Suburbicon (2017)

Suburbicon (2017)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Früher war alles besser - nicht

74. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2017
Back to the 50s
Back to the 50s © Ascot Elite

In der beschaulichen Gemeinde Suburbicon leben die Anwohner den amerikanischen Traum der Fünfzigerjahre. Die Vorgärten sind gepflegt, die Nachbarn freundlich und der Postbote kennt jeden beim Namen. Dies ändert sich schlagartig, als die erste afroamerikanische Familie, die Meyers, in die harmonische Gemeinde einzieht. Auf einmal fühlen sich die Anwohner nicht mehr sicher. Lediglich der Junge Nicky Lodge (Noah Jupe) traut sich, den neuen Nachbarsjungen (Tony Espinosa) anzusprechen.

Jetzt wird Klartext geredet
Jetzt wird Klartext geredet © Ascot Elite

Doch Nickys eigenes Leben gerät aus den Fugen, als nachts zwei Einbrecher in das Haus der Lodges eindringen und die Familie als Geiseln nehmen. Vater Gardner (Matt Damon), Tante Margaret (Julianne Moore) und Nicky kommen mit dem Schrecken davon, aber Nickys Mutter Rose (ebenfalls Moore) stirbt, nachdem sie zu viel Chloroform eingeatmet hat. Gardners und Margaretes Trauer ist jedoch von kurzer Dauer, und Nicky erkennt schnell, dass sein Vater und seine Tante mehr über die Identität der Einbrecher wissen, als sie zugeben wollen ...

In seiner neusten Regiearbeit verknüpft George Clooney ein Skript der Gebrüder Coen mit einem wahren Ereignis, das sich 1957 in Pennsylvania zutrug. Da die Geschichten nebeneinander herlaufen, fühlt es sich zuweilen so an, als würde man zwei unterschiedliche Filme schauen. Nichtsdestotrotz ist Suburbicon schon allein sehenswert wegen der schrägen Figuren und absurden Handlung, wie sie nur aus der Feder der Coens stammen können.

Suburbicon basiert auf einem älteren Skript der Gebrüder Coen, das sie Ende der Neunziger selbst verfilmen wollten - mit George Clooney in einer der Hauptrollen. Clooney erinnerte sich an den Stoff, als er für seinen neuen Film über einen Vorfall recherchierte, der sich 1957 in Levittown, Pennsylvania, zutrug. Damals zog die afroamerikanische Familie Meyers in eine bis dahin ausschliesslich von Weissen besiedelte Gemeinde und wurde daraufhin von den neuen Nachbarn bedroht und terrorisiert. In Suburbicon verknüpft Clooney dieses wahre Ereignis mit dem Coen-Plot rund um die Familie Gardner und deren zwielichtige Machenschaften.

Dass zwei unabhängige Geschichten mit unterschiedlicher Tonalität zu einer zusammengefügt wurden, ist dem Film anzumerken. Zum einen sind da die täglichen rassistischen und gewaltsamen Anfeindungen, denen Familie Meyers ausgesetzt ist. Parallel dazu existiert der zentrale Handlungsstrang rund um Nicky und seine durchgeknallte Familie, die einigen Dreck am Stecken hat. Beide Geschichten laufen unabhängig voneinander nebeneinander her. Die Idee ist clever, und diese Spaltung könnte die politische Stimmung in den USA damals wie auch heute nicht besser wiedergeben. Allerdings birgt diese Herangehensweise einige Tücken, da die Zuschauer gedanklich und emotional immer wieder zwischen den beiden Strängen hin- und herspringen müssen.

Auch tonal schwenkt der Film oft von einem Extrem ins andere. Beginnt Suburbicon mit einer Parodie eines Werbefilms der Fünfziger, folgt direkt darauf die düstere Szene, in der die Kriminellen in das Haus der Lodges eindringen und die Familie bedrohen. Auch der Soundtrack wechselt immer wieder zwischen fröhlich leicht und schwer bedrohlich. Wie Nicky werden die Zuschauer aus dem Idyll in die dunklen Abgründe geworfen, die sich hinter den hübschen Häuserwänden der Suburbicon-Gemeinde verbergen. Dies verwirrt zu Beginn, hat aber mit Blick auf die Botschaft, die in Suburbicon vermittelt werden soll, durchaus seine Berechtigung. In den Fünfzigern mag das Leben einfacher und harmonischer gewesen sein. Aber nur an der Oberfläche und lediglich für einen Teil der Gesellschaft.

Trotz Clooneys sozialkritischer Herangehensweise ist die Handschrift der Coens aber noch deutlich aus Suburbicon herauszulesen. Da ist zum einen die Ansammlung eigenartiger Pechvögel, die immer wieder die falschen Entscheidungen treffen, wie die Zuschauer es schon aus Fargo und Burn after reading kennen. Hinzu kommen die schräge Komik und die absurden Wendungen, die den Film sehenswert machen.

Zwar bleiben einige Figuren flach, aber Matt Damon zeigt sich als scheinbarer Vorzeigevater mit dunklem Geheimnis von einer neuen Seite, und Julianne Moore sorgt als einfaches Vorstadtweib, das einen dummen Fehler nach dem anderen begeht, für reichlich Lacher. Zu guter Letzt trägt Oscar Isaac als gewitzter Versicherungsermittler, der den Lodges auf den Zahn fühlt, zu den lustigsten Szenen des Films bei. So ist Suburbicon insgesamt vielleicht nicht Clooneys beste Arbeit, aber wenigstens macht sie Spass.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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Kommentare Total: 2

Conor

Suburbicon sieht aus wie George Clooney in einer Coen Komödie: Gutaussehend, leicht debil aber immer souverän. Ich mag weder den Humor der Coen's, noch den verkopften Anspruch Clooney's, noch die Ästhetik Tim Burton's, in der Kombination mit der richtigen Dosierung funktioniert's.

swo

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