Alpha (2018)

Alpha (2018)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: Der erste Hund

Deine Pause ist um.
Deine Pause ist um. © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Vor 20'000 Jahren, während der letzten Eiszeit: Keda (Kodi Smit-McPhee) der schmächtige Sohn des Stammführers Tau (Jóhannes Haukur Jóhannesson), wurde gerade zum Mann erklärt und darf die besten Krieger des Stammes auf seiner ersten Jagd begleiten. Nach wochenlanger Reise am Ziel angekommen, kommt es zu einem schlimmen Zwischenfall. Keda stürzt im Kampf eine Schlucht hinunter und wird von seinem Stamm als totgeglaubt zurückgelassen. Als er schwer verletzt zu sich kommt, muss er vor dem gnadenlosen Wintereinbruch einen Weg nach Hause finden und sich der unerbittlichen Natur stellen.

Hier schwimmt unser Abendessen.
Hier schwimmt unser Abendessen. © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Feuer machen, Nahrung finden, Wunden verarzten und sich an den Sternen orientieren: Keda hat vieles von seinen Eltern gelernt, ist aber nun zum ersten Mal völlig auf sich alleine gestellt und gezwungen, diese Techniken anzuwenden. Eines Nachts wird er von einem Rudel Wölfe angegriffen. Als er eines der Tiere verletzt, ziehen die anderen von dannen. Anstatt den Wolf zu töten, versucht er das Raubtier zu pflegen und zu zähmen. Je länger die Reise andauert, desto mehr freundet sich das ungleiche Paar an, bis sie sich schliesslich in allen Lagen unterstützen und einander in jeder Situation vertrauen.

Das Überlebensdrama Alpha mit Kodi Smit-McPhee (X-Men: Apocalypse) in der Hauptrolle ist ein visuell prächtiges Urzeit-Abenteuer, das mit seiner Bildgewalt an grosse Blockbuster erinnert. Da die Geschichte aber einen eher schlichteren Weg einschlägt, die Survival-Elemente zweitrangig sind und der Fokus auf die Beziehung zwischen Wolf und Mensch gelegt wird, bekommen die Zuschauer einen intimen und liebenswerten Spielfilm geboten, den längst nicht nur Hundeliebhaber ins Herz schliessen werden.

Mit Filmen wie Book of Eli, From Hell oder dem schon etwas älteren Menace II Society haben sich die Hughes-Brothers Albert und Allen einen Namen als Regieduo gemacht. Während Allen die Dr.-Dre-Mini-Serie The Defiant Ones und den Thriller Broken City mit Mark Wahlberg ohne seinen Zwillingsbruder Albert inszenierte, benötigte dieser fünf Jahre länger für seinen ersten eigenen Spielfilm. Für sein Urzeit-Survival-Drama Alpha hat sich der US-Amerikaner Zeit gelassen, wobei der Kino-Starttermin auch immer wieder nach hinten verschoben wurde. Eigentlich kein gutes Zeichen für einen Film, doch Albert beweist auch ohne seinen Bruder, dass er sein Handwerk versteht.

Bereits im Vorfeld hat Alpha für Schlagzeilen gesorgt. Als bekannt wurde, dass bei den Dreharbeiten Bisons für eine Szene getötet und gehäutet wurden, entfachte dies einen Shitstorm und zog eine Untersuchung nach sich. Die Tierschutzorganisation Peta ruft noch immer zum Boykott des Filmes auf. Ob dies nun Gründe sind, sich den Film nicht anzuschauen, darf jeder Zuschauer für sich selber entscheiden. Fakt ist, dass das in Kanada abgedrehte Urzeit-Abenteuer visuell begeistert und mit einer unerwartet simplen und unaufdringlichen Story unterhält. Der in der Hauptrolle agierende Kodi Smit-McPhee überzeugt in seiner Rolle als gutmütiger Kriegerlehrling Keda.

Der heimliche Star des Films ist aber der titelgebende wilde Wolf Alpha, der von einem tschechoslowakischen Wolfshund namens Chuck "gespielt" wurde. Die Beziehung dieses ungleichen Paares ist Kern des Films, und die mit der Zeit wachsende Bindung von Mensch und Tier sorgt nicht nur bei Hundefans für Emotionen. Ähnlich wie im Kinder-/Jugendbuch "Le premier chien" (deutsch: "Asak und der erste Hund") wird die Entwicklung vom Wolf zum Hund in einer etwas vereinfachten Art und Weise dargestellt.

Trotz atemberaubenden Aufnahmen, modernen CGI-Effekten und Imax-Format ist Alpha ziemlich simpel und einfach gestrickt. Der Film versucht nicht, mit Feuerwerk und Krach künstlich Aufmerksamkeit zu erregen und wirkt auf die Zuschauer stellenweise unscheinbar. Ein Gefühl, das die extra für den Film erfundene Sprache noch verstärkt. Dies macht das Abenteuer aber nur sympathischer, denn mit dem Fokus auf das Wesentliche sorgt jede einzelne der kompakten 96 Minuten für gelungene Unterhaltung.

Auch wenn die Geschichte keinen Innovationspreis gewinnt und die ausweglose Situation nicht so beklemmend wie beispielsweise in The Revenant inszeniert wurde, ist Alpha längst nicht nur schöner Imax-Bildschirmschoner. Die zärtliche Beziehung zwischen Krieger und neugewonnenem Menschenfreund steht wunderbar im Mittelpunkt dieses Survival-Dramas und lässt den Überlebenskampf in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Kommentare Total: 3

db

Nette Bilder aber das wär's dann auch. Gepflegte und berechenbare Langweile bei der unmotiviert von A nach B gelaufen wird, runden den mässigen Film ab.

solanumnigrum

Ich kann verstehen, warum ihn manche Leute als "naja" bewerten. Allerdings finde ich den Film in seiner Art sogar sehr gut. Endlich mal nicht mit 100 Stars gespickt sondern eher unbekannte Darsteller genommen. Alles in allem irgendwie Low-Budget aber alles in allem ein unterhaltsamer, gelungener Film.

Negative Dinge:
- Die Story ist in fast allen Szenen absehbar.
- Die Szenen sind teilweise zu brutal für einen Kinderfilm, aber auch zu "soft" für einen Erwachsenenfilm.
- Gewisse Szenen entsprechen keiner Logik und sind vor allem was die natürlichen Elemente betrifft kaum zu erklären.

yan

Filmkritik: Der erste Hund

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