100 Dinge (2018)

100 Dinge (2018)

Oder: Geiz ist geil?

Schlafsack Man and Captain Coat

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Den beiden Jugendfreunden Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) gehört ein Start-up, in dem sie seit Jahren an einer App namens "NANA" arbeiten. Diese App verleiht jedem Smartphone eine individuelle Stimme und obendrauf auch noch Emotionen und Humor. Bei einer Präsentation ihrer Wunder-App kommt jedoch heraus, dass Toni seit mehreren Wochen Paul mit NANA manipuliert hat, damit dieser alle Dinge kauft, die ihm die App empfohlen hat. Weil das wunderbar funktioniert hat, will ein amerikanisches Tech-Genie sofort bei den Jungs einsteigen.

"Gentlemen, welcome to Fight Club"

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Zwar gibt es nun viel zu feiern, doch fühlt sich Paul natürlich betrogen. Betrunken will er Toni klar machen, dass er nicht komplett dem Konsum verfallen ist. Aus dieser Streiterei entsteht noch am selben Abend eine Wette: Toni und Paul müssen all ihren Besitz abgeben und dürfen während 100 Tagen nur einen Gegenstand pro Tag zurückholen. Wer zuerst einknickt, hat verloren. Und so kommt es, dass die beiden am anderen Morgen splitterfasernackt in ihren leeren Wohnungen aufwachen. Möge der Beste gewinnen...


Film-Rating

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer machen Konsumkritik in einer Tragikomödie. Das hat spannende und interessante Ansätze sowie einen herrlichen Beginn, wenn die Protagonisten bei 0 (aka nackt) anfangen müssen. Doch danach wird mit einer Lovestory und einer alten Oma zu viel Ballast auf diese spielerische Ausgangslage gepackt, sodass sich der Film dann nur noch über die vorhersehbare Ziellinie schleppt.


Die Ausgangslage von 100 Dinge ist nicht nur interessant, sondern auch - um es etwas salopp zu sagen - ziemlich geil. Wer würde denn ohne sein Hab und Gut den normalen Alltag zu bewältigen wissen? In einem schön gemachten Prolog wird zudem aufgezeigt, wie viele Dinge wir doch haben, während frühere Generationen wirklich nur das Nötigste besassen und glücklich schienen. Ist die Wette zwischen den beiden Protagonisten jedoch mal abgeschlossen und sind sie das erste Mal füdliblutt durch Berlin gerannt, beginnt es mit einer Lovestory und einer alten Oma je länger denn mehr mühsam zu werden.

So ist 100 Dinge nicht unbedingt die deutsche Standardkomödie, die auf unterstem Niveau unterhalten will (wir schauen dich an, Til Schweiger), sondern hat tatsächlich auch was über Konsum, das Zusammenleben, Vertrauen und Freundschaft zu sagen. Das wird zwar meistens in Szenen gemacht, die so wirken, als würden die Darsteller reihenweise Glückkeksverse aufsagen. Trotzdem funktioniert dieser Teil ganz ok.

Daraus entsteht aber auch ein recht schizophrener Film, der für eine Comedy zu ernst und für ein Drama zu oft lustig ist. Tragikomödie nennt sich das, wenn die beiden Genres sauber zusammenkommen, doch das tun sie hier nicht. Zu oft bremsen sich die unterschiedlichen Elemente aus und lassen so die 117 Minuten zwischendurch recht lang anfühlen.

An den Darstellern liegt das nicht. Schweighöfer und Fitz, letzterer war auch für das Drehbuch und die Regie verantwortlich, spielen ihre Parts solide und man nimmt ihnen ihre Charaktere ab. Das Problem nur: Beide scheinen recht wohlhabend zu sein und es scheint ihnen an nichts zu mangeln. Die 100 Tage ohne Konsumgüter öffnen ihnen zwar die Augen, doch den Zuschauern nicht das Herz. Wenn wir schon so zwei reiche Buben haben, dann sollte wenigstens einer richtig fies arschlochig sein, sodass der Humor garantiert ist und Schadenfreude vorherrschen kann. Doch es handelt sich hier um zwei ganz gute Jungs.

So hackt es denn eben auch grösstenteils auf der emotionalen Ebene. Die Lovestory lässt auch deshalb kalt. 100 Dinge ist deshalb letztendlich auch nur eine weitere deutsche Komödie, die zwar durchaus nett ist, aber kaum von Hocker haut. Wer den seichten Der geilste Tag schon toll fand, wird auch hier seine Freude haben.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

06.12.2018 / crs

Community:

Bewertung: 3.2 (3 Bewertungen)

 

 

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