Paradox - Sha po lang: taam long (2017)

Paradox - Sha po lang: taam long (2017)

  1. 101 Minuten

Filmkritik: Hongkongs "Taken"

14. Zurich Film Festival 2018
Jetzt aber tifig!
Jetzt aber tifig!

Lee Chung Chi (Louis Koo) ist ein gestandener Polizist in Hongkong. Tochter Wing (Hanna Chan) ist nach dem Tod seiner Frau sein Ein und Alles. So überreagiert er auch, als er ihren Freund zum ersten Mal kennenlernt. Als sein Töchterchen dann allein nach Thailand reist, hat er ein ungutes Gefühl. Kurz darauf kriegt er den Anruf: Seine Tochter wurde entführt.

...uuund Schnitt!
...uuund Schnitt!

Sogleich reist er nach Pattaya, wo er auf die Polizisten Tak (Tony Jaa) und Chui Kit (Yue Wu) trifft. Mit ihnen beginnt er zusammenzuarbeiten und merkt, dass nicht alle Beamten sauber sind. Nach einigen Hinweisen findet die Gruppe heraus, dass Chungs Tochter in die Hände eines Organschmuggelrings gefallen ist. Angeführt wird dieser vom Amerikaner Sacha (Chris Collins), der bald Besuch der Polizisten kriegen soll.

Paradox erzählt grundsätzlich eine spannende Geschichte mit interessanten Schauplätzen, leidet aber unter den zu zügigen Genreshifts und den teils lächerlich überzeichneten Charakteren. Somit ist es schade, dass die tollen Kampfsequenzen mit einem klasse aufspielenden Tony Jaa in einem "nur" passablen Thriller etwas untergehen.

Paradox markiert den dritten Teil in der lediglich thematisch lose zusammenhängenden Sha Po Lang-Trilogie. Regie führt zum zweiten Mal nach dem Original Wilson Yip, der bei den ersten drei Ip Man-Filmen die Fäden zog. Allerdings wird diesmal nicht ein Martial-Arts-Star wie Donnie Yen oder Tony Jaa in den Vordergrund gestellt, sondern mit Louis Koo ein Dramaschauspieler. So verschiebt sich der Fokus auch etwas weg von der Action und hin zum (Melo-)Drama.

Der leichte Genreshift gelingt Paradox jedoch nicht so richtig. Die Sprünge zwischen überzeichneten, superhelden-esken Kampfsequenzen zum tränenprovozierenden Melodrama sind zu plötzlich, lassen die Zuschauer dadurch eher etwas verwirrt zurück. Dabei wären beide Parts an sich nicht schlecht umgesetzt. Die Darsteller, allen voran Hauptdarsteller Louis Koo, überzeugen in den dramatischen Szenen - auch wenn's stellenweise etwas gar überzeichnet wirkt.

Auf der anderen Seite stehen die Actionszenen, die zwar rarer sind als noch im Vorgänger, aber nicht weniger unterhalten. Tony Jaa und Yue Wu, zwei grossartige Martial-Arts-Kämpfer, sind Biester, und der Puls steigt rasant, wenn die beiden im Bild erscheinen. Umso bedauerlicher ist es, dass vor allem Tony Jaa zu wenig Screentime kriegt, hat er doch in der Mitte des Films die wohl beste (Kampf-)Szene. Der in Martial Arts ungeübte Louis Koo wirkt in seinen Kampfszenen dagegen entsprechend blass und benötigt merklich mehr Schnitte, was in diesem Kontext einfach auffällt.

Grundsätzlich funktioniert auch die Geschichte um den Organhändelring in Thailands Untergrund. Sie ist gut inszeniert und führt die Figuren an einige spannende Orte, sei dies nun ein dichtbewohntes Wohnhaus, ein Rotlichtviertel oder ein Sumpfgebiet. Jedoch wirkt sie stellenweise ungreifbar. Dies einerseits aufgrund der Sprachbarriere, andererseits wegen der erwähnt schnell wechselnden Genres und der dabei völlig überzeichneten Figuren.

Chris Collins, ein Unbekannter in der Filmwelt, mimt den Schurken Sacha, der direkt einem Comicheft entflohen sein könnte. Während des finalen, erstaunlich blutigen und vor allem ernsten Showdowns in einem Fabrikgebäude fährt er auf einem dreiradähnlichen Gefährt pfeifend und lallend durch die Halle. Auch der lokale Polizeichef mit den kurzgeschorenen Haaren und dem dünnen Schnurrbart könnte cartooniger nicht sein. Somit ist es schade, dass die tollen Kampfsequenzen in einem "nur" passablen Thriller etwas untergehen.

/ nna