Molly's Game (2017)

Molly's Game (2017)

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  3. 140 Minuten

Filmkritik: The Asocial Poker Network

42nd Toronto International Film Festival
Im Poker-Himmel
Im Poker-Himmel

Schon als Kind wurde Molly Bloom (Jessica Chastain) von ihrem Vater (Kevin Costner) aufs Gewinnen gedrillt - egal ob in der Schule oder beim Sport. Während die Brüder vor allem bei letzterem grosse Erfolge feiern, bricht sich Molly bei einem missglückten Sprung mit ihren Skiern dermassen viele Knochen, dass an eine Weiterführung der Sportkarriere nicht gedacht werden kann. Sie sagt der Heimat Colorado ade und erhält in Kalifornien einen Büro-Job bei dem zwielichtigen Dean Keith (Jeremy Strong).

In der Gerichts-Hölle
In der Gerichts-Hölle

Neben der Büroarbeit hostet dieser regelmässig Pokerturniere, bei der die Stars und die Reichen von Hollywood teilnehmen - für diese spannt er auch Molly für die Betreuung der Gäste sowie die Verwaltung des Geldes ein. Als Dean merkt, dass Molly bei den Pokerabenden mehr verdient als im Büro, will er sie für Letzteres nicht mehr bezahlen. Für Molly ein absolutes No-Go, weshalb sie kündet und beginnt ihre eigenen Pokerturniere zu organisieren. Mit den gesammelten Kontaktinfos führt dies sehr schnell zum Erfolg. Doch schnell lernt Molly die Schattenseiten des Business kennen und findet sich schnell zwischen Mitgliedern der Russenmafia, Richtern und Anwälten wieder.

Mit Molly's Game gibt der gefeierte Drehbuchautor Aaron Sorkin (The Social Network) ein unterhaltsames Regiedebüt, welches dank des Tempos und einer brillanten Jessica Chastain zu gefallen weiss. Die Fülle an Dialogen kann jedoch anstrengend sein und trotz tollen Passagen lässt der Film aufgrund einiger etwas lahmer Abschnitte nicht völlig zufrieden zurück. Trotzdem ein sehenswerter Film - auch für Nicht-Pokerspieler.

Aaron Sorkin gehört zu den gefeiertsten Drehbuchautoren der letzten drei Jahrzehnte. Von ihm stammen unter anderem Sätze wie "You can't handle the truth!" und "The Internet's not written in pencil, Mark, it's written in ink!". Mit 56 Jahren gibt der New Yorker nun sein Regiedebüt mit der Verfilmung des Buches der Poker-Prinzessin Molly Bloom. Dabei erschlägt er die Zuschauer fast ein bisschen mit der Fülle an Dialogen.

Denn wie schnell hier die Worte und Sätze fällen, kann bei einer Lauflänge von 137 Minuten ermüdend sein. Vor allem da Sorkin nicht nur Schauspieler in die Kamera reden lässt, sondern Jessica Chastains Bloom auch noch mit einem Voiceover die Geschichte zusätzlich vorantreibt. William Faulkner gab einmal den Rat "Kill your darlings", womit er das Streichen von Textpassagen meinte, die ein Autor zu liebgewonnen hat und die drohen, das Gesamtwerk zu schädigen. Molly's Game gibt das Gefühl, dass Sorkin kein besonders guter Darling-Killer ist. Dabei wäre hier weniger Geschwätz mehr gewesen. Vor allem eine Szene mit Kevin Costner gegen Ende hin steht etwas schief im Ganzen.

Doch trotzdem ist es eine Freude, hier zuzusehen. Chastain geht in der Rolle der Poker-Prinzessin richtig auf, wobei ihre Figur nicht als eiskalt berechnende Maschine gezeigt wird, sondern als Mensch mit Herz. Sie will zwar erfolgreich sein - doch nicht um jeden Preis. Poker-Spieler, welche ständig nur verlieren, nimmt sie auch mal zur Seite, um diese vor sich selbst zu beschützen. Chastain wie auch Idris Elba als Anwalt sind brillante und dankbare Abnehmer für die Sorkin-Texte. Und da wäre auch noch Michael Cera zu loben. Dieser verkörpert einen arschlochigen Schauspieler, der aufgrund der Diskretion der echten Frau Bloom im Film wie auch im Buch nur "Mr. X" genannt wird. Wenn man bedenkt, dass im wahren Leben unter anderem Tobey Maguire, Ben Affleck und Leonardo DiCaprio an Blooms Poker-Tischen sassen, ergibt dies ein interessantes Ratespiel.

Klar ist hingegen, dass Molly's Game ein zwar nicht perfektes, aber durchaus gelungenes Debüt von Aaron Sorkin als Regisseur ist. Angepeitscht durch geschliffene Dialoge, wie sie fast nur der Oscarpreisträger schreiben kann (das Goldmännchen gab es für The Social Network) und dank einer tollen Chastain bietet der Streifen über zwei Stunden anständige Unterhaltung. Als ideales Getränk vor und während dem Schauen empfehlen wir wegen der Dialogdichte jedoch nicht Bier oder Wein, sondern Wasser oder Kaffee.

/ crs

Kommentare Total: 2

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Temporeich erzählt, erstklassig gespielt und obwohl der langen Laufzeit nie wirklich langweilig. Hut ab Mr. Sorkin.

crs

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