Hostiles (2017)

Hostiles (2017)

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  2. 134 Minuten

Filmkritik: Brutales, weites Land

42nd Toronto International Film Festival
Warten auf Malick?
Warten auf Malick? © Ascot Elite

Amerika, 1892: Captain Blocker (Christian Bale) hat seinem Land im Kampf gegen die Indianer jahrelang gedient. Dabei hat er viele gute Männer verloren und ist von diesen Erlebnissen gezeichnet. Nun soll er noch einen Auftrag erledigen, bevor er sich zur Ruhe setzen kann. Blocker wird befohlen, mit ein paar Männern den jahrelang inhaftierten Indianer Chief Yellow Hawk (Wes Studi) und seine Familie in deren Heimat Montana zu bringen. Dort möchte der todkranke Chief seine letzten Tage verbringen.

Das Problem: Für Blocker ist Chief Yellow Hawk kein Fremder. Einige seiner besten Männer hat Blocker beim Kampf gegen Yellow Hawk und dessen Stamm verloren. So gehen die beiden Krieger mit Wut im Bauch auf eine beschwerliche Reise. Dabei wird der Trupp nach einiger Zeit unfreiwillig um ein Mitglied erweitert. Die Soldaten sammeln auf ihrem Weg die verstörte Rosalie Quaid (Rosamund Pike) auf, deren Familie von Indianern brutal umgebracht wurde. Wird die leidgeprüfte Gruppe ihr Ziel erreichen?

Der melancholische und brutale Western Hostiles wird aufgrund des gemächlichen Erzähltempos nicht allen gefallen. Es ist kein einfacher Film über Gewalt und deren Folgen, der dank den Bildern von Kameramann Masanobu Takayanagi und der Performance von Christian Bale sehenswert ist, auch wenn die Seite der Indianer mehr hätte beleuchtet werden sollen.

Wildwest-Romantik? Kennt Regisseur Scott Cooper nicht in seinem Nachfolgeprojekt zu dem Johnny-Deep-Crime-Drama Black Mass. Der Titel ist dabei Programm: Das Wort "Hostile" bedeutet feindselig/lebensfeindlich, und diese Adjektive beschreiben die Welt des Filmes sehr gut. Hier gibt es keine friedlich pfeiffenden Cowboys, sondern vom Leben gepeinigte Krieger, die jeden Morgen hoffen, am Abend noch heil zu sein. Wie unmenschlich das Ganze ist, wird in den ersten fünf Minuten etabliert, in denen eine Familie mit Ausnahme der Mutter brutal getötet wird. Ein echter Tiefschlag, der den Grundton unmissverständlich klarmacht.

Die von Rosamund Pike gespielte Mutter ist jedoch nicht die Einzige, die schwer zu leiden hat. Fast alle Protagonisten haben Schlimmes erlebt, und es wird recht schnell klar, dass der Film die Frage stellen wird, ob ihr Untergang aufgrund ihrer Verzweiflung, ihrer Vorurteilen oder ihrer Wut kommen wird. Oder gibt es für sie die Chance auf so etwas wie Erlösung? Beantwortet wird diese Frage leider vornehmlich auf der Seite der Weissen. Die Indianer in der Reisegruppe kommen in dieser Hinsicht deutlich zu kurz. Dies ist sehr schade und auch erstaunlich, weil (Film-)Zeit für eine kleine Romanze zwischen Christian Bales Soldat und Pikes Witwe gefunden wurde. Wer jetzt glaubt, dass da ein grosses Hollywoodstudio dreingeredet hat, der irrt: Hostiles wurde unabhängig produziert.

Sehenswert bleibt Coopers Streifen jedoch trotzdem. Bale gefällt in der Rolle des rassistischen Captains und macht die Zerrissenheit seiner Figur für den Zuschauer spürbar. Negativ fällt seine Performance eigentlich nur auf, wenn er verzweifelt in den Himmel schreien muss. Es ist ein blödes Klischee in einem sonst sehr stimmungsvollen Film mit viel Melancholie und wunderschönen Bildern von Kameramann Masanobu Takayanagi (The Grey). Das Erzähltempo ist im Vergleich zu anderen Western eher gemächlich, doch hat der Film seine besten Momente, wenn die Protagonisten am Lagerfeuer sitzen und über ihre Vergangenheit und ihre Lebensmüdigkeit reden. Es ist ein deprimierendes Werk, das Cooper gedreht hat, welches mehr mit The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford gemein hat als mit alten Clint-Eastwood-Streifen. Wer sich darauf einlässt, erhält ein interessantes Drama, das die Zuschauer noch eine Weile beschäftigen wird.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 3

yan

Vier Sterne passen. Traumhaft gefilmt, stark gespielt, aber zu einseitig beleuchtet. Anstatt eine Pseudo-Lovestory aufzuziehen, hätte man den Indianer und ihrem Konflikt mit den Weissen etwas mehr Bedeutung schenken können.

Die ersten Minuten fand ich zudem ziemlich aus dem Kontext gerissen. Hauptsache man zeigt ein paar böse Rothäute, wie Teufel geschminkt als gemeine Monster, die ganze Familien für ein Dutzend Pferde auslöschen.

andycolette

Kaum zu glauben Outnow gibt 4 Sterne besser geht nicht!
Habe gedacht nach dem Oscar Masterpice äs Dunkirk
Call me by your Name kommt mal
Wieder ein normaler Film!! Es war absolut sensationell Christian Bale unglaublich!! Bilder Musik traumhaft !!

crs

Filmkritik: Brutales, weites Land

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