Mudbound (2017)

Mudbound (2017)

  1. 134 Minuten

Filmkritik: Bauernhof-Narr

42nd Toronto International Film Festival
Immerhin taugt der Sonnenuntergang was...
Immerhin taugt der Sonnenuntergang was...

Mississippi in den Vierzigerjahren: Henry McAllan (Jason Clarke) glaubt, ein Paradies für sich und seine Familie erstanden zu haben. Doch die gekaufte Farm stellt sich als Reinfall raus: eine richtige Bruchbude steht auf dem erworbenen Land, und der Acker sieht noch trostloser aus. Henrys Frau Laura (Carey Mulligan) versucht mit den beiden Kindern das Beste aus der Situation zu machen, obwohl es auch ihr äusserst schwerfällt. Für Henrys Vater Pappy (Jonathan Banks) ist die schlimmste Sache jedoch, dass die Nebenfarm von den Jacksons, einer Familie von Schwarzen, betrieben wird - für den Rassisten eine Zumutung.

Brothers in Arms
Brothers in Arms

Dabei versuchen auch die Jacksons um Hap (Rob Morgan) und Florence (Mary J. Blige) nur zu überleben und gehen dafür allen Problemen aus dem Weg. Währenddessen kämpfen in Europa Henrys Bruder Jamie (Garrett Hedlund) und Ronsel (Jason Mitchell), der älteste der Jackson-Söhne, für die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Beide werden den Krieg überleben und nach Hause zurückkehren. Eine Rückkehr, die wegen der Situation zuhause unter keinem guten Stern steht.

Dee Rees Rassismus-Drama Mudbound über die Schicksale zweier Familien (eine weiss, eine schwarz) mag erst viel zu spät zu überzeugen. Hauptgrund sind zu viele Figuren, die ihre Gefühlswelten via Voice-Over dem Zuschauer mitteilen, während der Plot nicht wirklich vom Fleck kommt. Aufgrund überzeugender Darsteller und einem aufwühlenden Finish trotzdem kein allzu grosses Ärgernis.

Auch 2017 sorgte am Sundance-Filmfestival wieder ein Film für Furore, der die Leiden Schwarzer in der US-Vergangenheit beleuchtete. Was im Jahr zuvor Birth of a Nation war, ist 2017 Mudbound. Und auch wenn Regisseurin Dee Rees mit einer deutlich feineren Klinge arbeitet als dies noch Nate Parker bei seinem Sklaven-Brutalo tat, mag auch der von Netflix für 12.5 Millionen Dollar erworbene Streifen nicht recht zu überzeugen.

Dies hat vor allem mit dem fehlenden Fokus zu tun. Denn die Verfilmung des Romans von Hillary Jordan ignoriert frisch-fröhlich den Kinoleitsatz "Show, don't tell", was so viel bedeutet wie "man soll visuell erzählen und weniger mit Worten". In Mudbound wird ganz viel mit Worten, vor allem mittels Voice-Over erzählt. Anstatt dass jedoch nur eine Figur seine Gedanken zum Besten gibt, hat fast jede und jeder die Gelegenheit, seine Gefühlswelt dem Zuschauer zu offenbaren. Das ist alles sauber von den Schauspielern vorgetragen, herausragend sind Carey Mulligan und R'n'B-Sängerin Mary J. Blige. Blöd nur, dass der Film vieles davon nicht nötig hätte, da das Spiel der Darsteller, sowie die Bildsprache von Rees und Kamerafrau Rachel Morrison schon für Vieles aussagekräftig genug ist. So kommt die ganze Geschichte, wie auch die Landwirtschaftswerkzeuge auf dem Hof der McAllans nur mühsam ins Rollen.

Fahrt nimmt der Film dann doch noch auf, wenn die Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehren. Auf dem Schlachtfeld kämpften sie für die gemeinsame Sache, doch Zuhause in Mississippi ist eine Zusammenarbeit zwischen Weissen und Schwarzen fast undenkbar. Wenn Garrett Hedlunds Jamie und Jason Mitchells Ronsel mit genügend Alkohol im Blut dem Rassismus entgegenlächeln, hat dies ein paar der besten Szenen des Filmes zur Folge - auch wenn der Grund der Trinkerei weniger schön ist. Trotzdem, der Film gewinnt dann an Dramatik, was später in einer brutalen und nur schwer verdaulichen Szene mündet. Wenn Mudbound den Fokus von Anfang an auf die beiden Kriegsheimkehrer gerichtet hätte, wäre ein deutlich weniger langes (Laufzeit: 134 Minuten) Drama entstanden, indem die wirklich wichtigen Figuren auch durchaus Zeit gehabt hätten, einem ans Herz zu wachsen. So fällt Mudbound dann wie schon Birth of a Nation in die Kategorie "ein von den Amis gehypter Streifen, den man sich durchaus ansehen kann, aber definitiv nicht muss".

/ crs