The Greatest Showman (2017)

The Greatest Showman (2017)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Lebe deinen Traum oder träume dein Leben?

Zwei Männer - eine Schnapsidee
Zwei Männer - eine Schnapsidee © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Nachdem P.T. Barnum (Hugh Jackman) seine Arbeit verloren hat, kommt er auf eine Idee: Er gründet ein Kuriositätenkabinett. Menschen mit vermeintlichen körperlichen Abnormalitäten können dort von Zuschauern bestaunt werden. So zum Beispiel eine bärtige Frau und ein Kleinwüchsiger. Künstler aus verschiedenen Gebieten sollen die Vorstellung komplettieren, unter anderen die Trapezkünstlerin Anne Wheeler (Zendaya). Kreative Unterstützung erhält Barnum von Phillip Carlyle (Zac Efron), der ihm als dessen Schützling zur Seite steht.

The Show must go on.
The Show must go on. © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Doch längst nicht alle lassen sich begeistern. Während die noble Gesellschaft Barnums Shows nicht als Kunst anerkennt, reiben sich andere an den aussergewöhnlichen Menschen, die ihnen als Freaks erscheinen. Auch die eigene Familie sollte nicht vernachlässigt werden. All diese Zutaten, gepaart mit dem untrübbaren Ehrgeiz Barnums, resultieren in einer Suppe, die der Showman auszulöffeln hat...

Nach dem letztjährigen Erfolg von La La Land versucht The Greatest Showman in die entsprechenden Fussstapfen zu treten. Die Handlung weist keine überraschenden Twists oder Höhepunkte auf. Gleichwohl gelingt es Regisseur Michael Gracey, eine visuell-auditiv ansprechende Geschichte zu erzählen, die uns Menschen nicht nur das Träumen, sondern auch gewisse Tugenden lehrt. Somit schafft sich der Film neue, eigene Fussstapfen.

"Die Existenz geht der Essenz voraus." Mit diesem Satz versuchte der Philosoph Jean-Paul Sartre sein Menschenbild zusammenzufassen. Grundsätzlich seien wir, sobald wir auf der Welt sind, schlichtweg biologische Wesen, also eine einfache Existenz. Erst dadurch, dass wir uns ins Leben stürzen, und uns für Ziele und Ideale einsetzen, beginnen wir eine Essenz, also einen Charakter, zu entwickeln. Dazu gehört das Einstecken von Niederlagen. Wer richtig lebt, fällt hin. Wichtig bleibt allein, wieder aufzustehen oder wie Barnum sagt: "No one ever made a difference by being like everyone else." Hugh Jackman verkörpert dieses existenzialistische Menschbild in Form des zylindertragenden Zirkusdirektors perfekt: Der Blick in die Ferne gerichtet, das Selbstvertrauen grösser als sein Lächeln und der Optimismus strahlt ihm aus den Augen und Stimmbändern.

Auch die anderen Darsteller glänzen durch ihre Leistungen. So zum Beispiel Michelle Williams als singende und tanzende Ehefrau von Barnum, die ihn in allen Vorhaben unterstützt, ihm den Rücken stärkt und eine fürsorgliche Mutter ist. Am liebsten möchte man sie heiraten. Dass Zac Efron singen kann, muss nicht weiter besprochen werden. Dies ist bereits seit High School Musical bekannt.

Nebst den Fähigkeiten der Darsteller fallen die Kulissen auf. Während viele Filme versuchen, die Kulissen möglichst real darzustellen, wirken vor allem die Hintergründe extrem unrealistisch, vor allem aufgrund der Kontraste und Farbintensität. Mit den Liedern und Tänzen gepaart, glaubt man sich in einem Musical und nicht in einem Kino wiederzufinden.

Dass sich die Handlung vorhersehen lässt, sei geschenkt. Wie Thales von Milet vor zweieinhalbtausend Jahren die Sonnenfinsternis erahnen konnte, gelingt dies dem heutigen Kinobesucher in Bezug auf die Geschichte meist problemlos. Trotz der banalen Handlung kann viel aus der Geschichte entnommen werden. Nachhaltig bleibt vor allem die Fantasie Barnums. In jedem Schatten eines Kerzenlichts, an jeder Wand, in jeder Person; überall lässt sich Magie finden. Wir müssen sie nur zulassen. Eine Idee, die sich als Vorsatz für das neue Jahr anbietet.

Thomas Abplanalp [abt]

Thomas schreibt seit 2015 als Freelancer Filmkritiken für Outnow. Kinematografisches impressioniert nämlichen ohnegleichen: Filmisches ist leidenschaftlich multiplex. Originalität und traumhafte Nostalgie orchestrieren wunderbar.

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Kommentare Total: 3

Conor

Treu nach Barnum's Motto verzichtet der Film auf Inhalt und konzentriert sich auf die grossen Gesten, die Show. Jedoch wird dem Film verwehrt bleiben, was dem Zirkuspionier mit seinem Schaffen gelungen ist; Nachhaltigkeit.

andycolette

Toller Film sehr schön gemacht mit tollen Darstellern!! Songs haben mir im La La Land viel besser gefallen aber es war toll!!!

abt

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