Sandy Wexler (2017)

Sandy Wexler (2017)

  1. 130 Minuten

Filmkritik: Der Freak unter den Managern!

Trälleri und Trällera!
Trälleri und Trällera!

Sandy Wexler (Adam Sandler) ist Manager von Künstlern in den Neunzigerjahren. Seine Klienten sind aber eher in den Nischen zu finden, wie beispielsweise der Bauchredner Ted (Kevin James) oder der Trapez-Stuntman Gary (Nick Swardson). Bei Sandy können sich die Künstler vor allem auf eins verlassen: wen er unter Vertrag nimmt, wird zur Familie. Und da hineinkommen soll nun auch die junge Sängerin Courtney (Jennifer Hudson), die Wexler in einem Vergnügungspark entdeckt und die ihn nicht nur mit ihrer Stimme verzaubert.

Logenplatz im Freien
Logenplatz im Freien

Die Deals werden gemacht, und die Karriere Courtneys startet erfolgreich. Das Problem ist nur, dass sie so schnell bekannt und berühmt wird, dass Sandy selber nicht mehr mithalten kann. Zumal er in der Branche den Ruf hat, ein ganz spezieller Typ zu sein, der mit der Wahrheit leichtfertig umgeht und schlichtweg nicht in die gehobene Welt der Stars passt. Sein Aussehen, seine Art und seine Ratschläge ("Der Animationsfilm ist tot, du brauchst deine Stimme nicht für einen neuen Film von Pixar über Spielzeuge zu leihen") sind meistens verkehrt. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Courtney von ihrem Entdecker verabschiedet, jedoch bald merkt, dass das Showbusiness ausserhalb der Wexler-Gruppe ein Haifischbecken ist.

Sandy Wexler dauert viel zu lang und hat auch Probleme, die dünne Story zu Ende zu bringen. Mitunter ist das Star-Spotting interessant, aber die Geschichte leider überhaupt nicht. Die Witzchen ziehen nicht, die Hauptfigur ist nervend ohne Ende, und der Klamauk hält sich in Grenzen. Für Hardcore-Sandler-Fans ist diese Produktion vielleicht einen Blick wert. Der Rest dürfte sich danach über 130 Minuten verlorene Zeit beklagen.

Über den Netflix-Deal von Adam Sandler haben wir schon genügend informiert. Jedoch waren seine Filme wie The Do-Over anscheinend so erfolgreich, dass die Streamingleute den Vertrag mit dem Star vorzeitig verlängerten und Sandler nun in den nächsten Jahren exklusiv seine Produktionen dort veröffentlicht. Sein neuester Film, der wiederum über zwei Stunden dauert, heisst Sandy Wexler und bietet eine Vielzahl von illustren Gastauftritten, so dass der Eindruck entsteht, dass Adam Sandler lieber seine Kumpels und die bekannten Gesichter in der Story unterbringen wollte, anstatt sich um diese selber zu kümmern.

Bei Sandler gibt es fast keinen Mittelweg. Entweder man mag seine Klamaukfilme oder man verliert schon nach wenigen Minuten das Interesse. Dass er durchaus das Talent hat, auch in ernsteren und anspruchsvolleren Filmen mitzuwirken, mag man anhand von Produktionen wie Sandy Wexler kaum glauben. Das falsche Lachen, das Seehund-Klatschen und die nervige Art zu sprechen stellt die Geduld der Zuschauer auf die grosse Probe. Zumal ja nicht nach 90 Minuten fertig ist, sondern es dann noch über eine halbe Stunde dauert, bis Sandler alle seine Witzchen durch hat. Da sich aber nur ein Bruchteil der Sprüche wirklich lohnt, wird der Film zur Geduldsprobe.

Neben Sandler liegt der Fokus auf Jennifer Hudson (ihres Zeichens Oscargewinnerin für Dreamgirls), die stimmlich natürlich absolut stark performt, schauspielerisch aber nicht gefordert wird. Das gleiche gilt für die immense Anzahl von Gästen, die hier untergebracht werden. Sandler-Kumpels wie Kevin James, Terry Crews, Rob Schneider oder Nick Swardson treten ebenfalls auf, wie auch Jane Seymour, Milo Ventigmiglia oder auch Judd Apatow. Selbst "vergessene" Stars wie Vanilla Ice oder die Rap-Combo Salt'n'Pepa dürfen ihre Nase in die Kamera halten.

/ muri