Pororoca (2017)

Pororoca (2017)

Oder: Kindertotenlieder

Allein unter der Sonne

Allein unter der Sonne

Irgendwo in Bukarest. Tudor Ionescu (Bogdan Dumitrache), eigentlich ein ruhiger Zeitgenosse, beschimpft gerade einen sogenannten «Kunden» seiner Frau Crstina (Iulia Lumanare) am Telefon: «Hör auf sie anzurufen, wenn du nicht willst, dass ich dir den Schädel einschlage!» Dann begleitet er seine Kinder Maria und Ilie (Adela Marghidan und Stefan Raus) auf den Spielplatz. Dort lässt er sich auf einer Bank nieder und telefoniert, sinniert, holt sich Kaffee. Im Hintergrund streiten zwei, Ilie spielt Fussball, Maria tollt mit ihren Freundinnen herum. Er lehnt sich zurück.

«Pororoca», eine gewaltige Flutwelle des Amazonas, die sich jeweils mit halbstündiger Verzögerung durch ein Grollen ankündigt, ist Tudor zwar kein Begriff, doch was er gleich durchleben wird, lässt sich durchaus damit vergleichen. Denn mit einem Mal ist ihm unwohl. Wo ist Maria? Er ruft sie, erhält aber keine Antwort. Nochmals. Und nochmals. Er rennt umher, sucht sie, ruft sie. Keine Antwort. Die Eltern rundherum, die Parkwächter: keiner weiss etwas. «Maria!», schreit er nun. Nichts.


Film-Rating

Ein Unheil verkündendes Grollen, das je länger je unheilvoller wird und hemmungslos über einen hereinbricht; Pororoca trifft nicht nur mit dem Titel ins Schwarze. Dieses Seelen-Close-up eines verzweifelten Menschen, das alles aus dem Kleinen ins scheinbar Unendliche entwickelt, gibt noch lang zu denken. Ein unerhörtes Ereignis bildet den Ausgangspunkt wuchtiger Bilder der immer marginaler werdenden Welt, einer feinen Choreographie und einer Jagd nach dem Nichts. Das Resultat ist ein atemberaubender Psychothriller, getragen vom überwältigenden Hauptdarsteller Bogdan Dumitrache.

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OutNow.CH:

Bewertung: 5.5

 

12.10.2017 / arx

Community:

Bewertung: 5.3 (2 Bewertungen)

 

 

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