Lady Bird (2017)

Lady Bird (2017)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: Dini Mueter... isch super

42nd Toronto International Film Festival
Kein stilles Örtchen mehr
Kein stilles Örtchen mehr © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Christine McPherson (Saoirse Ronan) hat sich selbst den Namen "Lady Bird" gegeben, und alle um sie herum sollen diesen gefälligst auch benutzen. Sie kann es kaum erwarten, ihren Heimatort in Sacramento für ein weit entferntes College hinter sich zu lassen. Christine träumt von der Ostküste, wo die Intellektuellen zu Hause sind und sie sich sicher wohlfühlen wird. Doch ihrer Mutter (Laurie Metcalf) wäre es lieber, wenn ihre Tochter in der Nähe, sprich in Kalifornien, bleiben würde.

Ist das Leben nicht schön...
Ist das Leben nicht schön... © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Vor allem aus finanzieller Sicht würde dies mehr Sinn machen, da sie mit ihrem Lohn als Krankenschwester die ganze Familie durchbringen muss, während ihr Ehemann (Tracy Letts) gerade unfreiwillig auf Jobsuche ist. Dies alles blendet Lady Bird jedoch aus. Sie rebelliert, hat ein freches Mundwerk und lässt sich auf Techtelmechtel mit Mitschülern ein, während auch mal schnell die beste Freundin gegen eine andere ausgetauscht wird.

Lady Bird ist eine pointierte Tragikomödie um eine junge Rebellin. Dank Regiedebütantin Greta Gerwigs tollem Drehbuch sowie ihrer Inszenierung gibt es viel zu lachen, und am Ende werden die Zuschauer mit einem richtig schönen Gefühl wieder in die reale Welt entlassen. Die kleine Filmperle zeigt Teenager mit unmöglichem Verhalten und liebende Eltern, die trotzdem hinter ihnen stehen. Indem diese so vieles für ihre Sprösslinge möglich machen, sind sie die wahren Helden.

Indie-Darling Greta Gerwig (Frances Ha) hat schon an vielen Drehbüchern mitgeschrieben und auch mal Co-Regie geführt. Doch alleine hat sie es bisher noch nicht hinter die Kamera gewagt. Dies hat sich mit Lady Bird geändert - einem unglaublich energiegeladenen Film, mit dem Gerwig auf ihre eigene Teenager-Phase zurückschaut.

Dies ist natürlich ein beliebtes Thema für Erstlingswerke. Aus eigenen Erfahrungen lässt es sich ja bekanntlich am einfachsten und authentischsten erzählen. Doch solche Coming-of-Age-Storys gibt es wie Sand am Meer. Wieso also sollte man sich diese antun, die auch nicht wirklich etwas Neues erzählt? Die Antwort liegt im sehr witzigen Skript und der erstaunlichen Inszenierung. Dialogszenen werden wie oft bei typischen Gerwig-Filmen schnell vorgetragen und in Lady Bird zudem fast so rasant geschnitten wie Actionszenen. So besteht immer die Gefahr, ein humoristisches Highlight zu verpassen, sollte einmal zu laut gelacht werden.

Die reine Anzahl an pointierten Dialogen, die Gerwig hier auf die Zuschauer loslässt, ist schlicht sensationell. Mit Sairose Ronan hat sie zudem eine Schauspielerin gefunden, die ihren Part des rebellischen Trotzkopfs mit viel Energie spielt und auch ein bisschen an Hailee Steinfeld in dem Geheimtipp The Edge of Seventeen erinnert.

Doch Lady Bird ist nicht nur schnell vorgetragenes Pointen-Tennis, sondern auch die Geschichte einer Mutter, die sich den Arsch aufreisst, um ihre Kinder innerhalb der begrenzten Möglichkeiten zu unterstützen. Die von Laurie Metcalf gespielte Mutter näht, kocht, gibt Ratschläge und arbeitet auch mal mehrere Schichten im Krankenhaus, um die Familie durchzubringen. Auch wenn Metcalf im Vergleich zu ihrer Filmtochter nicht viel Screentime hat, ist sie über den ganzen Film zu spüren.

Das Hohelied, welches Gerwig auf hart arbeitende und von ihren Kindern als selbstverständlich angesehene Mütter singt, ist wunderschön und bittersüss. Nach dem Ansehen des Filmes werden einige Mütter Umarmungen von ihrem erwachsenen Nachwuchs bekommen. Greta Gerwig zeigt in Lady Bird mit Witz und Herz, dass sie nicht nur vor der Kamera, sondern auch als Regisseurin Wunderbares vollbringen kann.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 3

andycolette

Sehr guter Film Mega gespielt aber Dunkirk und Call me by your Name wo die 2 besten Filme des Jahres sind haben mich deutlich mehr beeindruckt!!

Conor

Excellent! Greta, Satires, Timothée und besonders Laurie lassen mir keine Wahl. Dieser Film geht tief und hält an.

crs

Filmkritik: Dini Mueter... isch super

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