12 Strong (2018)

12 Strong (2018)

Operation: 12 Strong
  1. , ,
  2. 130 Minuten

Filmkritik: Cowboys & Taliban

Graveyard of Empires
Graveyard of Empires

Eigentlich hat Captain Mitch Nelson (Chris Hemsworth) sein Elite-Soldatendasein für die Familie an den Nagel gehängt. Doch als er im Fernseher die tragischen Bilder der einstürzenden Twin Towers mitansieht, will er zu den ersten gehören, die den Schuldigen das Handwerk legen. Durch die Mithilfe seines besten Freundes Hal Spencer (Michael Shannon) kriegen Nelson und seine Truppe, die er zwei Jahre auf einen Ernstfall vorbereitet hat, den Auftrag, nach Afghanistan zu reisen um dort afghanische Kämpfer bei der Eroberung der Taliban-Hochburg Masar-e Scharif zu unterstützen.

Horse Soldiers
Horse Soldiers

Vor Ort wird aber schnell klar, dass die Aufgabe in der vorgegebenen Zeit nach Masar-e Scharif vorzudringen kein leichtes Unterfangen darstellt. Die zwölf US-Soldaten treffen im Gebirge auf General Dostum (Navid Negahban), einen schwierig einzuschätzenden Warlord, der ebenfalls gegen die Taliban vorgeht. Trotz eines etwas holprigen Starts zwischen Nelson und Dostum machen sich die US-Soldaten zusammen mit ihren neuen afghanischen Freunden auf den Weg und reiten auf Pferden über Stock und Stein, ständig mit der Angst, in einem Hinterhalt zu landen.

Der Krieg gegen die Taliban ist in modernen amerikanischen Kriegsfilmen kaum mehr wegzudenken. In typisch patriotischer Manier gibt Regisseur Nicolai Fuglsig nun auch dem 12-Mann-Trupp, der als erstes nach den Anschlägen vom 11. September in Afghanistan gegen die Taliban zurückschlug, einen eigenen Spielfilm. 12 Strong ist ein actiongeladener, wenn auch etwas abwechslungsarmer und schwungloser Kriegsfilm mit audiovisueller Durchschlagskraft.

Nach Lone Survivor und 13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi folgt nun 12 Strong; ein weiterer auf wahren Begebenheiten beruhender Kriegsfilm, der eine kleine Gruppe US-Soldaten als Helden feiert und ihre schwierige, ja schier unlösbare Aufgabe in den Fokus rückt. Produziert wurde das Hochglanz-Kriegsdrama unter anderem von Jerry Bruckheimer, der bereits bei Black Hawk Down seine Finger im Spiel hatte.

Ähnlichkeiten mit dem Somalia-Kriegsfilm sind denn auch nicht von der Hand zu weisen. Der von Newbie-Regisseur Nicolai Fuglsig inszenierte 12 Strong sieht blendend aus, besticht durch überzeugende Starpower, eine gehörige Portion Action und Humor. Leider ist der Film aber auch anstrengend patriotisch, in seiner Odyssee etwas schwunglos und mit über zwei Stunden deutlich zu lange geraten.

Der auf dem Buch «Horse Soldiers: The Extraordinary Story of a Band of US Soldiers Who Rode to Victory in Afghanistan» von Doug Stanton basierende Kriegsfilm hat mit Chris Hemsworth, Michael Shannon, Michael Peña, Elsa Pataky und William Fichtner einen geradezu umwerfenden Cast. Aber auch wenn Hemsworth als Thor im Marvel Comic Universe schon Kriegserfahrung gesammelt hat, braucht es eine Zeit, bis man mit dem Schönling als Captain Mitch Nelson warm wird und nicht ständig nach seinem Hammer Ausschau hält.

Shannon und Peña, die beide schon in Oliver Stones World Trade Center 9/11-Filmluft schnupperten, machen es uns dabei ein wenig leichter. Shannon gewohnt ernst und Peña stets mit dem lockeren Spruch auf Lager, sind sie die beiden Soldaten, die am meisten auffallen. Hemsworths Reallife-Ehefrau Elsa Pataky mimt auch in 12 Strong dessen Ehefrau, bleibt aber mit der unglücklichen Rolle der im Stich gelassenen Frau im Seitenaus.

Die Figurenzeichnung ist das grosse Problem dieses Kriegfilms. Die uniformierten Kampfmaschinen haben zwar mehrheitlich bekannte Gesichter und ab und zu auch was Interessantes zu sagen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen können sie aber trotzdem kaum. Der Fokus liegt mehr auf den Actionszenen, die allesamt toll aussehen und den Kinosaal zum Beben bringen. Die Reise der Soldaten nach Masar-e Scharif, die zwischendurch sogar etwas Westernfeeling aufkommen lässt, wird immer wieder von solchen topgestylten Szenen unterbrochen. Leider übertreibt es Fuglsig dabei ein bisschen, und Abwechslung wird daher nur wenig geboten. 12 Strong ist nicht schlecht, kann aber hauptsächlich in visueller Hinsicht überzeugen und bietet daher vor allem für harte Jungs und US-Army-Fans Blockbusterkino von der Stange.

/ yan