The Mountain Between Us (2017)

The Mountain Between Us (2017)

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  2. 112 Minuten

Filmkritik: Frieren für Fortgeschrittene

42nd Toronto International Film Festival
14:35. Wind 70 km/h. minus 10 Grad. Die Frisur hält.
14:35. Wind 70 km/h. minus 10 Grad. Die Frisur hält. © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Irgendwo im Nirgendwo versucht der Hirnchirurg Ben (Idris Elba) den nächsten Flieger zu erwischen, um am nächsten Tag einen zehnjährigen Jungen zu operieren. Gleichzeitig versucht die Journalistin Alex (Kate Winslet) dasselbe, um es rechtzeitig an ihre eigene Hochzeit zu schaffen. Aufgrund des aufkommenden Sturmes werden jedoch sämtliche Flüge gestrichen, und weder Alex noch Ben kommen an ihre jeweiligen Ziele. In der Not zu kreativen Massnahmen gezwungen, heuern Alex und Ben gemeinsam einen älteren Piloten an, der sie mit seinem eigenen kleinen Flugzeug zum nächsten grösseren Flughafen fliegen soll.

Wo is' denn der Pilot hin?
Wo is' denn der Pilot hin? © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Während des Fluges erleidet der Pilot einen Hirnschlag, und das Flugzeug stürzt in einer verschneiten Berglandschaft ab - fernab von der Zivilisation. Wie durch ein Wunder überleben Alex, Ben und der Hund des Piloten den Absturz. Nach ein paar Tagen, in denen sie sich in den Überresten des Flugzeuges verschanzt haben, wagen sich die drei auf die Suche nach Zivilisation und begeben sich in die tödliche Schönheit der eisigen Wildnis. Auf ihrer Suche nach Sicherheit finden sie jedoch noch etwas ganz anderes...

The Mountain Between Us ist ein Nullachtfünfzehn-Überlebensdrama, das den Kinogängern ähnlich schon öfter vorgesetzt wurde. Dank den talentierten Hauptdarstellern Kate Winslet und Idris Elba gibt es aber dennoch einige gute und vor allem spannende Filmmomente. Abgesehen davon wäre Everest die bessere Alternative - gefroren wird in beiden Filmen.

Eines muss Hany Abu-Assad zugeschrieben werden: Er hält sich penibel an die Drehbuch-Regel, wonach ein Film zum spätmöglichsten Zeitpunkt beginnen soll. Ohne unnötiges Drumherum kommt The Mountain Between Us nach ungefähr fünf Minuten zum Thema, nach einer Viertelstunde ist das Flugzeug abgestürzt und der Zuschauer darf die nächsten rund 60 Minuten Kate Winslet und Idris Elba beim Kampf ums Überleben zuschauen.

Das macht die erste Hälfte des Filmes auch wirklich spannend und sehenswert. Leider verliert er danach an Originalität und Spannung. Nach dem gefühlten millionsten Mal hat man genug davon gesehen, wie Ben Alex das Leben rettet. Ja, er ist Arzt und weiss, was er machen muss - das hat wohl auch der beschränkteste Zuschauer spätestens nach dem zweiten Mal kapiert. Aber zum Glück verletzt er sich auch selber nie, sondern ist immer putzpurlimunter, damit er sich um seine hübsche Begleiterin kümmern kann. Deren Haare sehen übrigens sogar nach drei Wochen ohne Dusche umwerfend aus.

Obwohl The Mountain Between Us sicher nicht die beste Arbeit von Elba und Winslet darstellt, ist der Film unterhaltsam. Es gibt einige Fingernägelbeissmomente und schöne Kameraeinstellungen der Natur. Dank den überzeugenden Schauspielern friert es einen sogar beim Zuschauen ab und zu. Fraglich ist, ob The Mountain Between Us ohne die beiden alteingesessenen Hollywoodgrössen das Publikum anziehen würde. Die beiden sind nämlich wirklich das Beste am Film, obwohl ihr Können im Grunde genommen nur oberflächlich zum Ausdruck kommt.

Wer also bei Titanic noch nicht genug davon bekommen hat, Kate Winslet beim Frieren zuzusehen, dem sei geraten, sich The Mountain Between Us anzusehen. Alle anderen sollten sich nicht allzu viele Hoffnungen machen: Mehr als eineinhalb Stunden Nullachtfünfzehn-Hollywood-Überlebenskampfromanze bekommt man nicht zu sehen.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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Kommentare Total: 3

fri

Sehr schöne Aufnahmen in der Wildnis Kanadas. Trotz Überlebenskampf ist die Natur grossartig und so friedlich, und ich genoss die Stille. Die beiden Darsteller sind super, man fühlt mit und weil beide so unterschiedlich sind, ergänzen sie sich auch prima. Und da ist ja auch noch der Hund, ich mag Labradore. Also für mich ein toller Film, auch im Hinblick auf die persönliche Reaktion und Veränderung in einer solchen Extremsituation, alles andere als "gewöhnlich" - aber es ist natürlich Geschmackssache ;) Ein Vergleich mit Everest hinkt meiner Meinung nach ein bisschen, da dort Extrem-Bergsteiger freiwillig unterwegs waren, die mit Widrigkeiten rechnen müssten, und hier zwei "Normalos", ohne Ausrüstung, ohne Proviant, nur was sie halt dabei hatten für die Reise. The Mountain Between Us ist für mich viel näher an der Realität und bei mir selbst - ich frage mich, was würde ich an deren Stelle tun.

yan

Regisseur Hany Abu-Assad, der 2014 mit Omar für den Best Foreign Language Oscar nominiert wurde, hat mit Idris Elba und Kate Winslet nun zwei absolute Topstars an Bord. Leider bleiben die beiden in einem ziemlich gewöhnlichen Survival-Drama die grössten Highlights. Alles andere hat man schon deutlich besser und vor allem packender gesehen. Hätte man die letzten zwanzig Minuten weggelassen, wäre Mountain Between Us noch einen Zacken besser gewesen. Mit dem kitschigen Ende lässt Abu-Assad den Überlebenskampf etwas in Vergessenheit geraten, ein No-Go für einen Film, der sich 4/5 der Zeit mit eben diesem Überlebenskampf auseinandergesetzt hat.

dro

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