Tragedy Girls (2017)

Tragedy Girls (2017)

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  2. 90 Minuten

Filmkritik: Social Media Bitches: Bloodthirst

17. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2017
Auch Storm und Negasonic Teenage Warhead müssen die Schulbank drücken.
Auch Storm und Negasonic Teenage Warhead müssen die Schulbank drücken. © Studio / Produzent

Sadie (Brianna Hildebrand) und McKayla (Alexandra Shipp) sind beste Freundinnen. Die beiden Gymnasiastinnen führen zusammen einen Blog in den sozialen Medien namens "Tragedy Girls". Erfolglos versuchen die beiden, möglichst viele Likes und Followers zu ergattern. Doch sie bringen einfach nicht den richtigen Content an ihre Altersgenossen. "Was tun, um dies zu ändern?", fragen sich die zwei und hecken einen teuflischen Plan aus.

Sie kidnappen einen Serienmörder, halten diesen in ihrem Keller fest und foltern diesen so lange, bis er ihnen sein Berufsgeheimnis verrät. Davon inspiriert, beschliessen Sadie und McKay, ihren eigenen Inhalt zu generieren und an die Jugendlichen zu bringen, um so an die begehrte soziale Anerkennung zu kommen. Unterstützt werden die zwei von Sadies Kollegen Jordan Welch (Jack Quaid), welcher sich um die technischen Aspekte des Blogs kümmert. Die beiden Girls verfolgen ambitioniert ihr Ziel und gehen dafür wortwörtlich über Leichen.

Wer auf klassische Splatterfilme steht, bei welchen es hauptsächlich darum geht, so viel Blut wie möglich zu vergiessen, dürfte an Tragedy Girls Gefallen finden. Hier bekommt der Zuschauer die volle Kost geboten, was abgetrennte Köpfe und Blutfontänen angeht. Witzig ist der Film von Tyler Macintyre nur teilweise. Mindestens so oft wie schallendes Gelächter ausbricht, möchte man den Kopf gegen eine Wand schlagen. Alles in allem bietet der Film zu wenig, um in die Liga der Splatter-Klassiker aufzusteigen. Der Soundtrack passt, die Story bleibt jedoch schal.

Wieder und wieder tauchen in den letzten Jahren die sozialen Medien im Medium Film auf. Kein Wunder, sind doch Twitter, Facebook und Co. aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. So macht sich auch Tragedy Girls diese neuen Medien zum Thema. Oder müsste man das Werk von Tyler Macintyre (Patchwork) gar als Satire ansehen? Auf jeden Fall nimmt er sich der immer häufiger behandelten Thematik des Mädchens an, das sich gar nichts mehr sagen lässt.

War da nicht erst gerade was in diese Richtung? Genau, Tiger Girl befasste sich mit Anarcho-Mädchen. Die Protagonistinnen hier sind zudem ganz versessen auf sozial-mediale Anerkennung, sprich: einfach like-geil. Ein weit verbreitetes Phänomen. Das Problem an solchen Filmen: Die Charaktere sind meist so überzeichnet, dass sie bald nur noch nerven. So auch geschehen in Tragedy Girls, wenn die beiden Mädchen sich so menschenverachtend verhalten wie nur möglich, dass der Zuschauer sich am Ende sogar deren Ableben zu wünschen beginnt.

Immerhin ziehen es die beiden Hauptdarstellerinnen mit ihrer Misanthropie konsequent bis zum Schluss durch. Lässt man die Charaktere bei Seite, bleibt eine vorhersehbare Story mit nervtötendem Ende und vor allem eines: allerblutigster Splatter! Holy Mother of Christ, was hier gezeigt wird, kann locker mit klassischen Genrebeiträgen mithalten. Hier werden Schädel mit Kreissägen durchtrennt oder von herabfallenden Langhantelstangen zertrümmert. Der rote Lebenssaft spritzt nur noch so in der Gegend herum und auch auf die Kamera. Zur Belustigung des Zuschauers hält diese immer volle Kanone drauf. Hier kann Macintyre wieder punkten. Ebenso sind einige Jokes wirklich gelungen und machen beim Zuschauen Laune.

Eine kurze animierte Szene sowie einige toll inszenierte Kamerafahrten werten die durchzogene Storyline auf. Ob es als sinnvoll angesehen werden darf, Egozentrik und Narzissmus in einem solch positiven Licht zu präsentieren oder gar zu verherrlichen, darüber kann man sich streiten. Falls es eine Satire sein soll, fehlt aber das realitätsbezogene Element, welches sie als solche zu erkennen gibt. Im Prinzip ist Tragedy Girls eine Mischung aus Tiger Girl und Carrie mit je einem Schuss The Purge und The Bling Ring.

Ohne die heftigen Splatterelemente, die stilsicheren Witze und vor allem den poppigen, aber sorgfältig ausgewählten Soundtrack wäre Tragedy Girls nur schwer erträglich. So unterhält er immerhin, mehr aber nicht.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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