The Last Word (2017)

The Last Word (2017)

Zu guter Letzt
  1. ,
  2. 108 Minuten

Filmkritik: Grumpy Old Woman

Radio Gaga
Radio Gaga © Praesens Film

Harriet Lauler (Shirley Maclaine) war einmal eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Ihren Ruhestand verbringt sie einsam in ihrem riesigen Anwesen mit ihrem Hilfspersonal, welches sie mit ihrer Kontrollsucht tyrannisiert. Als sie realisiert, dass sie in der letzten Phase ihres Lebens angekommen ist, kontaktiert Harriet die junge Journalistin Anne (Amanda Seyfried) und bittet diese, einen Nachruf für die ältere Dame zu verfassen.

Hemdausverkauf bei Vögele
Hemdausverkauf bei Vögele © Praesens Film

Bei ihren Recherchen muss Anne feststellen, dass Harriet so ziemlich von niemandem geliebt wurde. Die eiskalte, toughe Frau hatte fast keine Freunde. Als auch Herriet selbst zu dieser Realisation kommt, beschliesst sie ihr Leben kurzfristig zu ändern. So sollen dann doch noch ein paar positive Dinge in ihrem Nachruf stehen. Anne soll ihr dabei helfen, sie ins beste Licht zu rücken.

Feel-Good-Movies plagen seit Jahren nicht nur die Open-Air-Kinosaison, sondern räumen auch des Öfteren bei den Oscars ab. Um in diesem Genre jedoch wirkungsvoll zu sein, braucht es vor allem einen unwiderstehlichen Charme und eine berührende Geschichte. The Last Word kann hier nur beschränkt punkten und fällt stattdessen eher durch eine solide Performance von Schauspiellegende Shirley Maclain auf. Ansonsten gibt es leichte Kost für zwischendurch.

Ende der Neunzigerjahre überraschte Regisseur Mark Pellington mit dem innovativen, hintergründigen Thriller Arlington Road, auf den der nicht minder spannende und stylische The Mothman Prophecies folgte. Wie er nun den (Um)weg zu diesem seichten Feel-Good-Movie gefunden hat, ist verblüffend. Mit wenig visuellem Flair inszeniert Pellington hier Fliessbandware, die aber dank dem Duo von MacLaine und Seyfried doch noch knapp die Kurve kriegt.

Die Geschichte der eiskalten, Menschen verachtenden Person, die sich dank einer neuen Bekanntschaft doch noch zu "Everybody's Darling" wandelt, ist seit Ebenezer Scrooges Zeiten beliebt in allen Unterhaltungsformen. The Last Word folgt dem Regelwerk punktgenau und bietet so keine einzige Überraschung. Shirley MacLaine in ihrer Rolle als Miststück zuzusehen macht aber einigermassen Spass, und Amanda Seyfried bringt ihre gewohnte Naivität und wortwörtliche Blauäugigkeit mit sich, wodurch sie als Identifikationsfigur fürs Publikum gut funktioniert.

Eine Nebenhandlung um ein fluchendes, bedürftiges Mädchen hätte gestrichen werden sollen und auch die Liebesgeschichte zwischen Amanda Seyfrieds Figur und einem hippen Radio DJ ist ziemlich Nebensache. Dafür gibt es im Film einige coole Songs aus mehreren Epochen zu hören. Wenn dann gegen Ende auf die Tränendrüsen gedrückt wird, dürfte das selbst beim labilsten Zuschauer nicht funktionieren. Obwohl MacLaine im Film eine ziemliche Wandlung durchmacht, ist das Ende nicht gerechtfertigt und lässt kalt.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd

Trailer Englisch, mit deutschen Untertitel, 02:23