nacht sieben Mal das Haus verliess. Buron lässt nicht locker. Doch als der Kommissar einmal für kurze Zeit das Büro verlässt und Philippe den Aufpasser gibt, überschlagen sich die Ereignisse - und dies nicht wirklich zu Fugains Vorteil.

Rubber-Regisseur Quentin Dupieux stellt auch mit seinem neusten Film wieder einiges auf den Kopf. Ein normal scheinendes Verhör kippt in Au poste! immer mehr ins Absurde und Bizarre, sodass es für genremüde Kinofans eine wahre Freude ist. Herrlich schräg und lustig, auch wenn nicht ganz so verrückt wie andere Werke von Dupieux.

Quentin Dupieux mag schräge Sachen. Mit Flat Beat hat er in den Neunzigern einen Nummer-eins-Hit geschaffen, für den man sich als damaliger Fan heute eigentlich fast nur noch schämen kann. Zudem hat er mit Rubber einen Meilenstein im Genre des Killerpneufilmes inszeniert. An etwas Normalem scheint der Franzose nicht wirklich interessiert zu sein - und das ist auch gut so, wie auch sein neuster Film Au poste! unter Beweis stellt.

Denn Dupieux stellt mit seinem Polizistenfilm mal wieder ein ganzes Genre auf den Kopf. Das beginnt schon bei der allerersten Szene des Filmes, die einfach zu bizarr-gut ist, um sie hier zu spoilern. Es gilt hier, dass man vor dem Schauen so wenig wie nur möglich über den Film wissen sollte. Klar sollte einfach sein, dass wer gerne lineare und zielgerichtete Erzählungen hat, hier nicht glücklich werden wird. Dupieux schweift gerne ab und spielt mit Rückblenden, wobei er das ganze Konzept ins Absurde kippen lässt. Vor allem für diejenigen, welche die immer gleichen Abläufe in den Cop-Filmen satt haben, ist das ein Hochgenuss.

So abgedreht wie Rubber ist Au poste! jedoch nicht. Für das sind die Protagonisten, vor allem was die Handlungsorte betrifft, zu eingeschränkt. Eine triste Polizeiwache, wo der Grossteil des Filmes spielt, bietet nicht viele Möglichkeiten für verrückte Dinge. So ist Au poste! ein idealer Einstieg in die Welt des Regisseurs für jene Leute, welche zuvor noch kein Werk von ihm gesehen haben.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd

Kommentare Total: 7

crs

Das wird mit dem Verleiher zu tun haben. Normalerweise richten sich die Schweizer Verleiher betreffend dem Deutschschweizer Start nach Deutschland. Auch weil dort die Synchronisationsversionen entstehen, wartet man jeweils immer auf Deutschland.

Doch "Au Poste" hatte lange gar keinen Verleiher in Deutschland, somit gab es auch keine deutsche Synchro und war lange nicht klar, ob es überhaupt so eine geben wird. Die Filme von Quentin Dupieux sprechen zudem eher ein kleines Arthouse-Publikum an, das die Originalfassung bevorzugt.

Weil man nicht monatelang warten und man mit dem Film noch bisschen Geld verdienen wollte, hat der Schweizer Verleiher Praesens "Au Poste" dann nach dem Westschweizer Start (dort orientiert man sich übrigens nach Frankreich) noch in einer untertitelten Version in die Deutschschweizer Kinos gebracht.

pradox

kennst du den grund dafür? liegen ja immerhin 16 monate zwischen dem ch- und de-start.

crs

In Deutschland schon. Bei uns ist er schon durch :-)
CH-Kinostart war am 9. August 2018.

Kommentar schreibenAlle Kommentare anzeigen

Teaser Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:13