Jour J (2017)

Jour J (2017)

Filmkritik: Liebe lieber anders?

Eine wilde Partynacht
Eine wilde Partynacht © Studio / Produzent

Mathias (Nicolas Duvauchelle) feiert mit seinem Kumpel Ben (François-Xavier Demaison) eine wilde Kostümparty-Nacht und lernt dabei die als Wonder Woman verkleidete Juliette (Reem Kherici) kennen. Sie flirten, trinken zusammen und es kommt, wie es kommen muss: Sie landen zusammen in der Kiste. Zum Abschied gibt Juliette Mathias eine Visitenkarte mit ihrer Nummer. Am nächsten Morgen findet Mathias' Freundin Alexia (Julia Piaton) deren Visitenkarte in seiner Jackentasche. Sie wird skeptisch, doch als sie sieht, dass Juliettes Beruf Wedding-Plannerin ist, kann das für sie nur noch eines bedeuten: Mathias will sie heiraten!

Es wird geheiratet!
Es wird geheiratet! © Studio / Produzent

Und welch andere Option hätte Mathias, als mitzuspielen? Er kann Alexia ja nur schlecht gestehen, dass er sie betrogen hat. Alexia ist hell begeistert von der anstehenden Hochzeit und trifft mit grossem Effort sämtliche Vorbereitungen, während Mathias versucht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Ständig umgeben von Alexia und Juliette, wird dies für ihn zu einer grossen Herausforderung.

Wenn nach einem kleinen nächtlichen Fehler eine ganze Kette an Ereignissen folgt, dann ist es wirklich dumm gelaufen: Genau dies geschieht in Jour J. Und es bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Entstanden ist eine angenehme romantische Komödie, die aber nicht viel tiefer als an der Oberfläche kratzt. Die Story bleibt simpel, lebt von schönen Settings und einem angemessenen Unterhaltungswert.

Jour J ist nach Paris à tout prix der zweite Film von Reem Kherici, an dem sie sowohl mitgeschrieben als auch darin die Hauptrolle gespielt hat. Eine Dreiecksbeziehung steht im Zentrum der Handlung von Jour J. Das ist soweit nicht speziell. Der Unterschied zu anderen Hochzeits- oder Liebes-Tragikomödien besteht darin, dass diese Konstellation bereits zu Beginn besteht. Keine lange, träge Anlaufzeit, auf einer Party geht's sofort zur Sache. Das Ausmass der Misere erfahren wir erst einige Minuten später. Welche nicht ganz unbedeutende Rolle ein als Frosch verkleideter Polizist darin spielt, soll hier nicht verraten werden.

Inhaltlich ist der Mist schnell gekarrt, die Frage ist nicht, «wann» es zur Eskalation kommt, sondern «wie» und vor allem wie heftig diese ausfallen wird. So bleibt die Storyline zwar vorhersehbar, wird aber doch durch kleine, nette Details aufgewertet. Da ist zum Beispiel Ben, der beste Kumpel von Mathias, der mit seinen Theorien und Statistiken über das Zusammentreffen von Männern und Frauen auftrumpft und diese stets grafisch darstellt. Rückblenden in die Kindheit von Juliette heizen zudem die Story noch weiter an.

Das Ganze ist lustig, romantisch und stimmt teilweise auch etwas nachdenklich - eine französische Romcom-Tragédie, wie sie im Buche steht. Dem gegenüber steht, dass Jour J wenig innovativ und etwas gar flach daherkommt. Die Tiefe fehlt, der Fokus liegt hier ganz klar auf dem (durchaus vorhandenen) Unterhaltungswert.

Reem Kherici als Wedding-Plannerin, die leicht nervige Alexia und der ziemlich blauäugige Mathias werden glaubwürdig, wenn auch überzeichnet, gespielt, es herrscht eine angenehme Chemie zwischen den Darstellenden. Den Vogel schiessen jedoch die Nebencharaktere ab: ein schwules Hochzeitspaar, die Mutter von Juliette und der bereits erwähnte Ben. So bleibt Jour J als witzige Rom-Com mit poppigem Soundtrack und schrulligen Charakteren in Erinnerung - und das ist gut so.

/ yab