Viceroy's House (2017)

Viceroy's House (2017)

Der Stern von Indien
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  3. 106 Minuten

Filmkritik: Ein Löffel für Indien, ein Teller für Pakistan

67. Internationale Filmfestspiele Berlin 2017
"...und jetzt alle Lächeln für das Panini-Album"
"...und jetzt alle Lächeln für das Panini-Album" © Pathé Films

1947 findet die britische Kolonialherrschaft in Indien langsam ihr Ende. Als letzter Vizekönig zieht Lord Mountbatten (Hugh Bonneville), Urenkel von Queen Victoria, in Viceroys House nach Delhi ein. Mit dabei sind seine Frau Lady Mountbatten (Gillian Anderson) und seine Tochter Pamela. Er soll den Übergang des Landes in die Unabhängigkeit überwachen. Bald kommt es jedoch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus, Sikhs und Muslimen und unweigerlich auch zwischen den Bediensteten des Palastes.

In diesen schwierigen Zeiten versucht Mountbatten, unterstützt von seiner klugen Ehefrau, all sein diplomatisches Geschick walten zu lassen, um eine Eskalation im Rahmen zu halten. In Frage gestellt ist dadurch auch die Liebe zwischen dem jungen Hindu Jeet (Manish Dayal) und der muslimischen Angestellten Aalia (Huma Qureshi), die sich noch aus früheren Zeiten kennen. Aalia ist längst verlobt, kümmert sich hingebungsvoll um ihren blinden Vater und entschliesst sich zur Sicherheit ihres Vaters für die pakistanische Seite. Die Trennung und die extremen Unruhen machen der ohnehin schwierigen Liebe sehr zu schaffen.

Regisseurin Gurinder Chadha beleuchtet in ihrem Historienfilm Viceroy's House die politischen Hintergründe der Aufteilung Indiens in das muslimische Pakistan und das säkulare Indien im Jahr 1947. Die tragischen Ereignisse werden zum am letzten britischen Vizekönig Lord Mountbatten sowie an einer Liebesgeschichte zweier Angestellten verdeutlicht. Ein über weite Strecken unterhaltsames, wenngleich auch nicht differenziertes Ergebnis zu einem brisanten politischen Thema.

1947 war in Indien eine Zeit der Unruhe, denn es herrschten harte Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Minderheiten einerseits und Hindus und Sikhs auf der anderen Seite. Muslimische Politiker setzten sich nach zähen Verhandlungen mit ihrer Forderung nach einem autonomen islamischen Staat im Nordwesten des Landes durch. Die neugeschaffene Indische Union wurde in zwei Nachfolgestaaten geteilt: die Indische Union und Pakistan. Das zug den Tod und die Vertreibung von Millionen von Menschen nach sich. Auch innerhalb des Palastes führte die politische Entscheidung zu Einschneidungen, denn das Personal sah sich vor die Wahl gestellt, zu welchem Land es in Zukunft gehören möchte. Auch das Inventar des Palastes musste aufgeteilt werden, Besteck und Gardinen wurden nach Ländern aufgeteilt.

Regisseurin Gurinder Chadha (Bend It Like Beckham), deren Familie einst selbst unmittelbar in die historischen Ereignisse verwickelt war, beleuchtet in Viceroy's House vor allem die historischen Hintergründe. Mit einem überzeugenden Dekor zeigt sie die Mountbattens als menschliche Wesen, die versuchen, aus ihrer Situation das Beste zu machen und sich dem indischen Volk so offen und zugänglich wie möglich zu zeigen. Deutlich wird das vor allem an der Frau und Tochter des Königs, die sich sehr für das Leben der Inder interessieren und nach Beginn der Unruhen ihr Möglichstes versuchen, um die Flüchtenden mit Nahrung zu versorgen.

Aber nicht nur die historischen Zusammenhänge stehen im Fokus des Films, sondern auch eine Liebesgeschichte zwischen zwei Angestellten, die dem Film einen kleinen Bollywood-Touch verleihen. So trifft in Viceroy's House ein Ausschnitt aus brisant historischem Weltgeschehen auf eine fast kitschige Lovestory, die den Film zwar auflockert, aber irgendwie auch seltsam mau daherkommt. In einem puren Bollywood-Film hätte die dünne und merklich vorhersehbare Romanze einen guten Platz gehabt, eingebettet in das politische Thema wirkt sie jedoch fast wie ein Lückenfüller.

Gurinder Chadha gelingt es aber, einen mainstreamtauglichen Film zu präsentieren, der sowohl Hintergründe und Konsequenz der politischen Entscheidung beleuchtet, als auch für humorvolle Passagen sorgt, und dem Thema seine Härte etwas nimmt. Eine hochkarätige Besetzung sorgt zudem dafür, dass die britisch-indische Produktion Zuschauer beider Nationen an dem Film Gefallen finden lässt.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

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Kommentare Total: 2

swo

Kommt nicht oft vor, aber in diesem Fall hat mich die Lovestory gestört. Lag wohl auch an der fehlenden Chemie zwischen den beiden Darstellern.

jst

Filmkritik: Ein Löffel für Indien, ein Teller für Pakistan

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