Logan (2017)

Logan (2017)

Logan - The Wolverine
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  2. 137 Minuten

Filmkritik: Abrechnung mit dem Alter

67. Internationale Filmfestspiele Berlin 2017
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse werden zu Mutanten.
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse werden zu Mutanten.

Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) ist in die Jahre gekommen. Als Chauffeur einer ansehnlichen Stretchlimousine verdient er sein Geld mit dem Kutschieren von reichen Geschäftsleuten oder Partyvolk. Der verdiente Lohn wird gespart für eine mittelgrosse Yacht, die ihm den Weg in ein geruhsames Leben ebnen soll. Zusammen mit einem alten, gebrochenen Professor Xavier (Patrick Stewart) lebt er nahe der mexikanischen Grenze, abgeschieden von der Zivilisation. Liebevoll kümmert er sich um den kranken Charles, der für ihn wie ein Vater ist. Ein weiterer Mitbewohner ist der lichtscheue Mutant Caliban (Stephen Merchant).

Auch mit Bart gut am Start
Auch mit Bart gut am Start

Mit der Abgeschiedenheit ist es jedoch bald vorbei, als ein junger Mutant, Laura (Dafne Keen), auftaucht und das Leben von Logan auf den Kopf stellt. Verfolgt von dunklen Mächten, ist Laura nur ein kleines Stück eines grossen Puzzles der Wissenschaft. Das Mädchen besitzt dieselbe Gabe wie Logan. Zusammen mit Charles begeben sich die drei auf die Flucht und zugleich auf die Suche nach Antworten.

James Mangolds Logan ist das letzte Abenteuer über den Mutanten mit den Krallenhänden. Vom Alter gezeichnet, in einer Welt fast ohne Mutanten, lebt er fern der Zivilisation auf einem Industriegelände und wird durch die Begenung mit einer jungen Mutantin noch einmal gefordert. Reduziert auf wenige Actionszenen, liegt die Stärke des Films in seinen Figuren und deren Entwicklung. Fragen wie Menschlichkeit, Werte und Zusammenhalt stehen im Mittelpunkt des Films. Ein würdiger Abgang für Hugh Jackman in seiner Paraderolle.

Seine Limousine ist sein Ein und Alles. Wer seinem Baby zu nahe kommt, der hat ein Problem. Als ein paar Latinos versuchen, die Radkappen des Wagens zu stehlen, lernen sie Logan von seiner richtigen Seite kennen. Da fliegt ein Arm, da spritzt das Blut. Mit Logan ist nicht zu scherzen.

Gleich zu Anfang von James Mangolds Logan geht es schon hart und brutal zur Sache, zeigt der in die Jahre gekommene Mutant, was in ihm steckt. Alt ist er geworden, grauer Bart, graue Haare, auch die Knochen tun weh. Gezeichnet eben von einem harten Leben als Wolverine. Auch er leidet unter den üblichen Erscheinungen des Alters, sein Körper regeneriert bei weitem nicht mehr so schnell wie früher. Auch eine Lesebrille ist nötig, eine der wenigen humorvollen Ideen des Films.

Im Jahr 2029 herrscht Endzeitstimmung. Die Mauer zwischen Amerika und Mexiko steht, es ist Jahre her, dass der letzte Mutant geboren wurde. Mangold zeigt Logan als gebrochenen Mann, der nur eins möchte, seinen Frieden. Doch sogar in der Abgeschiedenheit wird er gefunden, durch eine Krankenschwester, die um Hilfe bittet. Er soll ein junges Mädchen nach North Dakota in Sicherheit bringen. Laura entpuppt sich als Tötungsmaschine wie Wolverine, mit den gleichen Fähigkeiten, brutal und schnell. Sie ist eine Kopie des alten Mutanten, ein Mädchen, welches erst im letzten Drittel des Films das erste Wort spricht.

Anders als erwartet, lebt der Film nur von wenigen Action- und Kampfszenen. Ein sehr ruhiges Erzähltempo bestimmt den Film, es wird viel geredet und viel Auto gefahren. Stellenweise ist das doch recht zäh. Umso mehr Wucht haben dann die Kampfszenen, da sie fast überraschend hereinbrechen. Wenig Humor hat der Film, er ist konsequent brutal, eine ungewollte letzte Abrechnung des grossen Wolverine mit seinen Gegnern und seinem Leben. Zugleich hat der Film aber auch viel Menschliches. Agiert Laura anfangs noch konditioniert als Maschine, so lernt sie im Verlauf der Geschichte ein anderes Leben kennen. Werte wie Freundschaft, Familie oder gegenseitiges Helfen finden einen Weg in ihr Leben und sie kann zum Ende sogar Gefühle zeigen.

Die Comicvorlage «Old Man Logan» von Mark Millar diente James Mangold u.a. als Inspiration für einen harten, düsteren und brutalen Film über Wolverine. Das dritte und letzte Solo-Abenteuer Wolverines zeigt einen vom Alter und Selbstzweifeln geplagten Mutanten, durch den der Nachwuchs wieder Menschlichkeit und Zugehörigkeit kennenlernt. Ungewohnt ist die Reduzierung bei der Action, zugleich liegt hierin aber auch die Stärke des Films. Hugh Jackman zeigt einen würdevollen Abgang des grossen Mutanten, anders als erwartet, aber mit überraschend viel Tiefe.

/ jst

Kommentare Total: 5

philm

Gut ausser dem dämlichen Schluss im Wald

chepp

Das ist wohl wirklich der beste X-Men Film von allen. Der Film schafft echt eine super Stimmung und ich bin schon lange nicht mehr so klamm in meinem Kinosessel gesessen wie hier! Leider verliert die düstere Spannung nach ca. 3/4 des Films an Intensität,

Spoiler zum Lesen Text markieren

sobald Laura anfängt zu sprechen und die anderen Mutanten-Kiddies auftauchen

... aber was solls, im Rückblick immer noch ein toller Film mit einem konsequenten Ende.

thatssno

Für mich der beste aller X-Men-Filme. Story, Kamera, Effekte, schauspielerische Leistungen, Soundtrack: hier stimmt einfach alles!

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