Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (2017)

Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (2017)

The Secret Man
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Filmkritik: Der "Deep Throat"-Mann

42nd Toronto International Film Festival
Liam hat was ausgefressen.
Liam hat was ausgefressen.

Schon über 30 Jahre hat der FBI-Mann Mark Felt (Liam Neeson) beim Geheimdienst gedient und ist dabei zum engen Vertrauten von J. Edgar Hoover geworden. Der berüchtigte FBI-Gründer hat schon seit mehreren Jahren Dossiers über die Mächtigen in Washington anlegen lassen. Dort stehen Dinge drin, welche für die Betroffenen bei Bekanntgabe äusserst peinlich wären. Aus diesem Grund ist das FBI dem Weissen Haus schon seit einiger Zeit ein Dorn im Auge. Nach Hoovers Tod im Jahre 1972 sieht die Regierung um Richard Nixon die Chance, diesen Dorn zu entfernen. Man setzt L. Patrick Gray (Marton Csokas) als neuen Chef ein, der eng mit dem Weissen Haus verbunden ist.

Für Mark Felt und seine Mitarbeiter ist das ein Skandal, ist das FBI doch eine Organisation, die von allen unabhängig operieren soll. Die Situation verschlimmert sich, als die Watergate-Affäre beginnt. Gray erhält vom Weissen Haus die Anweisung, die Ermittlungen so schnell wie möglich ergebnislos abzuschliessen. Doch dabei haben sie die Rechnung ohne Mark Felt gemacht, der vertrauliche Ermittlungs-Informationen an die Washington-Post-Journalisten Woodward und Bernstein weitergibt und so versucht, das FBI zu retten.

Mark Felt - The Man Who Brought Down the White House würde eigentlich eine interessante Story erzählen, doch aufgrund einiger Drehbuchschwächen - wie der ungelenken Einbindung von Felts verschwundener Tochter - bleibt der Film unter seinen Möglichkeiten und verschwendet so auch ein bisschen seinen tollen Cast um einen durchaus überzeugenden Liam Neeson.

Der Mann, welcher in All the President's Men im Parkhaus noch im Dunklen stand, tritt hier ins Scheinwerferlicht. Der im Journalisten-Filmklassiker von Hal Holbrook verkörperte Informant mit dem Decknamen "Deep Throat" heisst richtig Mark Felt - eine Tatsache, die erst 2005 bekannt wurde, 33 Jahre nach der Watergate-Affäre. In Peter Landesmans Mark Felt - The Man Who Brought Down the White House wird nun das Bild eines Mannes gezeichnet, der mit Illegalem das Richtige tun wollte. Eine spannende Geschichte, die jedoch wenig überzeugend umgesetzt worden ist.

Denn der in Grautöne getauchte Film hat ein Skriptproblem. Während ordentlich Zeit für die Watergate-Affäre aufgewendet wird, gibt es immer wieder Szenen dazwischen, die sich um das Verschwinden von Felts Tochter Joan drehen, die damals für die Eltern unauffindbar war. Dies sollte eigentlich noch mehr Dramatik in die Geschichte bringen, doch funktioniert es überhaupt nicht. Dieser Handlungsstrang wirkt eher so, als sei er nachträglich noch hineingeflickt worden, als hätten die Macher diesen Teil von Felts Leben erst nach Fertigstellung des Skripts entdeckt. Der Erzählfluss wird so erheblich gestört.

In den Büro-Szenen gefällt der Film dann deutlich besser. Neeson gibt überzeugend den harten FBI-Hund, der sein Revier gegen alle Eindringlinge verteidigt. Auch ein paar zu theatralisch geratene Dialogzeilen bringt er überzeugend rüber. Alle anderen müssen sich hinten anstellen, auch ein perfekt gecasteter Tom Sizemore als schleimiger Bill Sullivan. Das grosse Comeback wird dem Mann, der in den Neunzigern in vielen Hits dabei war, mit diesem Film nicht gelingen. Dafür hat er zum einen viel zu wenig Screentime, und zum anderen wird der Film schnell wieder vergessen sein.

Mark Felt gilt es hingegen nicht zu vergessen. Ein mutiger Mann, zu dessen Ehren man eigentlich noch seinen Namen im Abspann von All the President's Men reinflicken sollte. Das wäre auch eine gute Gelegenheit, den Film von Alan J. Pakula mal wieder zu schauen. Der lohnt sich jedenfalls mehr als dieser hier.

/ crs

Trailer Englisch, 02:13