Madame (2017)

Madame (2017)

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  2. 91 Minuten

Filmkritik: Le Monsieur

13. Zurich Film Festival 2017
Reissverschluss zu, Mr. White!
Reissverschluss zu, Mr. White! © Impuls Pictures AG

Anne und Bob Fredericks (Toni Collette und Harvey Keitel) sind ein gestandenes Ehepaar der High Society. Wie's das Leben so will, sind sie vor Kurzem nach Paris gezogen und wollen diesen Anlass - wie sich's eben gehört - mit ausgesuchten Gästen feiern. Nebenbei plagen Bob Geldsorgen, doch seine Frau soll davon nichts wissen. Ausserdem kommt sein Sohn Steven (Tom Hughes) zu Besuch, und er lädt ihn gleich dazu ein, an der Tafel teilzunehmen.

Santa Maria im Wunderland
Santa Maria im Wunderland © Impuls Pictures AG

Als Anne erfährt, dass die Zahl der Beteiligten nun auf dreizehn gestiegen ist und somit grosses Unglück über sie bringen wird, sind sofort Gegenmassnahmen angesagt. Sie ruft ihr oberstes Hausmädchen Maria (Rossy de Palma) zu sich, verpasst ihr einen neuen Look und bläut ihr ein: «Don't speak too much, don't smile too much, don't eat too much!» Maria ist alles andere als wohl in der fremden Rolle. Doch als sie schliesslich am Tisch neben dem charmanten Kunstexperten David Morgan (Richard Smiley) sitzt, entwickeln sich die Dinge ganz anders als erwartet und vor allem für Anne ganz anders als erhofft.

Ohne grosse Überraschungen schippert Madame durch ruhige Gewässer. Zwei Darstellerinnen sind der Fixstern des vom Komischen ins Melancholische navigierenden Dramas. Zunehmend versinkt der Film im Nebel des Pathos, und nicht nur die Figuren werden auf einmal seltsam unpräzise dargestellt. Ein solider Film mit Stärken und Schwächen.

Man merkt, dass bei dem Gastgeberpaar nicht nur der erotische Hausfrieden schief hängt. Ob das nun an den nicht wirklich harmonierenden Schauspielern liegt, sei fürs Erste dahingestellt. Toni Collette überzeugt zwar in ihrer Version als aalglatte «Madame» irgendwo zwischen Marie Antoinette und Claire Underwood, Altmeister Harvey Keitel aber findet sich in seiner Rolle kaum zurecht. Auch die eine oder andere Nebenrolle scheint nicht ganz im Reinen mit sich selber zu sein. Doch das ist halb so wild, denn alle Augen sind ohnehin auf Rossy de Palma gerichtet, deren Alter Ego Maria so gar nicht in die angebliche Welt der Schönen und Reichen passen will.

Die durch ihre kurzfristige Beförderung zur Adelsdame hervorgerufene neue Konstellation im Hause Fredericks führt zwangsläufig zu einer unfreiwilligen Komik, die die noch immer vorherrschende Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Bediener und Bedienten aufweist. Es macht sich tatsächlich mehr als nur ein Hauch 17. Jahrhundert breit.

Diese Komik ist so auch nur Vordergrund einer im Grunde genommen tragischen, monetär bewirkten Entfremdung der Menschen. Die Tragik liegt im Unglück, das scheinbar nur mit jemandes anderen Unglück vermieden werden kann. So beginnt Madame äusserst heiter und entwickelt sich (leider) zunehmends zu einem immer pathetischeren Postulat gegen solche Zustände.

In der Welt, wo 1982er-Haut-Brion ausgeschenkt und Kinder zum Golfunterricht geschleppt werden, ist Etikette und Knete gefordert, und wenn die High Society die Kontrolle über ihre Mechanismen verliert, gibt es erst recht kein Pardon. Diese Unerbittlichkeit wird filmisch manchmal mit starken Donnerschlägen und hübschen Bildern umgesetzt, manchmal wird man mit kraftlosen Momenten und zweifelhaften Situationen im (Niesel)Regen stehen gelassen. So bleibt in dieser tragikomischen Romanze der Ausflug in höhere Sphären hauptsächlich der unbescholtenen Maria vergönnt.

Tom von Arx [arx]

Für OutNow schaut Tom seit 2015 Filme und detektiert seit 2019 Stilblüten und Vertipper. Der Profi-Sprecher und überzeugte Hufflepuff lässt sich gerne bei sublim konstruierten Psycho-Thrillern vom metaphysischen Gruseln packen und wünscht sich eine tierleidfreie Welt voller biggest little farms.

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Kommentare Total: 3

Conor

90 Minuten solide Unterhaltung, nicht mehr aber auch nicht weniger. Das offene Ende vermochte mich noch etwas zu beschäftigen. Schön.

Granunaile

Der Film und auch die darin gezeigten Figuren sind belanglos. Die wenigen guten Sprüche und die sporadisch aufscheinende Situationskomik mögen den Film nicht zu retten.

arx

Filmkritik: Le Monsieur

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