Rough Night (2017)

Rough Night (2017)

Girls' Night Out
  1. 101 Minuten

Filmkritik: Wenn Frauen richtig feiern...

"Human Friendipede"
"Human Friendipede"

Zehn Jahre ist es her, seit Jess (Scarlett Johansson), Alice (Jillian Bell), Blair (Zoë Kravitz) und Frankie (Ilana Glazer) zusammen am College die Sau rausgelassen haben. Vieles hat sich seither geändert, und oft haben sich die Frauen in dieser Zeit nicht gesehen. Zum Glück steht Jess' Hochzeit vor der Tür, und so ergibt sich die perfekte Chance für eine Reunion. Im schönen Miami haben sich die Mädels ein Strandhaus gemietet, in dem sie ein Wochenende einen Junggesellinnenabschied feiern möchten.

Hungry?
Hungry?

In Miami angekommen, treffen sie auf Jess' australische Freundin Pippa (Kate McKinnon), die sofort eine unangenehme Stimmung auslöst, da sie vor allem für Alice ein Dorn im Auge ist. Literweise Alkohol und eine Menge Kokain bringen die gute Laune zurück, und so heuern die Frauen einen Stripper für Jess an. Als sie bereit sind für ihren Lapdance, kommt es zum tragischen Zwischenfall. Duch einen dummen Zufall stirbt der Stripper und der nervöse und torkelnde Hühnerhaufen steckt mitten in der Scheisse.

Ganz nach der Tagline "Der Hangover ist ihre kleinste Sorge" wird in Rough Night nicht nur eben jene Filmreihe durchgekaut, sondern noch eine Schippe Derbheit draufgelegt. Eine Schippe zuviel, denn Lucia Aniellos Komödie ist einfach zu blöd, um zu unterhalten, und zudem sind die Witze plump und fast ausnahmslos abgekupfert. Dass die Hauptfiguren allesamt von talentierten Schauspielerinnen gespielt werden, ist mehr oder weniger erfrischend, viel haben aber weder sie noch ihre Fans davon.

So ganz einleuchtend ist die Tatsache nicht, dass das Drehbuch zu Rough Night von Lucia Aniello und Paul W. Downs 2015 noch auf Hollywoods Black List der beliebtesten noch unverfilmten Skripte war. Denn vor allem die Idee, die hinter Aniellos erstem Spielfilm steckt, ist so plump und ausgelutscht, dass auch ein Frauenpower-Cast mit der Topverdienerin Scarlett Johansson, den Comedy-Perlen Kate McKinnon, Jillian Bell und Ilana Glazer sowie der Trendsetterin Zoë Kravitz kaum Schadensbegrenzung betreiben kann.

Dabei passen die Thematik und der derbe Grundton eigentlich perfekt in die Sommerblockbuster-Saison. Leider ist Aniellos Debüt dafür aber doch zu lächerlich und daher auch mehr anstrengend als unterhaltsam. Die wenigen guten Witze kennt man bereits, die Peinlichkeiten ebenso, und das weibliche "Dreamteam" lässt die Zuschauer mit lustlosem Schauspiel hängen, so dass bis auf ein paar übertriebene Momente, in denen man vor lauter Absurdität einfach lachen muss, nichts Spassiges mitgenommen werden kann.

Wie um alles in der Welt kommt die bestbezahlte Schauspielerin Hollywoods dazu, eine solche Rolle anzunehmen? Die richtige Antwort darauf weiss wohl nur ScarJo selbst, doch grundsätzlich standen die Vorzeichen gar nicht so schlecht. Mit Bridesmaids hat man ja bereits bewiesen, dass auch Frauen Partykomödien rocken und dabei sogar zu Oscarkandidatinnen avancieren können. Mit Wonder Woman und dem letztjährigen Ghostbusters-Neuaufguss wurden zudem finanziell grosse Projekte mit Frauen in den Hauptrollen zu wichtigen Gesprächsthemen.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch Black Widow weitere Chancen ergreift, um die Männerdomäne in Hollywood einzugrenzen. Leider ist Lucia Aniellos Rough Night dafür aber ein Schritt in die falsche Richtung. Eine Frau auf dem Regiestuhl und getauschte Geschlechterrollen ergeben nicht automatisch einen sehenswerten Film.

Wer Bachelorette und andere Hangover-Verschnitte kennt, wird nicht überrascht, denn obwohl der Film eine Wendung nach der anderen verspricht, ist er trotzdem vorhersehbar. Da bringen auch ein tödlicher Zwischenfall, ein bisschen Blut und Telenovela-Hektik nichts. Im Gegenteil, ScarJo und Co. geben sich gegenseitig aufs Dach, erleben komplette mentale Zusammenbrüche und sind je länger, je mehr einfach nur anstrengend. Da ist die verkehrte Welt der weindegustierenden Männertruppe, die Peters (Paul W. Downs) Junggesellenabschied feiert, die einzige wirklich witzige Eigenheit des ansonsten ziemlich formelhaften Party-Films.

/ yan