Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017)

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017)

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  3. 115 Minuten

Filmkritik: Wut erzeugt grösseren Zorn

74. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2017
So stand es geschrieben
So stand es geschrieben © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Mildred Hayes (Frances McDormand) hat ihre Tochter durch eine Vergewaltigung verloren. Weil ihrer Meinung nach die lokale Polizei zu wenig zur Aufklärung des Verbrechens beiträgt, mietet sie drei grosse Plakatwände im Ortseingang von Ebbing, um Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) zu provozieren. Mildred fragt darauf öffentlich, warum noch niemand verhaftet wurde und doppelt in die Fernsehkameras nach, dass Willoughbys Männer lieber Schwarze verprügeln, als den Mörder zu finden. Die Cops sind nicht erfreut. Und auch Mildreds Sohn findet die Eskapaden seiner Mutter nervig.

Gereiztes Gireitzen
Gereiztes Gireitzen © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

In der Tat ist die Situation zwischen den Rassen im Kaff angespannt, weil Officer Dixon (Sam Rockwell) im Jähzorn die Fäuste gegen Schwarze sprechen liess. Willoughby versucht jedoch die Sache im persönlichen Gespräch mit der wütenden Mutter zu klären. Auch der Pfarrer teilt ihr mit, dass die Gemeinde nicht hinter der Plakat-Aktion stehe. Doch Mildred lässt sich nicht besänftigen. Als ein anonymer Spender die nächste fällige Monatsrate von 5000 Dollar für die Billboards zahlt, bleibt ihre Botschaft vorerst sichtbar.

Sein eigenes grossartiges Drehbuch verfilmend, meldet sich Martin McDonagh knapp zehn Jahre nach In Bruges mit einer erneuten Meisterleistung zurück. Eine durchs Band grossartige Mimen-Truppe spielt kleine Leute, die den grossen Dramen des Lebens Herr werden wollen. Mit Witz und Emotionalität muss sich die Mittelschicht im Midwesten der USA dem Fremden und dem Schlimmen stellen. Der schwache Seven Psychopaths sei McDonagh verziehen. Und Frances McDormand ist schlicht überragend.

Es hat etwas gedauert, bis sich der gefeierte Theater-Regisseur Martin McDonagh wieder zu einem Film bequemen konnte. Wurde er bei seinen beiden früheren Filmen In Bruges und Seven Psychopaths noch angefeindet, weil er für Frauen keine wichtigen Rollen schreiben wollte, hat er mit der von Frances McDormand gespielten Mildred Hayes dieses Manko nun behoben. Und wie!

In ihrer besten Rolle seit Fargo darf die Amerikanerin Zornzeilen durch gepresste Lippen zischen, dass es ein Freude ist. "Raped While Dying; And Still No Arrests; How Come, Chief Willoughby?" In schwarzen Lettern auf rotem Grund ist die Botschaft auf den drei Plakatwänden, die sie aufstellen lässt, unmissverständlich. Wie ein unnachgiebiger Westernheld macht sie ihrem Dorf Beine und kämpft einsam für Gerechtigkeit. Dabei ist sie selber nicht ganz frei von Schuld, und ihre Wut wirkt dank Rückblenden auch sehr verletzlich.

Ihr gegenüber agiert der unverwüstliche Woody Harrelson als Sheriff, der alle im Kopf des Genre-Kenners gespeicherten Andeutungen eines grobschlächtigen Redneck-Cops ziemlich schnell auf den Kopf stellt und als grundgütiger Familien-Mensch die Sympathien nicht nur im Dorf Ebbing auf seiner Seite hat. Sein Leidensweg im Film ist emotional äusserst aufwühlend. Die noch beeindruckenderen Entwicklungsschritte nimmt aber Sam Rockwell als Officer Dixon. Er ist ein Doof-Polizist, dessen Aktionen von einem so tiefem IQ gesteuert sind, der auch den Blick auf ein grosses Herz verdeckt. Ein Rassist zum Knuddeln - quasi. Wenn's denn so etwas geben würde...

McDonaghs Drehbuch der Sonderklasse stattet die Figuren bis in die kleinen Nebenrollen immer wieder mit menschlichen Zügen aus, die sie greifbar machen. In Three Billboards... haben auch die Schauspieler aus der zweiten und dritten Reihe ihren Anteil am Gelingen der Geschichte - von 19-jährigen Bimbos, die Polio mit Polo verwechseln, bis zum unverstandenen Sohn, dem der feuchte Puffreis an die Stirn fliegt, wenn er der Mutter blöd kommt.

Nie weiss man in diesem durchdachten Ausflug in ein Kaff in Mid-West, wie's weitergeht. Auf den ersten Blick bekämpft die Middle Class das Fremde. Dunkler Dialogwitz entschärft ihr Gebaren aber. Es sind einfache Leute, die hinter ihren Entscheidungen stehen möchten und manchmal scheitern, manchmal weiterkommen. Durchs Band genial besetzt, ist Three Billboards... ein kleines Meisterwerk. Das Warten auf McDonaghs neuen Film hat sich gelohnt!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 6

philm

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So GEWALT(ät)IG
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dass einem manchmal der ATEM STOCKT
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und das LACHEN STECKEN BLEIBT
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Conor

Die Geschichte der USA und alle aktuellen Themen werden in der Kleinstadt Ebbing gelebt und gelitten, umgesetzt durch einen irischen Regisseur und fantastisch gespielt durch einen perfekt besetzten Cast.

andycolette

Mega super unglaublich was da 2 stundenlange abgeht !! Wahnsinns Schauspieler und Machart !! Und super Soundtrack schon bei den golden globes 4 Preise!! Der Film erinnert an Manchester by the sea auch in diesem Film weiss man nie was kommt !!! Absolut Hammer!!

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