Rewind (2017/II)

Rewind (2017/II)

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  2. 79 Minuten

Filmkritik: Der Morgen danach

"Hätte mir das zweite Ohrloch nicht schiessen lassen sollen"
"Hätte mir das zweite Ohrloch nicht schiessen lassen sollen" © MovieBizFilms

Für seine Arbeit interviewt Toby den schüchternen Sonderling Eduard, der sich gerne in virtuelle Welten zurückzieht. In Tobys Freundeskreis, zu dem sein bester Freund und Obermacho Roberto gehört, will Eduard aber nicht so reinpassen. Dennoch kommen er und seine Freundin Sina mit, als Toby und Roberto wieder einmal Party machen gehen. Hiinzu stossen auch noch Robertos Ex und eine ihrer Freundinnen. Nachdem das Sechsergrüppchen den Club verlässt, ereignet sich ein seltsames Naturphänomen und sie erwachen am nächsten Morgen ohne Erinnerung in Tobys Wohnung.

"Hat jemand meine Hose gesehen?"
"Hat jemand meine Hose gesehen?" © MovieBizFilms

Was ist nach der wilden Partynacht passiert? Weshalb ist Eduard plötzlich verschwunden? Und was hatte es mit dem seltsamen Wetter auf sich? Zum Glück hatte Toby in der seltsamen Nacht seine Kamera dabei und hat alles festgehalten. Bei der Sichtung des Materials entdecken die Freunde, dass mehr geschehen ist, als sie sich hätten vorstellen können.

Es ist erfreulich, dass auch in der Schweiz coole Ideen für Genrefilme vorhanden sind und diese auch einen Vertrieb finden. Nur schon deshalb sollte man Rewind unterstützen. Der ganze Film wirkt sehr laienhaft, doch es wäre zu einfach, ihn deshalb zu verurteilen, denn die Liebe der Macher für das Genre ist deutlich spürbar und die Frische des Projekts kann nur gelobt werden. Es ist, als hätten ein paar gute Freunde einen Horrorfilm gedreht, der überraschend gut herausgekommen ist. Dialoge und Schauspieler sind teilweise recht mühsam, doch im Vergleich zu US-Billigproduktionen relativiert sich diese Ansicht. Man braucht eine Weile, bis man in die Story eintaucht, doch die Geduld lohnt sich. Für Fans von Found-Footage, Sci-Fi und Horror ist es definitiv wert, einen Blick zu riskieren.

Das Found-Footage-Genre ist in den letzten Jahren ziemlich ausgeufert. Massenweise wird der Billighorror produziert, und dies in vielen Fällen eher schlecht als recht. Nun versucht sich auch der aus Portugal stammende Pedro Joaquim mit seinem Schweizer Film Rewind daran und kann damit zwar nicht in der Königsliga mitspielen, befindet sich aber ganz bequem im Mittelfeld. Die Idee der Story ist super und auch die Umsetzung ist für ein Minimalbudget ganz gut gelungen. Visuell stechen vor allem einige Drohnenaufnahmen heraus, die eine willkommene Abwechslung zur Wackelkamera bieten.

Schwache Dialoge tönen halt auf Schweizerdeutsch noch ein wenig bedepperter als in Englisch und der Cast agiert etwas gar laienhaft. So gibt es einige unfreiwillige Lacher in den ersten paar Minuten, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und beginnt sogar etwas mit den Figuren mitzufiebern, obwohl es praktisch keine sympathischen Protagonistinnen und Protagonisten gibt. Das Sci-Fi-Element ist ganz dezent und mit den einfachsten Tricks integriert, aber verblüfft doch durch seine Wirkungskraft. Gerade die Schlusssequenz baut reichlich Tempo und sogar etwas Gruselfeeling auf.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Trailer Schweizerdeutsch, mit englischen Untertitel, 01:21