Twin Peaks: The Return (2017)

Twin Peaks: The Return (2017 / Serie)

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  2. 60 Minuten

Serien-Review: Got a light?

Laura, wo steckst du?
Laura, wo steckst du? © Studio / Produzent

Fünfundzwanzig Jahre sind nach den mysteriösen Geschehnissen in der US-Kleinstadt Twin Peaks vergangen. FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan), der am Schluss von Bob besessen war und seither in der Parallelwelt gefangen ist, sieht endlich eine Chance, durch den Red Room zurück in die Realität zu gelangen. Zur gleichen Zeit nehmen FBI-Director Gordon Cole (David Lynch) und FBI-Agent Albert Rosenfield (Miguel Ferrer) eine heisse Spur auf: Ein Mordfall in South Dakota weisst eine Verbindung zum Tod von Major Briggs auf. Für Cole ist dies die einzige Möglichkeit, zu erfahren, wo Cooper steckt und was mit ihm passiert ist.

Bang, Bang!
Bang, Bang! © Studio / Produzent

Dieser scheint aber jetzt in Form des Versicherungsbeamten Dougie Jones in Las Vegas zu wohnen. Er macht auf sich aufmerksam, als er im Casino der Mitchum-Brüder unwissentlich einen Millionen-Jackpot gewinnt. Selbst seine Frau Janey (Naomi Watts) merkt, dass etwas mit ihrem Mann nicht stimmen kann. Als ein weiterer Cooper-Doppelgänger auftaucht, der über Leichen geht, können Cole und Rosenfield dessen Fährte aufnehmen. Um sicher zu gehen, dass es sich hier nicht um den "echten" Cooper handelt, sehen sie sich gezwungen, Hilfe einer alten Bekannten zu holen.

Fans von Twin Peaks dürfen nach 25 Jahren aufatmen: Dale Cooper ist zurück! Kultregisseur David Lynch spinnt in der neuen Staffel das Geheimnis rund um die mysteriöse US-Kleinstadt dermassen grandios weiter, dass man im ersten Moment vor Entzücken und im nächsten vor lauter Stirnrunzeln laut Schreien möchte.

"I'll see you again in twenty-five years", versprach uns ein Wesen im Red Room, das wie Laura Palmer aussah, kurz vor Ende der zweiten Staffel von Twin Peaks. Und wer die symbolträchtige Erzählweise von David Lynch schon damals kannte, durfte sich keine allzu grossen Hoffnungen machen. Aber genau fünfundzwanzig Jahre nach dem kulturellen Impact der mysteriösen US-Kleinstadt mit ihren skurrilen Bewohnern kehrt Agent Dale Cooper zurück in den Red Room - und mit ihm die ganze Twin-Peaks-Sippe mitsamt ihren Geheimnissen.

Das US-Network Showtime hat den Traum von David Lynch und Co-Creator Mark Frost, der übrigens zwei detailträchtige Bücher über das Geheimnis von Twin Peaks herausgebracht hat, nach einigen Budget-Diskrepanzen doch noch ermöglicht: Der Surrealist und Meister des abstrakten Kinos darf seine Story von Twin Peaks in achtzehn Episoden "zu Ende" erzählen - absichtlich in Anführungszeichen, da es sowohl Showtime wie auch Lynch offen lassen, ob jetzt tatsächlich Schluss ist.

Neueinsteiger seien hier gerade vorgewarnt: Twin Peaks: The Return kann nur annähernd dann verstanden werden, wer die zwei ersten Staffeln plus Twin Peaks: Fire Walk With Me gesehen hat. Und selbst eingefleischte Lynchianer dürften sich an den neuen achtzehn Episoden die Zähne ausbeissen, denn wie bereits beim Auftakt der Serie revolutioniert das Team Lynch/Frost erneut die TV-Kultur und übertrifft sogar die höchsten Erwartungen. Diese Staffel schlägt dem Fass punkto Symbolik und Easter Eggs den Boden aus.

Wer also bereits zu Beginn stirnrunzelnd dasitzt, sollte sich einfach fallen lassen und sich Twin Peaks: The Return vollumfänglich hingeben. In dieser Welt erleben wir nicht nur ein Wiedersehen mit fast allen Charakteren, sondern entdecken neue Gesichter und deren Geheimnisse, welche die Magie dieser Serie ausmachen. Am Schluss bleibt ein Gefühl unbezahlbarer Dankbarkeit, dass ein solches Format und eine derart unkonventionelle Erzählweise noch existieren dürfen.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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