Radiance - Hikari (2017/II)

Radiance - Hikari (2017/II)

Oder: Der Wind hat gedreht

Feel-Good-Moment

Feel-Good-Moment

Misakos (Ayame Misaki) Job ist es, Audiobeschreibungen zu verfassen, damit auch Blinde in den Genuss von Filmen kommen können. Dies ist nicht immer einfach, nimmt sie doch jeweils in Sessionen direktes Feedback von Blinden entgegen und muss sich dabei oft einiges anhören. Dies vor allem von dem Fotografen Nakamori (Masatoshi Nagase), der zwar noch ein bisschen sieht, sein Augenlicht jedoch schon bald komplett verlieren wird. Misako beginnt, sich ein bisschen mit Nakamoris Arbeit zu befassen und wird dabei an ihre Vergangenheit erinnert.

Hübsche Aussicht

Hübsche Aussicht

Nakamori hat mit derweil seinem schweren Schicksal zu kämpfen. Während seine Kollegen Erfolge feiern, ist er gerade dabei, alles zu verlieren, für das er gelebt hat. Für was er soll nun leben? Wird ihm vielleicht Misako helfen können, besser mit seiner Situation klarzukommen? Oder wird er die junge Übersetzerin mit seiner mürrischen Laune vorher vertreiben?


Film-Rating

Hikari ist ein feinfühliger Streifen, der mit dem Thema Audiotranskription ein spannendes Thema für Filmfans bietet. Der Film geht nahe und verzichtet auf allzu langes Verweilen auf Naturbildern, wie es bei Naomi Kawase in der Vergangenheit so üblich war. Nach An ein weiterer gelungener Streifen der japanischen Regisseurin.


Dass wir keine grossen Fans der früheren Werke der japanischen Regisseurin Naomi Kawase sind, ist hinlänglich bekannt. Doch der Wind, der in ihren Filmen so oft weht, hat gedreht. Mit An legte sie einen fast schon massentauglichen Film vor, der eine schöne Geschichte erzählte und auch berührte. Der Kritikerkollege schrieb damals: "Naomi Kawases Film schafft es, eine einfache, aber berührende Geschichte zu erzählen, ohne sie mit zu vielen spirituellen Leerläufen aufzublähen." Diese Aussage kann für ihnen neuen Film gleich übernommen werden. Denn Hikari ist ein ebenfalls ein feinfühliger Film geworden, der nahegeht.

Für Filmfans ist es vor allem spannend, den Job von Protagonistin Misako auf der Leinwand zu sehen. Audiotranskription ist ein faszinierendes Thema, das in den letzten Jahren auch in deutschsprachigen Regionen immer mehr ausgebaut worden ist. Heute nutzen öffentlich-rechtliche Sender wie SRF, ARD und ORF immer wieder den Zweikanalton, um Filme und Programme für Blinde und Sehbehinderte zugänglich zu machen. Misako beim Transkribieren zuzusehen und den Rückmeldungen der Blinden zu lauschen, ist interessant zu verfolgen. Vor allem die Begründungen der Blinden zu hören, wie sie etwas gesagt haben wollen und wie nicht, lässt den Zuschauer ein bisschen deren Welt verstehen.

Doch nicht nur für Filmjunkies ist Hikari sehenswert. Auch Fans von feinfühliger Unterhaltung kommen hier auf ihre Kosten. Wie der Fotograf Nakamori langsam sein Augenlicht verliert, geht nahe. Dagegen kommt die andere Hälfte dieses absehbaren Paares fast nicht an. Sie hat zwar auch ein bisschen Tragik in ihrem Lebenslauf, doch ist ihre Arbeit interessanter als ihr Privatleben.

Trotzdem ist Hikari ein gelungener Film, der versucht, uns mit anderen Augen sehen zu lassen. Und dies klappt sogar ganz gut. Die zentrale und auch ein paarmal im Film wiederholte Aussage, dass das am schönsten ist, was vor unseren Augen verschwindet, stimmt nachdenklich und bleibt in Erinnerung. Frau Kawase, wir werden langsam zu Fans.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

25.05.2017 / crs

Community:

Bewertung: 3.8 (3 Bewertungen)

 

 

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