Lotto (2017)

  1. ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: Da können Millionäre gemacht werden...

It's all about the money...
It's all about the money...

Walter (Peter Freiburghaus) ist krank, er leidet an einem Krebstumor in seinem Gehirn. Die niederschmetternde Prognose: Ihm bleiben nur noch wenige Wochen zu leben, bevor er seiner Krankheit erliegen wird. Er beugt sich dem Schicksal, sein Lebenswille schwindet von Tag zu Tag, im Spital isst und trinkt er nichts mehr, fällt ins Koma. Besucht wird er von seinen beiden Kindern Philipp (Urs Jucker) und Susanne (Lilian Amuat), welche alles daran setzen, in ihrem Vater die Lebensgeister wieder zu erwecken.

Einfach einmal wieder Kind sein
Einfach einmal wieder Kind sein

Spontan behauptet Philipp, Walter - seines Zeichens 30 Jahre erfolgloser Lottospieler - habe im Schweizer Zahlenlotto den Jackpot von 5 Millionen Franken geknackt. Und siehe da, es geht steil bergauf mit Walter. Voller neu geschöpfter Energie, macht er sich auf, will alte Schulden abbezahlen und seinen Kindern und Freunden endlich ermöglichen, was in all den Jahren zuvor finanziell nie möglich war. Ganz zum Unmut von Philipp, denn der muss die Zeche dafür bezahlen, trauen sich die Geschwister doch nicht, ihrem Vater zu beichten, dass da keine Millionen vorhanden sind.

Mit einem eingespielten Cast und interessanten Nebenrollen baut Regisseur Micha Levinsky in der Tragikomödie Lotto eine Story auf, welche nicht durch viel Neues, aber durch eine schöne Portion Herzlichkeit besticht. Emotionale Momente werden an den rechten Flecken eingestreut, halten die Geschichte zusammen und treffen auch den Zuschauer genau dort, wo sie sollen.

Mit Lotto präsentiert der Regisseur Micha Lewinsky (Die Standesbeamtin) eine Komödie mit tragischen Elementen. Lilian Amuat und Urs Jucker, welche bereits für Der Frosch miteinander vor der Kamera standen, erhalten hier Unterstützung von Peter Freiburghaus, welcher die Rolle des erkrankten Vaters Walter übernimmt. Und: Als Geschwisterpaar harmonieren die beiden wesentlich besser als in der Darstellung des Liebespaares.

Für die Nebenrollen wurde ebenfalls ein interessanter Cast gewählt: Lale Yavas verkörpert mit viel Leidenschaft ihre Rolle als Anna, Dominique Müller spielt den abgedrehten Arbeitskollegen von Philipp mit dem wohl schlechtesten T-Shirt-Geschmack aller Zeiten. Amuat und Jucker schliesslich schaffen es mit reifen Leistungen, die Geschichte zu tragen, der Zuschauer nimmt ihnen ihre Rollen ab. Sie wirken vertieft in ihren Rollen, es entsteht eine angenehme Dynamik und Atmosphäre zwischen Bruder und Schwester.

Die Story selbst ist nicht wahnsinnig innovativ und etwas gar leicht vorhersehbar. Dass sich Philipp und Susanne immer weiter in den Sumpf reiten werden, um schlussendlich chancenlos zu sein, dort wieder herauszukommen, ist beinahe unumgänglich, wäre die Story ansonsten doch viel zu früh zu Ende. Dennoch trumpft der Film auf mit einem feinfühligen Humor, vielen witzigen Momenten und Situationen, aber auch mit Tiefe in den richtigen Momenten.

Der Film wurde fürs Fernsehen produziert, was man ihm auch anmerkt, denn er versucht weder aus dem Rahmen zu fallen, noch Experimentelles zu wagen: keine ausgefallenen Kameraperspektiven, keine spezielle Belichtung, kein wahnsinniger Score, keine cineastischen Elemente. Aber die wären bei Lotto sowieso fehl am Platz gewesen.

Es bleibt ein erwärmendes Gefühl zurück, der Film hat das Herz am richtigen Fleck. Beispielsweise wenn Philipp und Susanne alles tun, um ihren Vater glauben zu lassen, er habe sein Lebensziel, einmal im Lotto zu gewinnen, endlich erreicht. Oder wenn sie die geschenkte Nordpolreise vom Vater an seinen Kollegen inszenieren, weil sie es nicht übers Herz bringen, dem Vater die Wahrheit zu gestehen. Und diesen zu schlussendlich zu einer wesentlichen Schlussfolgerung bewegen können: Geld ist eben doch nicht alles im Leben. Die Familie schon!

/ yab

Kommentare Total: 2

jon

Das Fazit tönt aber eher nach 5 denn nach 3.5 Sternen. 😉

yab

Filmkritik: Da können Millionäre gemacht werden...

Kommentar schreiben

Jetzt unter freiem Himmel!

Der Film wird Openair aufgeführt, das nächste Mal am 7. August 2019.