Le sens de la fête (2017)

Le sens de la fête (2017)

C'est la vie - Das Leben ist ein Fest
  1. , ,
  2. 117 Minuten

Filmkritik: Eine Hochzeit und vier Krisenfälle

13. Zurich Film Festival 2017
Aaaah, l'amour!
Aaaah, l'amour!

Wer schon mal Trauzeuge war, wird mit Max (Jean-Pierre Bacri) fühlen. Jetzt steht das Paar schon wieder da und streicht das Budget zusammen. Wie soll er da als Hochzeitsplaner nur vernünftig arbeiten können? Wie, mehr Kreativität verlangt es von ihm? «Na», sagt er sich, «denen gebe ich mal Kreativität.» Kurze Zeit später eilen die jungen Brautleute davon, und er fasst sich an den Kopf. Vielleicht war das etwas zu viel der Kreativität. Wie auch immer, der Fokus gilt nun der abendlichen Fete. Dort soll es an nichts fehlen.

Allzeit bereit! ...oder?
Allzeit bereit! ...oder?

Auf einem alten Schloss will Pierre (Benjamin Lavernhe) heiraten, und dabei soll bitteschön alles ganz genau nach seinen Vorstellungen laufen. Kein Problem eigentlich, doch vor Ort sieht das etwas anders aus. Seine Teamleiterin Adèle (Eye Haidara) ist wild wie eine Furie, der falsche Sänger ist vor Ort und einer seiner Mitarbeiter entdeckt in der Braut seine Jugendliebe. Als wäre dies nicht genug, hat Max zu allem Übel unabsichtlich einen Mitarbeiter entlassen, dessen Ersatz das Wort «Service» nicht mal buchstabieren kann. Wie auch immer. Les jeux sont faits. Alles auf Start!

Le sens de la fête ist unumstritten ein Komödien-Highlight und der nächste grosse Wurf des französischen Intouchables-Regie-Duos Nakache & Toledano. Von Beginn an wird eine hohe Pace angeschlagen, die mit schnellem Schnitt, charmevollen Figuren und einer grossen Portion Wortwitz bis zum Schluss gehalten wird. In kurzer Zeit wird sehr viel Grundlage für eine hohe Pointendichte geschaffen, deren Ergebnis eine furiose Komödie ist. Das Ganze kann aufgrund der Länge etwas anstrengend werden, die man aber noch so gerne in Kauf nimmt.

Mit einem Feuerwerk an Pointen steigt man in den Film ein, der damit unmissverständlich vorgibt, was in den nächsten gut zwei Stunden folgen soll: rasiermesserscharfe Worte, atemraubendes Tempo und ein Heidenspass. Im Unterschied zu vielen anderen Komödien hat diese mit ihrer Exposition das Pulver nicht verschossen, sondern sich erst auf Betriebstemperatur eingestellt.

Das gewählte Setting spielt ihr subtil in die Hand. Bei einem gigantischen Hochzeitsfest, ja, da muss gerade hinter den Kulissen alles wie geschmiert laufen. Dort, wo ein Gewusel herrscht wie in einem Ameisenhaufen, ist das Pannenrisiko aber freilich hoch. Nur, wenn man einer Ameise ein Hindernis in den Weg legt, weiss sie sich zu helfen. Und dummerweise sind Menschen nun mal keine Ameisen. Jetzt, wo es darum geht, die menschlichen Macken und Mängel gegeneinander auszuspielen, schöpft Le sens de la fête aus dem Vollen.

Ausgerüstet mit der Hauptwaffe der ironischen Rede schickt die Komödie ihre Protagonisten ins Rennen, und die wissen, wie man sie zielsicher abfeuert. Sei es nun der gutmütige Chef Max (ein grandios aufspielender Jean-Pierre Bacri) über den Fotografen-Taugenichts und Hobby-Casanova Guy (Jean-Paul Rouve), die heissblütige Adèle als Paradebeispiel französischer Streitkultur, der snobig-schnoddrige Bräutigam Pierre oder der ewige «Zweite Wahl»-Entertainer James (Gilles Lellouche) - man trifft an allen Ecken auf einen Charakterkopf, dem sofort Leben eingehaucht wird.

Es entfaltet sich die Lust am Streit, eine Hassliebe aller für alle, die sich zunehmend verdichtet. Die Schauplätze wechseln schnell, Birdman-eske Drum-Solos erzeugen zusätzlich Hektik, die Figuren werden schonungslos zappeln gelassen. Wie schon bei Intouchables werden sie aber nie ins Lächerliche gezogen, sondern stets mit viel Liebe behandelt. Und wie schon bei ihrem Vorgängerwerk lassen es Olivier Nakache und Eric Toledano nur selten zu, dass Pointen vorweggenommen werden.

Le sens de la fête ist eine brillante Komödie, die ihrem Genre vollumfänglich gerecht wird. Sie bereitet insbesondere auf Französisch einen grossen Spass, hat aber im Gegensatz zu anderen Komödien (zum Beispiel den Cht'is) den Vorteil, dass sie auch auf Deutsch «verhebet». Braveau!

/ arx