Mobile Homes (2017)

Mobile Homes (2017)

  1. ,
  2. 105 Minuten

Filmkritik: The Bone Collector

70e Festival de Cannes 2017
Fragiles Familienglück
Fragiles Familienglück © Xenix Filmdistribution GmbH

Die US-kanadische Grenze im Winter. Ali (Imogen Poots) und Evan (Callum Turner), ein Paar mit ziemlich unstetem Lebenswandel, schlagen sich gerade so durch. Sie verhökern vom Kampfhahn bis zu Drogen alles, was ihnen zwischen die Finger kommt. Restaurantrechnungen zahlen sie aus Prinzip nicht. Um die Zeche zu prellen, kommt ihnen Alis 8-jähriger Sohn Bone (Frank Oulton) zu Gute. Er hält jeweils am Tisch die Stellung für zwanzig Sekunden, während sich die Erwachsenen aus dem Staub machen, und schleicht dann zum gemeinsamen Van.

Home cold home
Home cold home © Xenix Filmdistribution GmbH

Alle Versuche, den eigentlich schulpflichtigen Bone bei Pflegeeltern unterzubringen, scheitern schon am unvollständigen Formular bei der Behörde (Wohnsitz? Unbekannt!). Ali und Evan träumen vom eigenen Haus. Als Evan aber in einer Siedlung für transportierbare Fertighäuser vom Grundstückbesitzer erwischt wird, trennt sich die Familie. Ali und Bone schlafen in einem Mobile Home ein und erwachen am nächsten Tag in einer komplett neuen Gegend und sind nun komplett auf sich alleine gestellt.

Trotz rohem Sex, heftigen Streiterein und kleinkriminellen Machenschaften - tief drin ist Mobile Homes ein Film über Mutterliebe. Die Entscheidung zwischen wildem Freund oder sicherem Zuhause für den Nachwuchs muss getroffen werden. Und Imogen Poots und ihr Filmsohn holen den Zuschauer dabei ab, wenn man sich auf die übertrieben grimmige Handlung einlässt.

Hahnenkämpfe. Polizeieinsätze in schummrigen Bars. Ein Güggel als Kuscheltier. Sex im Rotlicht-Pool. Verfolgungsjagden mit Sattelschleppern, die Komplett-Häuser auf dem Anhänger mit sich ziehen: Regisseur Vladimir de Fontenay mutet uns mit wackliger Handkamera so einiges an Handlungsbeigemüse zu. Nach einem kleinen Lion-Moment, wenn Hauptfiguren unbewusst und tief schlafend in eine andere Gegend gekarrt werden, beginnt die Geschichte der Mutter sogar wie noch einmal von vorne. Stringent ist die Story dabei nicht immer, aber immerhin atemlos aufregend.

Die kalte Witterung steht im Kontrast zur Warmherzigkeit, die auch eine kriminelle Mama innehaben kann. Und ob man den Film mag, hängt auch davon ab, wie sehr man sich mit dem den Mini-Gangstern identifzieren kann. Kriminell sein ist zumindest in Ansätzen cool in diesem Film. Schliesslich sind die Protagonisten prekär unterwegs und werden glorifiziert - trotz der Saumode, sich im Auto die Fussnägel zu schneiden.

Dass es dabei nicht immer kindgerecht zugeht, liegt in der Natur der Unterschicht. Frank Oulton als wortkarger Junge macht aber trotzdem Eindruck. Und Imogen Poots ist die ideale Besetzung als crazy Gangster-Braut mit verletzlichem Mutter-Instinkt. Heimlig ist dieses Mobile Home nicht, ein "bedingt bewohnbar" muss als Einschätzung reichen.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:19