The Other Side of Hope - Toivon tuolla puolen (2017)

The Other Side of Hope - Toivon tuolla puolen (2017)

Die andere Seite der Hoffnung
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  3. 100 Minuten

Filmkritik: Die finnische Auffassung von Flüchtlingspolitik

67. Internationale Filmfestspiele Berlin 2017
Asyl zu erhalten in Finnland ist nicht einfach
Asyl zu erhalten in Finnland ist nicht einfach © filmcoopi

Khaled (Sherwan Haji) ist ein syrischer Flüchtling, welcher nach einigen Stationen in Europa schlussendlich als blinder Passagier auf einem Kohletransporter in Finnland landet. Dort beschliesst er, Asyl zu beantragen. Aufgrund der scheinbar politisch sicheren Situation in Syrien wird ihm das Asyl aber nicht gewährt und er soll abgeschoben werden, obwohl in Aleppo ein heftiger Krieg wütet. Khaleb macht sich am Tag der Ausschaffung aus dem Staub, lebt fortan auf den Strassen Helsinkis. Er muss am eigenen Leib Rassismus erfahren, erlebt aber auch die Freundlichkeit von Strassenmusikern und Passanten.

Eine etwas seltsame Arbeitsgemeinschaft
Eine etwas seltsame Arbeitsgemeinschaft © filmcoopi

Wikström (Sakari Kuosmanen) ist Hemden-Vertreter, der den Alltagstrott seines Lebens dermassen satt hat, dass er beschliesst, Diverses zu verändern: Er trennt sich von seiner Frau, zieht aus, verkauft sein Lager mit Hemden und kauft sich mit dem - beim Glücksspiel vervielfachten - Geld ein schäbiges Lokal im hintersten Winkel Helsinkis. Eines Tages findet er Khaled hinter der Mülltonne im Hinterhof seines Restaurants und bietet ihm sowohl einen Job als auch einen Platz zum Schlafen an. Und so arbeitet Khaled für Wikström.

Skandinavien produziert eine eigensinnige Art von Komödien, wie sie nur im kalten Norden hergestellt werden können. The Other Side Of Hope von Aki Kaurismäki greift politische Streitthemen auf und nimmt diese gekonnt auf in einer Komödie, ohne sich darüber lustig zu machen. Ansprechend inszeniert und gut gespielt, unterhält der Film auf einem angemessenen Niveau.

Ein bluesig-folkrockiger Soundtrack begleitet den Film, dazu gesellt sich etwas finnischer Tango. Dazu noch etwas traditionell syrisch gespielte Saz - eine orientalische Gitarre -, perfekt ist der Score der Multikulti-Komödie The Other Side Of Hope. Die Thematik ist aktueller denn je, es geht um die Flucht aus Krisengebieten und Kriegen. "Refugees welcome" heisst es vielerorts, doch genauso viel Hass schlägt den Geflüchteten entgegen. Trotz des anhaltenden Krieges werden sie zurückgeschickt in Länder, in welchen ein normaler Alltag undenkbar ist.

Hier sehen wir jedoch eine Komödie, welche leicht und locker mit dem Thema umgeht. Ein trockener, schwarzer Humor, welcher typisch skandinavisch daherkommt, sorgt für viele lustige Filmmomente. Wenn ein finnisches Restaurant innert weniger Stunden zum Sushi-Lokal inklusive Kimonos für die Angestellten und Sushi-Zubereitung mit Hilfe von Kochbüchern wird, wirkt dies urkomisch.

Solche Momente gibt es zuhauf, dabei geht aber die tragische Komponente nie unter. Dass dabei etwas gar viel Klischees bedient werden, war zu erwarten. Es gelingt beinahe alles auf Anhieb, die Story macht es den Hauptakteuren nicht schwer, ihre Ziele zu erreichen: Sowohl die Flucht vor der Ausschaffungsbehörde gelingt, ein Job ist auch gleich gefunden und die Rückholaktion der Schwester des Syriers Khaleed erfolgt ohne Probleme. Hier macht es sich der Film etwas leicht.

Mit wenig, aber sinnvollem Dialog wird das Wesentliche gesagt. es braucht nicht immer Unmengen an Gespräch, um der Handlung folgen zu können. Manchmal ist die Ruhe, gepaart mit toller Mimik und Gestik der Akteure, ein Stilmittel, welches ebenso viel zu erzählen weiss.

Dass zwei unterschiedliche Handlungsstränge simultan ablaufen und erst relativ spät zusammengeführt werden, gibt den Charakteren genügend Zeit und Raum, um sich richtig zu entwickeln, was ihnen entgegenkommt. Alles in allem ist The Other Side Of Hope eine unterhaltsame Komödie mit ordentlichem Acting und feinem schwarzen Humor vor einem tragischen Hintergrund. Dazu wird ein politisches Statement gesetzt, ein Seitenhieb in Richtung (nicht nur) finnischer Behörden.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:56