Professor Marston and the Wonder Women (2017)

Professor Marston and the Wonder Women (2017)

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  2. 108 Minuten

Filmkritik: 50 Shades of Grey for Feminism

42nd Toronto International Film Festival
Hahn im Korb
Hahn im Korb © Studio / Produzent

Professor William Marston (Luke Evans) und seine Frau Elisabeth (Rebecca Hall), beides Psychologen, arbeiten an einer Universität. Angezogen von der Schönheit ihrer jungen Assistentin Olive (Bella Heathcote) und fasziniert von ihrer jugendlichen Unschuld, verlieben sich beide in sie. Es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, in der sich die drei näher kommen und gleichzeitig mit ihren eigenen und der gesellschaftlichen Moral zu kämpfen haben. Als Olive schwanger und den Marstons von der Universität gekündigt wird, scheint die Menage à Trois ein Ende gefunden zu haben.

Da die drei jedoch nicht mehr ohne einander leben können, beschliessen sie zusammenzuziehen und erfinden eine plausible Geschichte dafür. In den kommenden Jahren lebt das Trio glücklich in ihrer Dreieckbeziehung - unbemerkt von den gemeinsamen Kindern und der Öffentlichkeit. Die sexistische und prüde Gesellschaft, die einerseits Frauen unterdrückt und andererseits die sexuelle Freiheit verbietet, führt schliesslich dazu, dass William seine Theorien in Form eines Comic-Buches veröffentlicht. Die erste und erfolgreichste weibliche Comicheldin ist geboren: Wonder Woman kämpft fortan für Gerechtigkeit.

Professor Marston and the Wonder Women zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben des Erfinders der erfolgreichsten Comicheldin Wonder Woman auf äusserst intime und erotische Art. Rebecca Hall stellt mit ihrem Talent ihre beiden Kollegen ziemlich in den Schatten. Angela Robinson gelingt es, die Figuren so zu zeigen, dass die Zuschauer sich bestmöglich mit ihnen identifizieren können.

Angela Robinson (True Blood) ist mit Professor Marston and the Wonder Women ein sensibles, warmes und intimes Biopic über den Erfinder der erfolgreichsten weiblichen Comic-Heldin gelungen. Mit viel Humor inszeniert sie eine von der prüden und sexistischen Gesellschaft der Vierzigerjahre überschatteten Liebesgeschichte dreier starker Persönlichkeiten.

Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller sind bemerkenswert. Allen voran diejenige von Rebecca Hall Transcendence). Wären mehr Frauen so gewesen wie die von Hall gespielte Elisabeth Marsten, hätte die feministische Bewegung bereits nach einem Jahr die von Männern dominierte Weltordnung auf den Kopf gestellt. Bella Heathcote (Dark Shadows) und Luke Evans (Dracula Untold) wirken neben Hall etwas fade, wobei Heathcote mit ihrem Schmollmund bestimmt das eine oder andere Männerherz zum Schmelzen bringt - und wohl auch einige Frauenherzen, wo wir grad von sexueller Freizügigkeit sprechen. Sie übernimmt dann jeweils auch den freizügigsten Part der diversen Sexszenen - die übrigens sehr ästhetisch sowie erotisch sind und nicht zu kurz kommen!

Der Filmtitel wird der Geschichte allerdings nicht ganz gerecht. Zwar geht es um den Erfinder von Wonder Woman, Professor William Moulton Marston, doch nehmen Elisabeth und Olive im Film viel mehr Platz ein als er. Die beiden Frauen ergänzen sich wundervoll. Elisabeth als starke Feministin, die unter der weiblichen Unterdrückung leidet, wird von der jungen, moralischen, aber sexuell neugierigen Olive in eine völlig neue Welt gezogen. Der von Evans gespielte William kann dadurch eher weniger Profil zeigen und wird beinahe zur Nebenfigur degradiert.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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