Apostle (2018)

Apostle (2018)

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  3. 130 Minuten

Filmkritik: Malcolm in the Middle of a religious Cult

Netflix
Ich han en coole Huet!
Ich han en coole Huet! © Netflix

Jennifer Richardson (Elen Rhys) wird von einem religiösen Kult entführt, welcher von ihrem wohlhabenden Vater ein Lösegeld fordert. Ihr Bruder Thomas (Dan Stevens) geht mit einer markierten Einladung, die für seinen Vater bestimmt war, auf ein Boot, welches ihn zur Insel des Kults führt. Kurz vor der Abreise vertauscht er die Einladung mit einer normalen, worauf jemand anderes für Jennifers Vater gehalten wird.

Hilfe bei der Rasur gefällig?
Hilfe bei der Rasur gefällig? © Netflix

Auf der Insel angekommen, wird der "falsche Vater" hingerichtet und die Kultführer um den Propheten Malcolm (Michael Sheen) suchen nach dem Maulwurf. Bald lernt Thomas Malcolms Tochter Andrea (Lucy Boynton) kennen, die nicht komplett mit den Ansichten ihres Vaters einverstanden ist. Als Thomas beim Erkunden der Insel auf eine gfürchige alte Frau trifft, bemerkt er, dass mit dieser Insel etwas ganz und gar nicht stimmt - abgesehen von den irren Kultisten.

The Raid-Regisseur Gareth Evans schafft in seinem ersten komplett englischsprachigen Film nach Footsteps keinen Coup. Sein Apostle ist stark gefilmt und bietet einen interessanten Blick auf religiösen Fanatismus, erholt sich von seiner zähen ersten Stunde aber nie. Da hilft auch das letzte Drittel nicht, in dem die Handlung endlich Fahrt aufnimmt und einige abstossende Bilder geliefert werden.

Der Waliser (nicht Walliser) Gareth Evans hat sich mit den beiden unter Actionfans beliebten The Raid-Filmen international einen Namen gemacht. Nun wagt er sich in seinem ersten englischsprachigen Film seit Footsteps an einen Horrorthriller. In diesem Genre konnte er bei der weniger beliebten Horroranthologie V/H/S 2 mit dem Segment "Safe Haven" schon erste Erfahrungen sammeln.

Evans' Streifen überzeugt aber nicht richtig. Vor allem die erste Stunde zieht sich massiv in die Länge. Zwar ist der Protagonist nach nicht einmal zehn Minuten bereits auf der Insel angekommen, danach passiert aber lange wenig bis nichts. Ein bisschen Charakterintro hier, ein wenig Nebenhandlung da. Da hilft auch die Performance von Dan Stevens nicht, der in der genannten Stunde fast gelangweilt wirkt. Jedoch gefällt die schummrige Stimmung der Insel. Alles fühlt sich extrem kalt und beunruhigend an. Allgemein ist die Kameraarbeit mit diversen spannenden Einstellungen aus der Vogelperspektive oder aus der Sicht des Protagonisten toll.

Grund zur Unruhe gibt dann die zweite Hälfte. Da zieht die Geschichte endlich an und einige Figuren entwickeln sich in Richtungen, die man zu Beginn nicht erwartet hätte. Ausserdem wird der Film ab da stellenweise unheimlich brutal. Das übelste Beispiel dafür dürfte das "Cleansing" einer Figur sein. Solche Szenen illustrieren den Irrsinn dieses Kults anschaulich - wenn man es denn so nennen will. Allerdings besteht Apostle nicht nur aus Foltern und Geschrei, wie einem der Trailer vielleicht weismachen möchte. Dafür beschäftigt er sich zu viel mit dem religiösen Fanatismus - dies aber auf eine unübliche Weise. Mit übernatürlichen Elementen koppelt er diesen an eine Allegorie für den menschlichen Verschleiss mit Mutter Natur, die mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Ansonsten verschlüsselt sich Apostle aber nicht zu sehr, sondern ist ziemlich leicht entzifferbar.

Im letzten Drittel erwacht dann auch Dan Stevens, der ab dann mehr tut als nur grimmig dreinschauen. Ebenfalls gefällt Michael Sheen in der Rolle des nicht ganz so knallharten Propheten Malcolm. Seine Figur und die von Quinn, gespielt von Mark Lewis Jones, haben mit Abstand die besten Entwicklungen. Dan Stevens' Thomas hat hingegen keine. Jones' Figur bietet dann auch den grössten Unterhaltungswert, dies aber auch erst im dritten Drittel. Von der ersten zähen Stunde erholt sich Apostle einfach nie wirklich, was den Film dann doch nur knapp über dem Durchschnitt schweben lässt.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Kommentare Total: 3

yan

Gareth Evans macht nach seinen beiden Martial-Arts-Knallern (The Raid 1 + 2) einen ungewöhnlichen Horrorfilm. Netflix hat das Teil produziert und Dan Stevens (The Guest) spielt die Hauptrolle.

Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden hat sich Evans einiges zugetraut. Sein "Apostle" ist Sektenthriller, esoterischer Fantasyhorror, Torture Porn und Kidnapping-Drama. Leider passen die verschiedenen Elemente nicht wirklich zusammen und der Fokus liegt irgendwo zwischendrin, was Apostle immer wieder den Schwung raubt. Trotz überzeugender Inszenierung und ein paar starken Schauspielleistungen und Effekten ist Apostle vor allem zu lang und scheitert an einem Drehbuch, das einfach zuviel wollte.

3.5

nna

Filmkritik: Malcolm in the Middle of a religious Cult

db

Ich fands gut. Düster, brutal und mit einigen Twists and Turns. Der gut ausgewählte Cast hilft über das Wicker Man feeling hinweg und das Ende ist auch noch unerwartet konsequent. Sehenswert.

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