The Little Hours (2017)

The Little Hours (2017)

  1. ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: Sinful nuns

17. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2017
"KANNST DU MICH HÖÖÖÖREEEEEN!!!"
"KANNST DU MICH HÖÖÖÖREEEEEN!!!" © Studio / Produzent

Massetto (Dave Franco) wird von seinem Meister vertrieben, als er sich an dessen Frau zu schaffen macht. Auf seiner Flucht trifft er auf Pater Tommasso (John C. Reilly), welcher mit seinem Karren in Schieflage geraten ist und dessen teure Seidentücher nun an den Klippen im Fluss hängen. Massetto hilft ihm dabei, sie zu bergen. Der Pater entlöhnt ihn dafür mit einem Schlafplatz, einer Mahlzeit und der Aussicht, im nahe gelegenen Kloster arbeiten zu können, um seiner Sünde Busse zu tun. Einzige Bedingung: Er soll sich bei den Nonnen als taubstumm ausgeben - des Selbstschutzes wegen.

Im Kloster trifft Massetto auf die Nonnen Alessandra (Alison Brie), Fernanda (Aubrey Plaza) und Genevra (Kate Micucci), welche bald Gefallen an ihm finden. Als dann eines Tages Bischof Bartolomeo (Fred Armisen) auftaucht, gerät die Situation völlig aus dem Ruder.

Eine irrsinnige Komödie mit Nonnen ausser Rand und Band und Sünden im Minutentakt - mit The Little Hours präsentiert Jeff Baena ein komödiantisches Spektakel, welches Seinesgleichen sucht. Mit herausragenden schauspielerischen Leistungen, viel Passion und einem guten Geschmack, was Humor angeht, nimmt einen das Werk mit auf eine Reise durch den Alltag der Nonnen im Kloster und wirft einen zynischen Blick voller schwarzem Humor auf Keuschheit, Sünden und die Kirche als Institution an und für sich. 90 Minuten beste Unterhaltung und Bauchschmerzen vor Lachen sind vorprogrammiert.

Der amerikanische Regisseur Jeff Baena zeichnete vor The Little Hours erst für zwei Langfilme verantwortlich: 2014 inszenierte er die Zombiekomödie Life after Beth, 2016 erschien seine Tragikomödie Joshy. Beide Filme liefen im Wettbewerb am Sundance-Filmfestival, was als Wertschätzung für Baenas Filmschaffen gedeutet werden darf. Ebenso feierte The Little Hours seine Premiere im beschaulichen Park City in Utah. Nach einer Zombie-Komödie und einer Tragikomödie wagt sich Baena nun an eine reine Komödie, ohne ein zusätzliches Genre einzubinden. Ein schwieriges Unterfangen, denn eine pure Komödie erfüllt ja auch nur einen Zweck: die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Und Baena zeigt, dass er sein Fach versteht.

Es sind 90 Minuten vollgepackt mit Slapstick, Witzen und absurd-komischen Situationen, bei denen kein Auge trocken bleibt. Die Dichte an Gags ist so hoch, dass dazwischen kaum Zeit bleibt, sich zu beruhigen und sich die Augen zu trocknen. Es ist kein plumper, schwerfälliger Humor. Auch wenn er sich meistens um Sexualität oder Sünden dreht, bleibt er stets raffiniert und auf einem anständigen Grundniveau. Das Aufbeben der unterdrückten Sexualität der Nonnen bleibt aber bei weitem nicht das einzige sündige Vergehen. Eine ganze Liste weiterer verbotener Verhaltensweisen gesellt sich dazu, was die Situation immer absurder macht und die Charaktere tiefer ins Verderben zieht, bis schlussendlich die gesamten, seelischen Abgründe erreicht sind: Hexerei, Blasphemie, Lüge, Verleumdung, um nur einige zu nennen.

Die Akteure, von denen Aubrey Plaza, John C. Reilly, Alison Brie und Molly Shannon schon in früheren Baena-Produktionen dabei waren, agieren grossartig und beleben das Geschehen. Sie erst erzeugen eine Atmosphäre, welcher sich der Zuschauer kaum entziehen kann. Mit Dave Franco, Kate Micucci sowie den eben erwähnten Baena-Rückkehrern Alison Brie, John C. Reilly und Aubrey Plaza konnte ein namhafter Cast zusammengebracht werden, welcher sich in Rage zu spielen vermag. Das ist grosses Kino und eine reife Leistung aller Akteure!

So vergeht die Laufzeit wie im Fluge und der Bauch schmerzt. Der einzige Nachteil des Werkes bleibt wohl, dass er einem kaum Zeit zur Erholung gönnt, was aber durchaus verschmerzbar ist.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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Kommentare Total: 2

yan

Eine Komödie sollte wie vom Kritiker erwähnt hauptsächlich witzig sein, Lacher suchte ich hier aber vergebens. Jeff Baenas Humor hat mir aber schon beim Vorgänger "Life After Beth" überhaupt nicht zugesagt. "The Little Hours" ist trotz cooler Besetzung ein richtiger "Scheiss-Film".

yab

Filmkritik: Sinful nuns

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