The Shape of Water (2017)

The Shape of Water (2017)

Shape of Water - Das Flüstern des Wassers
  1. , ,
  2. 123 Minuten

Filmkritik: Romantic Aquaman

74. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2017
Sie steht auf Eier.
Sie steht auf Eier.

Baltimore, 1962; Es herrscht der Kalte Krieg. Die einsame und stumme Eliza (Sally Hawkins) arbeitet als Putzkraft in einem geheimen Regierungslabor, wo sie eines Tages mit ihrer Arbeitskollegin Zelda (Octavia Spencer) der Lieferung einer merkwürdigen Kreatur beiwohnen. In einem riesigen Wassertank wird ein Amphibien-Mann (Doug Jones) gefangen gehalten. Verantwortlich für die Gefangenschaft ist der bösartige Sicherheitschef Strickland (Michael Shannon), der das vermeintliche Monster im Amazonasgebiet geschnappt hat und nun für militärische Zwecke nutzen will.

Heb jetzt mal Pfrässi, i be am telefoniere!
Heb jetzt mal Pfrässi, i be am telefoniere!

Trotz Warnungen und ersten Verletzten durch das geheimnisvolle Wasserwesen ist Eliza neugierig und glaubt nicht an dessen Boshaftigkeit. Immer wieder sucht sie den Wassermann heimlich auf und es entsteht eine beidseitige Sympathie und Freundschaft. Eliza kommuniziert mit Zeichensprache, die sie dem Amphibien-Mann beibringt, sie hören gemeinsam Musik und essen zusammen gekochte Eier. Als Strickland aber vom General den Auftrag erhält, das Wesen zu töten, sieht sich Eliza gezwungen, alles aufs Spiel zu setzen. Zusammen mit ihrem befreundeten Nachbarn (Richard Jenkins) bricht sie in das Labor ein, um den Wassermann zu befreien.

Elf Jahre ist es her, seit Regisseur Guillermo del Toro die Zuschauer mit Mädchenaugen vom spanischen Bürgerkrieg in die beängstigend-bezaubernden Wälder von Pan schickte. Ähnlich fantastisch inszeniert und hervorragend gespielt wie dazumal Pan's Labyrinth ist del Toros neuster Film The Shape of Water. Ein romantisches und sanftes Märchen, eine einfache Geschichte mit grandiosen Figuren, die von jedem einzelnen Schauspieler überzeugend verkörpert wurden. The Shape of Water verbindet Übernatürliches mit einer Liebesgeschichte zur Zeit des Kalten Krieges und lässt dabei jedes Herz erglühen.

Der mexikanische Ausnahmeregisseur Guillermo del Toro lässt nach seinem Monster-Basher Pacific Rim und der enttäuschenden Gothic-Horror-Romanze Crimson Peak seiner märchenhaften Fantasie erneut freien Lauf und inszeniert mit The Shape of Water die langersehnte Antwort auf sein Meisterwerk Pan's Labyrinth. Fantasie- und geheimnisvoll in Szene gesetzt und mit einem packenden realen Hintergrund, hat er ein romantisches und sanft-erotisches Märchen erschaffen, das eine einfache Geschichte über eine verbotene Liebe erzählt.

Wer del Toros Werke kennt, weiss, dass der Regisseur oft mit Special Effects spielt und es auch gerne einmal übertreibt. Bei The Shape of Water gilt für einmal "weniger ist mehr". Die Hauptfigur ist stumm, die übernatürlichen Elemente halten sich in Grenzen, die Settings sind trist und weniger farbenfroh als gewohnt. Die herzerwärmende und zwischendurch knisternd-erotische Lovestory wird bis auf das übernatürliche Wesen grundsätzlich einfach gehalten und der Zuschauer durchlebt die typischen "Verbotene-Liebe-Mechanismen", die an die Schöne und das Biest erinnern. Dies passt aber alles hervorragend zusammen und ergibt ein Ganzes, das die Zuschauer völlig verzaubert.

Ein weiterer Trumpf ist die Besetzung. Die wunderbare Sally Hawkins (Blue Jasmine) zeigt als Eliza die beste Performance ihrer Karriere - und dies, ohne ihre Stimme zu gebrauchen. Michael Shannon (Take Shelter) haucht als menschliches Monster Strickland einem der gemeinsten Bösewichten der letzten Jahre Leben ein. Die Nebenrollen, verkörpert von Octavia Spencer (The Help), Richard Jenkins (Cabin in the Woods) und Michael Stuhlbarg (Boardwalk Empire) trugen ebenso ihren Teil bei und keine der Figuren fällt ab. Der vermeintliche Held des Filmes, der Amphibien/Wasser-Mann, wird von Doug Jones gespielt, der schon in einigen Horrorfilmen (Ouija: Origin of Evil, Absentia, Raze) für erschreckende Momente sorgte und auch bei del Toros letzten Filmen mit an Bord war.

The Shape of Water fehlt es an nichts, und wer mit dem ungewöhnlichen Liebespaar und etwas Fantasy klarkommt, bekommt einen der schönsten Filme des Jahres geboten.

/ yan

Kommentare Total: 5

fri

Gut und irgendwie seltsam zugleich und ein bisschen verstörend.

crs

@philm: Gesehen hat Kollege yan den Film am letztjährigen Venedig-Filmfestival. Die Kritik ging am 2. September 2017 online ;-)

philm

Zuviel "Amelié" und Anlaufen bis ich mit dem Film warm wurde. An "Pan's Labyrinth" kommt er nicht annähernd ran.Die schauspielerischen Leistungen, Dialoge, Bilder sind "fantasyastisch". Vielleicht liegt es einfach am Handlungsstrang. Man wird die Geschichte rasch vergessen. Und bzgl. "bekommt einen der schönsten Filme des Jahres geboten": Das Jahr ist noch jung ;-)

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